Haussprüche aus Siebenbürgen

Ein Buch von Friedrich und Ilse Philippi im Schiller Verlag Hermannstadt

Sonntag, 20. Juli 2014

Ich meine, ein jeder Siebenbürger sollte sich freuen, wenn er ein solches Buch in die Hand bekommt, weil es einen Teil unseres Kulturgutes erfasst und vor dem Vergessen bewahrt. Wenn man das Buch jedoch öffnet, hat man sofort einen zweiten Grund zur Freude, da man eine gute Qualität der Fotos und der Buchgestaltung feststellt.

Sprüche an Hausgiebeln, an der Vorderwand oder Seitenwänden des Hauses sagen etwas über die Lebenseinstellung derer aus, die sie angebracht haben, oft aber auch derer, die sie nicht zerstört, sondern dort belassen, wenn nicht gar renoviert haben. Das gilt für die Zeit, als die Einwohner die deutsche Sprache, in der die Sprüche geschrieben sind, verstanden haben. Die heutigen Einwohner tun das vielfach nicht mehr, was die Erfassung und damit Sicherung umso dringlicher macht. Solche Gedanken sind eigentlich in treffenderen Worten von den Autoren selbst im Buch vermerkt worden.

Die Einstellung von Friedrich Philippi zu diesem Gegenstand ist durch das Goethe-Wort wiedergegeben, das er als Motto gewählt hat, und das zugleich als Hausspruch vorkommt: „Was Du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Das „Erwerben“ gestaltete sich für Friedrich Philippi als eine Arbeit von Jahren, bestehend im Aufsuchen der Orte, Abwandern der Straßen, Fotografieren, aber auch Nachfragen, ebenso Nachlesen bei früheren Autoren, im Ordnen und Bearbeiten des Gesammelten. Er hat, wie er im Buch schreibt, 230 Ortschaften besucht, also fast die Gesamtheit der Orte, die vor einigen Jahrzehnten noch sächsische Einwohner hatten. Nur in etwa der Hälfte der Dörfer ist er fündig geworden und hat in dieses Buch die immerhin beeindruckende Zahl von 108 Ortschaften aufgenommen.

Nach welchen Kriterien die Sprüche eingeteilt werden können, welches ihr Inhalt ist, das soll hier nicht ausgeführt werden, denn Friedrich Philippi tut das klar und übersichtlich in den ethnologischen Betrachtungen, die er dem Bildmaterial vorausschickt. Die Mehrheit der Sprüche ist jedenfalls auf Hochdeutsch verfasst und bezieht sich auf einen christlichen, tugendhaften Lebenswandel. Manche von ihnen finden sich in unterschiedlichen Ortschaften wieder. Doch dann gibt es auch solche, die aus der Reihe fallen und das macht die Lektüre interessant und abwechslungsreich. Man stellt auch fest, dass unsere Bauern es mit der Urheberschaft der Sprüche nicht immer genau genommen haben, so etwa wird das oben erwähnte Goethe-Wort auf einem der Häuser Schiller zugeordnet.

Die Einschätzung von Ilse Philippi im Vorwort des Buches, dass dieses auch nur ein Zwischenergebnis sei, ist wohl in dem Sinne richtig, dass Friedrich Philippi gewiss weiter sammeln und vielleicht auch zu neuen Erkenntnissen gelangen wird. Doch soll hier gesagt sein, dass dieses Buch von seiner Ausarbeitung her ein „fertiges“ Zwischenergebnis ist. Es ist eine sachkundige, genaue Dokumentation in schönen Bildern, eines der Bücher, mit denen wir uns Auswärtigen vorstellen können. Wenn die Autoren für Inhalt und Bildmaterial zuständig sind, so ist die Qualität des Layouts das Verdienst des Schiller Verlags.

Ich möchte mit der Frage enden, was wäre denn gewesen, wenn jemand vor 50 Jahren und jemand vor 30 Jahren eine ähnliche Arbeit vorgelegt hätte? Es wäre sehr gut gewesen! Es ist aber auch sehr gut, dass diese Arbeit jetzt erschienen ist und dass Friedrich Philippi noch so vieles dokumentieren konnte.

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