Heimat erwerben und besitzen

Feier zum 70. Geburtstag von Landeskirchenkurator Friedrich Philippi

Donnerstag, 08. November 2012

Bischof Reinhart Guib überreichte die Urkunde an Friedrich Philippi. Sitzend: Gattin Ilse Philippi, Kuratorin Rosemarie Müller und Pfarrer Bruno Fröhlich.
Foto: Hannelore Baier

Hermannstadt - „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Der Spruch auf seinem zeitweiligen Wohnhaus in der Berggasse/Str. Dealului in Hermannstadt/Sibiu prägte das Leben von Friedrich Philippi. Bei Erwerb und Besitz handle es sich nicht um materielle Werte, gemeint sei die Heimat. Auch Heimat muss man erwerben, um sie besitzen zu können, sagte Philippi in seinen Dankesworten auf die zahlreichen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag.
 

Im Rahmen der gediegenen Geburtstagsfeier am Montag im Festsaal des Bischofspalais gratulierte zunächst Bischof Reinhard Guib dem Landeskirchenkurator Friedrich Philippi und sprach dem Jubilar seine Wertschätzung für die „fruchtbare und menschennahe“ Zusammenarbeit aus. Der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien würdigte die Bemühen von Philippi, die „Gemeinden und Seelen zu stärken“ indem er selbst Lektorendienst tat und tut, die ehrenamtlich in den kirchlichen Körperschaften Tätigen zu Rüstzeiten sowie Kuratorentagen zusammenruft und die Gemeindekuratoren anlässlich ihrer runden Geburtstage besucht und beglückwünscht. Er scheue keinen Weg, Mühe oder Arbeit, um die Verbindung zur Basis aufrecht zu erhalten, sagte der Bischof. Er würdigte desgleichen die langjährige Tätigkeit des Gefeierten als Geografielehrer und seinen Einsatz insgesamt für die Schule, das Kulturgut und damit im Zusammenhang das Sammeln von Sprüchen an Häusern aber auch der Schulbücher, und nicht unerwähnt blieb die jährlich von Friedrich Philippi durchgeführte Storchenzählung.
 

Überreicht hat Bischof Guib dem Gefeierten eine Urkunde die besiegelt, dass die vom langjährigen Fachlehrer und Vorsitzenden der Schulkommission des Siebenbürgenforums angelegte und nun im Teutsch-Haus untergebrachte Schulbuch-Sammlung der Name Friedrich Philippi verliehen wird.
 

Dass die Kirche vom Ehrenamt lebt, erlebe er als Stadtpfarrer von Schäßburg/Sighişoara und habe es als Dechant erlebt, versicherte Bruno Fröhlich, der als ehemaliger Schüler im Namen der Pfarrerschaft Glückwünsche an den „Nicht-Theologen“ im höchsten Kirchenamt überbrachte. Der Schäßburger Dechant Johannes Halmen verlas Dankesworte in Reimen, von Seiten der Kuratoren war der 80-jährige Michael Alesi aus Kleinlassen/Laslăul Mic zugegen, das Gruß- und Dankeswort der Kuratoren sprach die Kuratorin aus Alzen/Alţâna, Rosemarie Müller.

Sie hatte ihn als Kurator des Hermannstädter Kirchenbezirkes kennengelernt und was er als Bezirkskirchenkurator begonnen habe, setze er seit 2008 als Landeskirchenkurator fort, sagte Müller. Er habe alle Kirchen und Pfarrhäuser besichtigt, die Menschen aber seien ihm am wichtigsten und sei ihnen stets ein guter Berater. Die Alzner Kuratorin verlas dann auch den Brief der ehemaligen Schülerin Edith Dengel, die die Brukenthalschule 1974 absolviert hatte.
 

Den Gratulanten präsentierte Friedrich Philippi anhand von Streiflichtern aus seinem Leben in Wort und Bild „seine“ Heimat. Das ist seine Familie, seit 1965 war es die Schule, in der er u.a. mittels zahlreicher Ausflüge auch vielen Generationen das Kennenlernen der Heimat ermöglicht hat. Seine Tätigkeit im Schulbereich auch nach der Pensionierung trug dazu bei, dass es 22 Jahre nach der Wende deutschsprachige Kindergärten und Schulen und im Teutsch-Haus eine ansehnliche Schulbuch-Sammlung gibt. Heimat ist für Friedrich Philippi seit 1966 der Bachchor, und war es 22 Jahre lang (bis 1997) die deutschsprachige Vortragsreihe der Volksuni, die er geleitet hat. Heimat erworben hat er beim Dokumentieren der Haussprüche und Flurnamen in Siebenbürgen aber auch beim Störchezählen, zum Erhalt der Heimat trug er bei durch den ehrenamtlichen Einsatz in der evangelischen Kirche. Letzteres tat und tut er gemeinsam mit all jenen Kuratorinnen und Kuratoren, die wie er, nach der Wende nicht ausgewandert sind und für Gemeinschaft und Liegenschaften Sorge tragen.

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