Heimat is, wu es Herz is

Vierte Mundarttagung in Temeswar

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Wortgewandt und stramm: Ignaz Bernhard Fischer stellte auf der Mundarttagung sein Buch “Schmunzlpille” vor

Der Leiter des Lokalforums Billed, Adam Csonti, spielte Meister Jakob in einer Inszenierung von Karina Reitsch. Sein Sohn wurde von Harald Weisz gespielt. Auch der Leiter des Lokalforums Sanktanna, Martin Reinholz, sowie seine Gattin Hermine, Karina Reitsch selbst und ihre Mutter spielten unter anderem in dem Kehrer-Stück mit

Am Ende wurde noch zum Tanzen aufgefordert: Die Mundarttagung endete mit dem Auftritt der Banater Rosmareiner
Fotos: Zoltán Pázmány

Es ist eben so, wie wenn Familie zusammenkommt: Forumsveranstaltungen wie die Temeswarer Mundarttagung werden stets von den gleichen Menschen besucht. Es sind meist diejenigen, deren Herz an der Banatschwäbischen Mundart hängt und die jenseits der Dialekte auch an die gute, alte Zeit erinnert werden, als die Zahl der Rumäniendeutschen noch nicht schwand.

Mundartliteratur wird fast ausschließlich von den älteren Forumsmitgliedern gemacht. Das unterstrichen die beiden Buchvorstellungen von Stefan Michael Müller sowie Ignaz Bernhard Fischer. Beide sind inzwischen über 80 Jahre alt. Das Leben hat diese beiden mit Weisheit beladen. Das kommt in ihren Geschichten zum Ausdruck, die vor Charme und Witz strotzen. Fischer bleibt ein charismatischer Redner, der jeden ausnahmslos in seinen Bann ziehen kann. Und Müller fängt in seinen Gedichten das Wesen der Banater Mundartliteratur ein und liefert die Antwort auf die ewig gestellte, meist schon fast zynische Frage, wieso überhaupt Mundartliteratur noch gemacht und gepflegt wird. Nein, von einem Aussterben kann nicht die Rede sein.

Wenn der 90-jährige Karl Windberger sich vor dem Publikum hinstellt und mit einem Sketch überrascht, der selbst Loriot imponiert hätte, dann kann vom Untergang einer Kultur nicht gesprochen werden. Der einzige bittere Nachgeschmack: Man würde sich wünschen, dass diese Vertreter der banatschwäbischen Mundart vierzig bis fünfzig Jahre jünger wären. Denn junge Autoren von ihrem Kaliber findet man heutzutage nicht mehr. Das Holz aus dem diese Männer geschnitzt wurden, scheint im Banat nicht mehr zu wachsen.

Das Gleiche gilt auch für den Germanisten Peter Kottler, der im Juli dieses Jahres von uns ging. Kottler arbeitete Jahrzehnte an einem Wörterbuch der Banatschwäbischen Mundarten. Schon in den 1970er Jahren fertigte Kottler eine Karte vom Banat an, worauf die verschiedenen Mundarten verzeichnet sind.

Peter Kottler war zweifellos der führende Experte, was banatschwäbische Mundart betrifft. Er konnte zumindest die Veröffentlichung eines Teils seines Lebenswerks noch erleben: Den ersten Band seines Wörterbuchs, der die Buchstaben A bis C beinhaltet. Prof. Dr. Roxana Nubert vom Germanistiklehrstuhl an der West-Universität hielt einen Vortrag über Peter Kottler. Sie stellte nicht nur Kottler, den Germanisten, sondern auch Kottler, den Menschen vor. Wie hart die Arbeit an dem Wörterbuch war und weshalb diese Arbeit Jahrzehnte seines Lebens verschlang, davon sprachen Dr. Alwine Iv²nescu und Dr. Mihaela [andor von der West-Universität in einem gemeinsamen Vortrag. Spannende waren auch die vorgestellten Beispiele aus dem Wörterbuch. Sie arbeiteten mit Peter Kottler zusammen an dem Buch und werden seine Arbeit auch weiter fortsetzen.

Erfolgreich war auch Hans Kehrer. Wenn Adam Müller Guttenbrunn als der große Schwabendichter gilt, so könnte man Kehrer als den großen Schwabendramatiker betrachten. Denn besonders durch seine dramatischen Werke, die im deutschen Staatstheater vor der Wende gespielt wurden, erlangte der Mundartautor unter seinen Landsleuten aber nicht ausschließlich großes Ansehen. Kehrer starb 2009 in Berlin im stolzen Alter von 96 Jahren. Dr. Annemarie Podlipny-Hehn hielt einen Festvortrag zu seinem 100. Geburtstag.

Wie denn nun die goldenen Jahre im alten Banat waren, zeigte eine alte Reportage vom Bayerischen Rundfunk, die 1971 produziert und heute auf dem Internet-Videoportal Youtube kostenlos steht. Damals besuchten deutsche Journalisten das sozialistische Rumänien, um von den vergessenen Deutschen aus Osteuropa zu berichten. Es war für viele Teilnehmer ein Blick in die eigene Vergangenheit. Darum gehörte die Reportage auch zu den Highlights des Kulturprogramms, womit nach Lesungen der Autoren Helen Alba, Eva Mayer, Martin Reinholz, Dietlinde Huhn, Grete Weidmann sowie Ada Lovasi am Nachmittag fortgesetzt wurde. Es sang auch der Forumschor unter der Leitung von Arthur Funk, es tanzte die Volkstanzgruppe Banater Rosmarein und es wurden auch Auszüge aus Hans Kehrers Adaption des Adam Müller-Guttenbrunn Romans „Meister Jakob und seine Kinder“ gespielt.

Das Stück wurde von der Schauspielerin und Dozentin Karina Reitsch inszeniert. Darin spielten Forumsleiter und – Vertreter aus Sanktanna, Billed und Temeswar mit. 

 

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*