„Heimat über Grenzen“

Pfingsttreffen in Dinkelsbühl setzt Zeichen der Verbundenheit zur Heimat in Siebenbürgen

Freitag, 20. Juni 2014

Voller Stolz und Anmut nahmen 2700 Trachtenträgerinnen und Trachtenträger am Festumzug teil, hier die Kreisgruppe Schorndorf aus der Landesgruppe Baden-Württemberg, die Mitausrichter des Heimattages war. Foto: Petra Reiner

Mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2014 wurden der Historiker Dr. Konrad Gündisch (2. v. l.) und der Kunsthistoriker Dr. Christoph Machat (1. v. r.) ausgezeichnet, auf dem Bild mit Manfred Schuller, Stellvertretender Bundesobmann in Österreich (1. v. l.) und Dr. Bernd Fabritius, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Foto: Hans-Werner Schuster

Der Kronstädter Musiker Dr. Steffen Schlandt (Mitte) wurde mit dem Ernst-Habermann-Preis der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung geehrt, hier flankiert vom Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius (l.) und dem Literaturhistoriker Dr. Stefan Sienerth, Vorsitzender des Kulturpreisgerichts. Foto: Hans-Werner Schuster

Unter dem Motto „Heimat ohne Grenzen“ feierten rund 20.000 Siebenbürger Sachsen bei hochsommerlichem Wetter ihren 64. Heimattag vom 6. bis 9. Juni in Dinkelsbühl. Sie gedachten vor allem zweier historischer Ereignisse – der Evakuierung der Nordsiebenbürger Sachsen vor 70 Jahren und der Wende in Osteuropa vor 25 Jahren –, die zu Leid, Heimatverlust, aber auch Aufbruch geführt haben. Die Siebenbürger Sachsen in Deutschland brachten sich in den zurückliegenden Jahrzehnten kraftvoll in die Gesellschaft ihrer neuen Heimat ein, pflegten aber auch ihre Kultur und ihre Verbindungen zu Siebenbürgen. Die Begegnungen und die niveauvollen Veranstaltungen des Pfingstfestes verdeutlichen einen Bewusstseinssprung hin zu mehr Verantwortung für das wertvolle siebenbürgisch-sächsische Kulturgut über Grenzen hinweg, ganz besonders für Siebenbürgen.

Höhepunkt des Pfingstfestes war der Festumzug von 2700 Trachtenträgern, geprägt von jugendlichen Gesichtern, an dem auch Michael Skindell, US-Senator in Ohio, teilnahm, der sich stolz zu seinen sächsischen Wurzeln bekennt.

In seinem Geistlichen Wort betonte Altbischof D. Dr. Christoph Klein vor der Schranne, die Siebenbürger Sachsen hätten „es verstanden, sich auch Heimat über Grenzen hinweg zu bewahren. In ihrer Verwurzelung in der Kirche, im christlichen Glauben und ihren nachbarschaftlichen Strukturen haben sie Heimat erfahren auch dann, als sie verloren schien. Und sie haben erlebt, dass dies ‚nicht durch Heer oder Kraft‘, sondern durch die geistgewirkte Macht Gottes geschieht.“

Eine positive Bilanz der 25 Jahre seit Zusammenbruch des Ostblocks zog Dr. Bernd Fabritius, Mitglied des Bundestags, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, in seiner Festansprache. „Wir feiern ein Vierteljahrhundert ohne todbringende Grenzzäune. Wir leben in Wohlstand und Sicherheit – es geht uns gut“, so fasste es Fabritius in seiner Ansprache bei der Festkundgebung am Pfingstsonntag zusammen. Er wehrte sich vehement gegen die Preisgabe des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes und rief die Siebenbürger Sachsen auf, ihre reiche Kultur zu pflegen und sich gewinnbringend in die Gemeinschaft einzubringen. Den Rahmen fürs Mitmachen biete der Verband, der sich vielseitig für die Rechte der Mitglieder engagiere. Um das zu erreichen, sei ein kontinuierlicher Dialog notwendig und man sei auf wohlgesinnte Gesprächspartner in der bundesdeutschen und zunehmend der europäischen Politik angewiesen.

Eine solche Stimme kam aus Baden-Württemberg. Innenminister Reinhold Gall, Mitglied des Landtags, würdigte das in Gundelsheim ansässige „bedeutendste siebenbürgisch-sächsische Kulturzentrum in der Bundesrepublik“ und den „hohen fachlichen kulturpolitischen Rang“ des Siebenbürgischen Museums. Seitens der Landesregierung sicherte der SPD-Politiker weitere Unterstützung für den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat zu.

„Deutschland kann stolz sein auf seine Siebenbürger Sachsen!“ Mit diesen Worten würdigte Hartmut Koschyk, Mitglied des Bundestags, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, deren Aufbau- und Gemeinschaftsleistung in Deutschland. Der CDU-Politiker sicherte seitens der Bundesregierung zu: „Wir werden uns weiter bemühen, das großartige kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Rumänien zu erhalten.“

Ein Grußwort vor der Schranne sprach Klaus Johannis, Bürgermeister der Stadt Hermannstadt und interimistischer Vorsitzender der Nationalliberalen Partei in Rumänien. Er ging der Frage nach: Was ist ein Europäer? – „Ich denke, ein Europäer ist jemand, der, egal, wo er hingeht, seine Heimat im Herzen mitnimmt, seine Kultur und seine Traditionen, wo es geht, pflegt. Und in diesem Sinne, liebe Landsleute, denke ich, sind wir Siebenbürger Sachsen recht gute Europäer.“ Klaus Johannis und Dr. Christoph Bergner wurden für ihr außerordentliches Engagement mit dem Ehrenstern der Föderation der Siebenbürger Sachsen, des weltweiten Dachverbandes der Siebenbürger Sachsen, geehrt.

In der Eröffnungsveranstaltung am Samstag bezeichnete der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Christoph Bergner die siebenbürgisch-sächsische Kultur als eine der frühesten und sogar als „älteste Freiheitskultur Europas“. Das auf dem Königsboden in Siebenbürgen gewachsene Erbe zähle „zu den wertvollen Kraftquellen für die geistig-kulturelle Entwicklung unseres Kontinents“.
Erstmals seit 1995 nahmen die Botschafter beider Länder, Werner Hans Lauk, bundesdeutscher Botschafter in Bukarest, und Dr. Lazăr Comănescu, rumänischer Botschafter in Berlin, am Heimattag in Dinkelsbühl teil. Werner Hans Lauk widmet sich mit sehr viel Empathie sowohl den in Rumänien lebenden als auch den ausgewanderten Siebenbürger Sachsen. Viele von ihnen hätten in Deutschland eine neue geografische Heimat gefunden, ohne jedoch ihre alte Heimat zu verlieren, sagte er bei der Eröffnungsveranstaltung. Auch dieser Heimattag zeige, wie sich alte und neue Heimat verbinden ließen. Die Siebenbürger Sachsen seien „Mittler, Bindeglied und Katalysator zwischen unseren Ländern und Gesellschaften, und damit Teil unserer gemeinsamen Geschichte, Gegenwart und Zukunft“.

Rumäniens Botschafter Dr. Lazăr Comănescu, der inzwischen zum sechsten Mal mit viel Freude und als Freund der Siebenbürger Sachsen am Heimattag teilnahm, zeigte sich als Vertreter Rumäniens dankbar, „dass Sie den Kontakt zu uns, den Vertretern Ihrer alten Heimat pflegen“. Er sei überzeugt, „dass wir im stetigen Dialog Lösungen für bestehende Probleme finden können, und dass Offenheit und Aufgeschlossenheit von beiden Seiten der richtige Weg ist“.

Das Motto des Heimattages bringe den Wunsch einer Zugehörigkeit zu einer grenzüberschreitenden Gemeinschaft zum Ausdruck, sagte Christiane Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der rumänischen Regierung.

Landeskirchenkurator Friedrich Philippi, der aus Hermannstadt angereist war, richtete Grüße von Bischof Reinhart Guib aus. Dass es die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien und auch viele Kirchenburgen „auch fünfundzwanzig Jahre nach der Wende immer noch gibt, verdanken wir denen, die sich in diesen Jahren für ihren Fortbestand haupt- und ehrenamtlich voll eingesetzt haben“, sagte Philippi. Dass zur Seele Siebenbürgens nicht nur touristische Sehenswürdigkeiten, sondern auch seine Menschen gehören, zeigte die Heimatkirche in der Ausstellung „Menschen der Diakonie“ in Dinkelsbühl.

Karl Arthur Ehrmann, ehemaliger Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung, sprach kein Grußwort, sondern richtete ein ausgesprochenes Dankeswort an alle, an die Partnerorganisationen, das Sozialwerk und den Verband, Privatpersonen und Institutionen, einschließlich an die politischen Vertreter beider Länder, denn von ihnen habe man mit den Jahren immer mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren.

Mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2014 wurden der Historiker Konrad Gündisch und der Kunsthistoriker Christoph Machat gewürdigt. Der Ernst-Habermann-Preis 2014 wurde an die Schriftstellerin Iris Wolff und den Musiker Steffen Schlandt überreicht. Der Siebenbürgisch-Sächsische Jugendpreis ging an Christine Greger. Ilse Maria Reich wurde als Leiterin der Siebenbürgischen Kantorei mit der Uraufführung des „Sonnengesangs des Heiligen Franz von Assisi“ des Komponisten Heinz Acker verabschiedet und mit der Verdienstmedaille „Pro Meritis“ geehrt.

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