Heimkehr eines Künstlers ins Banater Bergland

Zur Grafik-Aufstellung von Peter Kneipp in Reschitza

Dienstag, 25. Oktober 2016

Peter Kneipp in seiner Ausstellung
Foto: Werner Kremm

Gleich drei Eigenausstellungen hat Peter Kneipp bei seinem längeren Aufenthalt in der Heimat gezeigt: eine umfassende Gemäldeschau in der Reschitzaer Agora-Galerie, eine Ausstellung mit Stillleben in Bokschan und eine mit Zeichnungen im Frédéric- Ozanam-Haus anlässlich der 26. Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland.

Betritt man den Saal, der sich in den letzten Jahren schon als kleine Galerie des Demokratischen Forums der Berglanddeutschen bewährte, so kann man auf engstem Raum über ein Dutzend Bilder dicht aneinandergereiht sehen. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck einer schmucken Kette, denn durch die geschmackvolle Aufmachung werden Schwarz-Weiß-Blätter von Sepia und Farbbildern abgelöst, sodass der Betrachter durch diese Variation immer wieder überrascht wird. Und doch wirkt diese Ausstellung im Überblick einheitlich: einheitlich durch das Format der Bilder, durch die Technik und durch ihre Aussage.

Was das Format betrifft, sind es ausschließlich Kleinbilder, die auf dem Reißbrett in mühevoller Arbeit entstanden sind. Sie wurden nicht in freier Natur, vor dem jeweiligen Motiv auf der Staffelei entworfen, sondern im Atelier zumeist nach Skizzen oder fotografischen Ablichtungen akribisch erarbeitet.

Diese Technik hat Peter Kneipp sich selbst ausgearbeitet. Fast alle Bilder – außer Sepia – sind in Tusch als Federzeichnungen entstanden. Viele davon sind in Schwarz-Weiß geblieben, wobei die tonalen Abstufungen, von hellem Grau bis zu Tiefschwarz durch verschiedene Eingriffe – Punktierungen, Schraffierungen und Lavierungen – geschickt verwendet werden, um die Perspektive der Darstellung zu erzielen.

Bei den Sepia-Darstellungen wird auch eine Lavierung mit dem Pinsel eingesetzt, um die Konturen der Zeichnung zu mildern.

Bei vielen Bildern wird Farbe verwendet, sei es Aquarell oder Pastell, wobei die Übermalungen mit Wasserfarben etwas bunter, lebhafter und transparenter erscheinen, die Pastelle – eigentlich Deckfarben – etwas verhaltener sind.

Die Bilder geben das Banater Bergland wieder, vor allem Bokschan und seine Umgebung. In der Darstellung wird ausschließlich die reine Landschaft verwendet, ohne Staffage. Der Mensch ist in keinem der Bilder anzutreffen, nur seine gestaltende Hand in den Blumengärten vor der Haustür ist spürbar. Doch in allen Bildern ist der Autor selbst zugegen durch seine einfühlsame Wiedergabe einer heilen, friedlichen Welt, so wie er sie sich erträumt oder in ihrer Agonie erlebt.

An vielen Gemäuern nagt der Zahn der Zeit. Wie lange noch wird diese Welt bestehen?

Eine Nostalgie kommt darin zum Ausdruck, es sind Bilder, in denen diese Welt nur noch als Dokument erhalten bleibt. Als Symbol steht die Kirche aus Lindenfeld da – ganz „alleine“ ragt sie baufällig in den leeren Himmel, eine weiße Fläche – selbst verlassen von jedwelcher Vegetation. Dem Firmament und seinen atmosphärischen Wandlungen wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt, als flächig plakativ ist der Himmel weiß oder hellblau in allen Bildern vorhanden. Das Hauptaugenmerk gilt der Vegetation, wird auf das Blätterdach gerichtet, dicht und naturgetreu überwuchert es so manche Landschaft. Gleich den Gemälden der niederländischen Kleinmeister fügt sich jedes Blatt, jeder Grashalm, jedes kleinste Detail zu einem harmonischen Ganzen. Die Exponate zeugen von dem Gefühl der Heimatlosigkeit oder von einer Sehnsucht nach der alten zurückgelassenen Heimat. In diesem Sinne ist die Ausstellung auch eine Heimkehr des Autors.

Peter Kneipp ist 1995 nach Deutschland ausgewandert, wo er sich in Tuttlingen niedergelassen hat, nachdem er 30 Jahre lang in Bokschan als Zeichenlehrer gewirkt hatte. In Deutschland, nun in Ruhestand, konnte er sich mehr seiner Berufung als Künstler widmen.

Die musikalische Darbietung der Ensembles „Duo Gassenheimer“ und „Intermezzo“ bei der Vernissage boten den richtigen Rahmen zu der stimmungsvollen Schau.

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