Helden in Notsituationen

Rettungshunde gehen Vermissten auf die Spur

Mittwoch, 22. August 2012

Die Rettungshunde beweisen ihre Einsatzfähigkeit.

Die Gegend am Rande des Nordbahnhofs in Temeswar ist Bella schon längst bekannt. Hier kann sie zusammen mit ihrem „Freund“ Cedric, ein Labrador,  spielen. Doch Fangenspielen ist für sie nicht ein Thema, sie trainieren, vermissten Personen auf die Spur zu kommen. Für die beiden Rettungshunde sind diese Übungen fast ein Kinderspiel geworden. Ihre gescheiten Augen durchsuchen die Gegend, schnüffeln an jeder Ecke des Geländes und ihre gespitzten Ohren entgeht kein einziges Geräusch, bis sie nicht ihr Ziel erreicht haben und das Opfer gefunden haben. Dabei lassen sich die beiden von den Straßenkötern am Rande des Bahnhofs nicht ablenken. Sie reagieren nie aggressiv und können ihre Nervosität und Aufregung gut im Griff behalten. „Die Hunde sind so trainiert worden, dass sie nie auf Aggressivität reagieren“, sagt Eugen Szenasi. „Für eine perfekte Selbstkontrolle kommen wir immer mit unseren Hunden an solche Orte, wo ihre Reaktionen auf Lärm und andere urbane Ablenkungen gedämpft werden“, fügt der Hundetrainer hinzu.

Später am selben Nachmittag gehen die beiden Hundetrainer, Eugen Szenasi und Alexandru Dasc²lu, mit ihren Hunden zum Begaufer. Dort wird die Rettung aus dem Wasser trainiert. Bella ist vom Wasser nicht sehr begeistert. Dort ist Cedric der Experte. Cedric ist ein Labrador-Retriever. „Seine Rasse ist besonders dafür geeignet – er ist ein Wasserhund“, sagt sein Besitzer Alexandru Dasc²lu. Cedric läuft direkt ins Wasser hinein und wartet, dass ihm sein Trainer ein Objekt ins Wasser wirft. Nach dem Wurf schwimmt Cedric sofort in die bestimmte Richtung und kommt stolz mit dem Objekt ans Ufer zurück. Er wird gelobt und wartet nun auf die nächste Übung.

Bei der Wasserrettung schwimmen die Hunde meistens in einem speziellen Geschirr zum Opfer und bieten ihre Hilfe an, das Opfer kann sich dann am Geschirr festhalten und sich ziehen lassen. Ist das Opfer bewusstlos, fasst der Hund den Arm oder die Hand der Person und zieht sie an Land.

 

Der beste Freund – der Deutsche Schäferhund

Das kleine Zimmer im Gang eines alten Gebäudes in Temeswar ist voll mit Bildern von Hunden, Pokalen und Medaillen tapeziert. Hier hat der Hundetrainer Eugen Szenasi sein Büro. Der in Rente gegangene Polizeibeamte arbeitet nun als Koordinator der Security-Abteilung einer multinationalen Gesellschaft in Temeswar. Dabei ist der 62-Jährige auch als Privatdetektiv tätig. Egal, was für einen Job er im Laufe der Zeit durchgeführt hat, blieb seine größte Leidenschaft die Arbeit mit den Hunden. Und das kann man überall in seinem Büro sehen. Von den Wänden blicken Hunde aller Rassen herab. Egal, ob die Bilder groß, klein, bunt oder schwarz-weiß sind, steht nur eines fest, alle sind die besten Freunde des Mannes. Auf dem T-Shirt von Eugen Szenasi sind zwei Deutsche Schäferhunde abgebildet. Im Englischen kann man die Aufschrift lesen: „My best friend is my german shepherd“. Eugen Szenasi weiß schon seit Jahren, dass die Freundschaft zwischen Mann und Hund kein Klischee ist, sondern eine Wahrheit:  „Ein Hund hat all die Ehrlichkeit und die Fairness, die sich beim Menschen nicht wiederfinden“, sagt Eugen Szenasi.

Schon Mitte der 80er Jahre begann er sich für Hundedressur zu interessieren, mittlerweile ist der Temeswarer Fachmann im Bereich der Hundedressur und im Bereich der Rettungshundedressur. Im Laufe der Jahre hat Eugen Szenasi an mehreren Rettungsaktionen teilgenommen. „70 Prozent aller Rettungsaktionen sind dem Hund zu verdanken“, sagt der Hundetrainer.

„Mein bester Freund ist ein Deutscher Schäferhund“ – diese Aussage gilt tatsächlich für den 62-jährigen Temeswarer. Als Amigo, der Vorfahre von Bella, gestorben ist, wollte Eugen Szenasi keinen Deutschen Schäferhund mehr. „Man liebt diese Seelen wie eigene Kinder und wenn sie sterben, dann stirbt ein Teil deiner Seele auch mit“, sagt Szenasi. Eines Tages, als er sich auf dem Hundemarkt umschaute, traf er einen Freund, der ihm einen Deutschen Schäferhund-Welpen schenken wollte. „Zuerst kam das für mich gar nicht in Frage, vor allem, da der Welpe weiblich war, doch manchmal wählen nicht wir unsere Tiere, sondern sie uns“, erinnert sich der Hundetrainer. Schon mit vier Monaten begann er Bella zu trainieren. Bevor sie ein Jahr alt wurde, legte Bella eine Prüfung als Therapiehund im Bereich der tiergestützten Therapie ab. Diese Therapie ist ein alternativmedizinische Behandlungsverfahren zur Heilung oder Linderung der Symptome bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Behinderungen, bei denen Tiere eingesetzt werden. Je nach Tierart wird tiergestützte Therapie in verschiedenen Einsatzgebieten praktiziert. Es gibt zum Beispiel Angebote mit Delfinen, Hunden, Katzen, Pferden und Lamas.

Später wurde Bella auch als Rettungshund ausgebildet. Mittlerweile ist Bella auch als Suchhund für Mantrailing ausgebildet und hat sogar ein Zeugnis dafür. Zusammen sind Eugen Szenasi und Bella ein eingespieltes Team. Beide sind in jedem Moment bereit, auf die Suche nach vermissten Personen zu gehen. „Ich muss Bella manchmal gar nichts sagen, wir können einfach durch Blicke und minimale Zeichen kommunizieren“, sagt der Temeswarer Hundetrainer. Doch die meisten Aktionen, die sie zusammen durchführen, haben nicht immer ein Happyend. Die meisten vermissten Personen, deren Spuren sie suchen, werden nicht mehr am Leben vorgefunden. So geschah es auch vor einigen Monaten, als ein 30-Jähriger aus Lugosch/Lugoj schon seit mehr als einer Woche von Zuhause vermisst war. Er ging mit Freunden angeln und verschwand während der Nacht. Er wurde entweder ermordet oder er ist im See ertrunken: Dem Trailsucher hatte sofort zwei Möglichkeiten im Kopf. Doch sein Verdacht wurde erst nach der Suche mit Bella bestätigt. Die Hündin ging mit ihrem Schnüffeln bis zum Seeufer, wo sie energisch bellte. Als später dann ein Taucherteam an dem bestimmten Ort tauchte, wurde es klar – das Gespür eines Hundes scheitert nie.

 

Rescue TM – immer bereit, sich im Notfall einzusetzen

Zusammen mit anderen Freiwilligen, die sich auch bei Freiwilligenressort für Notfallsituationen SALVO engagieren, hat Szenasi in diesem Jahr den Rettungsverein Rescue TM ins Leben gerufen. Der Verein wurde nach dem Modell des Rettungsdienstes SMURD gegründet. „Wir haben ausgebildete Taucher und Bergkletterer als Retter, drei Rettungshunde und bieten auch ein Rettungsservice mit Hund und Pferd für die Gegenden, die nicht mit einem motorisierten Vehikel erreichbar sind“, sagt Eugen Szenasi. Insgesamt 30 Personen sind bereit im Notfall zu handeln. Alle Retter haben auch einen Erste-Hilfe-Kurs abgeschlossen. „Dass der Retter auch die Erste-Hilfe gewähren muss, das kommt ja gar nicht mehr in Frage“, fügt der Temeswarer hinzu. Sanitäter sollen demnächst auch innerhalb des Vereins Rescue TM ausgebildet werden. Der Rettungsverein arbeitet eng mit allen Rettungsdiensten des Staates zusammen, unter anderen mit dem Dienst für Notfall und Katastrophenschutz (ISU), mit SMURD und mit der Polizei. 

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