„Helfen, Begegnen und Erinnern“

Vor vier Jahrzehnten wurde das Maximilian-Kolbe-Werk e.V. gegründet

Donnerstag, 28. November 2013

Mit einem Gottesdienst im Freiburger Münster und Festakten in Freiburg und Auschwitz/Oswiecim wurde diesen Herbst an die Gründung des Maximilian-Kolbe-Werks e.V. vor 40 Jahren erinnert. An der Feier nahmen KZ- und Ghettoüberlebende aus mehreren europäischen Ländern sowie Vertreter der Politik, Gesellschaft und Kirche aus Deutschland und Polen teil. Gerade der Verständigung zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk hat sich das Freiburger Hilfswerk vor vier Jahrzehnten verschrieben. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit steht die Unterstützung ehemaliger KZ- und Ghettohäftlinge in Mittel- und Osteuropa – und zwar nicht nur im materiellen Sinne, sondern vor allem über persönliche Begegnungen „von Mensch zu Mensch”, über das Vermitteln von Vertrauen, Respekt und Geborgenheit gerade jenen Menschen, die im Nationalsozialismus leidvolle Erfahrungen machen mussten.

Eine Begegnung „von Mensch zu Mensch” hatte vor bald fünfzig Jahren den Anlass zur Gründung des katholischen Hilfswerks geliefert. Im Rahmen einer Sühnewallfahrt waren die Mitglieder der deutschen Sektion von „Pax Christi” 1964 nach Polen gereist und hatten dort Menschen begegnet, die während des NS-Regimes Unrecht, Willkür und Grausamkeit erlebt hatten. Daraufhin kam es zu einer Unterstützungsaktion von deutscher Seite für die Opfer der Konzentrationslager, und wenige Jahre später, am 19. Oktober 1973, wurde das Maximilian-Kolbe-Werk offiziell durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gegründet. Namensgeber des Versöhnungswerks wurde der polnische Franziskaner Minorit und Märtyrer Maximilian Kolbe (1894-1941), der von der katholischen Kirche als Heiliger und Symbol tiefster Menschlichkeit und Selbstlosigkeit verehrt wird. In Auschwitz hatte er sein Leben für das eines anderen Häftlings geopfert, indem er sich freiwillig in den Hungerbunker einschließen ließ.

Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda, Vizepräsident des Maximilian-Kolbe-Werks, würdigte in seiner Predigt zum 40. Jubiläum den Beitrag der Organisation zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte und zum Entstehen einer „heilsamen Erinnerung“, die für die Versöhnung notwendig sei. Für die Umsetzung der drei Grundsäulen „Helfen, Begegnen und Erinnern“ bedankte sich bei den vielen Unterstützern und Ehrenamtlichen auch der Bundestagsabgeordnete und Präsident des Maximilian-Kolbe-Werks, Peter Weiß.

Konkret unterstützt das Hilfswerk die Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos sozialmedizinisch und finanziell, durch Kur- und Erholungsaufenthalte, die Entsendung von freiwilligen Helfern und durch regelmäßige Begegnungen, im Rahmen derer die Zeitzeugen sich untereinander kennenlernen und austauschen können. Dabei werden nicht nur kummervolle Erinnerungen hörbar, sondern auch Hoffnung und Optimismus, wie die 88-jährige Auschwitz-Überlebende Anastasia Gulej aus der Ukraine hervorhebt: „Ich treffe mich oft mit ehemaligen Häftlingen der nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz, Dachau oder Bergen-Belsen. Das sind Menschen, die eigentlich damals zu Tode verurteilt worden sind. Nichtsdestotrotz haben sie überlebt und sind Menschen geblieben. Sie haben ihre Menschlichkeit nicht verloren. Die Nazis, die die Menschen nicht nur physisch, sondern vor allem moralisch vernichten wollten, hatten mit uns keinen Erfolg.“

Für die jüngeren Generationen veranstaltet das Maximilian-Kolbe-Werk Zeitzeugenprojekte in Schulen, Jugendgruppen und Gemeinden sowie Lehrer-Seminare und internationale Begegnungen europäischer Nachwuchsjournalisten mit Überlebenden. Auch hier ist der unmittelbare Kontakt –  solange er mit der Kriegsgeneration noch möglich ist – das Herzstück der Projekte. Das vielleicht wichtigste Ergebnis ist ein einzigartiger, ganz persönlicher und direkter Einblick der „dritten Generation“ in die Geschichte des 20. Jahrhunderts und eine Auseinandersetzung mit Fragen, die nicht immer beantwortet werden können. Die 27-jährige Monika Jania aus Polen fasst ihre Erfahrung auf der Journalistenbegegnung 2013 wie folgt zusammen: „Ich bin überzeugt, dass es nicht ein, sondern zwei Auschwitz gibt. Eins ist das Auschwitz während des Kriegs, das andere ist das Auschwitz in den Erinnerungen – das Auschwitz der Spuren, die in den Seelen bleiben. Für uns junge Journalisten gilt es, beides in die Welt weiterzutragen.“

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Projekte des Maximilian-Kolbe-Werks e.V. im Jahr 2014

Auch im kommenden Jahr wird eine Internationale Begegnung mit Zeitzeugen des nationalsozialistischen Regimes und jungen Journalisten stattfinden. Das zweiteilige Projekt unter dem Titel „Nahaufnahme 2014” wird vom 22. bis 28. Januar in Auschwitz sowie vom 16. bis 20. März in Sachsenhausen stattfinden. Anmelden können sich junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren, die bereits journalistisch tätig sind oder sich im Studium bzw. in der Ausbildung befinden. Bewerbungen können aus Deutschland, Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas eingereicht werden. Die Projektsprachen sind Deutsch und Englisch, bei Bedarf wird auch ins Polnische und Russische übersetzt.

Die Journalisten führen im Rahmen der Begegnung Gespräche mit den Zeitzeugen und besuchen gemeinsam die Orte nationalsozialistischer Verbrechen. Sie zeichnen die Lebenserinnerungen der ehemaligen Häftlinge auf und erarbeiten Audio-, Video- und Textbeiträge, die sie mit Hilfe konventioneller und neuer Medien veröffentlichen. Fachlich werden sie von erfahrenen Journalisten und Medienpädagogen unterstützt. Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung trägt das Maximilian-Kolbe-Werk, die Reisekosten werden von den Teilnehmern übernommen.

Auch ein Lehrer-Seminar steht auf dem Programm des Maximilian-Kolbe-Werks für 2014. 20 Lehrer und Lehramtsanwärter aus Deutschland, Polen und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern sind eingeladen, Zeitzeugen des NS-Regimes im polnischen Oswiecim kennenzulernen. Die Veranstaltung trägt den Titel „Auschwitz im Unterricht” und findet vom 17. bis 21. Februar statt. Neben Gesprächen und Besichtigungen stehen hier Unterrichtsmethoden und pädagogische Fragen im Mittelpunkt.

Projektsprachen sind ebenfalls Deutsch und Englisch. Der Teilnahmebeitrag (inklusive Unterbringung in Zweibettzimmern, Vollpension und Programmkosten) beträgt für Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 290 Euro, bzw. für Teilnehmer aus Mittel- und Osteuropa 50 Euro. Die Reisekosten werden von den Teilnehmenden selbst getragen.

Weitere Informationen sowie die Online-Bewerbungsformulare befinden sich auf den Projekt-Websites maximilian-kolbe-werk-projekt2014. blogspot.de (Journalistenbegegnung), bzw. auschwitz-im-unterricht.blogspot.de (Lehrer-Seminar). Für beide Projekte ist die Anmeldefrist der 30. November 2013.

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