HELLA Driving Education Day

Zukunft der Bildung in einer internationalen Konferenz in Temeswar

Mittwoch, 27. April 2016

Der Erziehungswissenschaftler Sugata Mitra hielt in der Aula Magna der Temeswarer West-Uni einen Vortrag. Ausgang waren die Ergebnisse seines „Hole in the wall“- Experiments.
Foto: die Verfasserin

Wie soll die Zukunft der Bildung in einer Welt, die von Technologie geprägt ist, aussehen? Die Revolution in der Bildung war vor Kurzem Diskussionsthema in Temeswar. „Hella Driving Education Day“ hieß das Event, das wichtige Speaker und Fachleute im Bereich der Erziehung und Bildung aus dem In- und Ausland zusammengebracht hat.

Der Hauptreferent des Treffens war Sugata Mitra. Der indische Bildungswissenschaftler und Informatiker lehrt in England als Professor für „Educational technology“ an der „School of Education, Communication and Language Sciences“ der Newcastle University und ist auch als Gastprofessor am „Media Lab“ des Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Mitra wurde durch sein 1999 begonnenes Experiment „Hole in the Wall“ bekannt, welches das Lernverhalten von Kindern ohne Anleitung und Überwachung erforschte. Für sein Engagement wurde er 2012 mit dem Leonardo European Corporate Learning Award ausgezeichnet. Über die Ergebnisse seiner Experimente „Hole in the Wall“ und „Self Organised Learning Environment“ (deutsch: selbst organisiertes Lernumfeld) sprach er auch in Temeswar. „Ich habe Wichtiges erfahren. Kinder in unbetreuten Gruppen können alleine lernen. Die Abwesenheit eines Lehrers wird dabei zu einem pädagogischen Werkzeug. Ich bin der Meinung, dass die drei Grundsteine der Bildung – Lesen, Schreiben und Rechnen – nicht mehr von Aktualität sind. Hinzu kommen neue: das Verständnis, die Kommunikation und die Computerisierung“, sagte Sugata Mitra.

Auch andere rumänische Fachleute untersuchten die Problematik der heutigen Bildung aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Vorsitzende des E-Learning-Zentrums an der TU „Politehnica“ Temeswar, Diana Andone, sprach über die offene Bildung in Rumänien. „Sugata Mitra sagt, Menschen können allein lernen. Meine Meinung ist irgendwie gespalten. Ich sage, die Menschen können alleine lernen, aber indem sie die Technologie richtig anwenden. Es ist wahr: Jeder, der gut lesen und schreiben kann, wird selbständig und unabhängig und kann alleine lernen“, sagte die Professorin Diana Andone. „Die Aneignung von Kenntnissen ist nur dann möglich, wenn die Informationen frei sind. Davon geht auch das Konzept der E-Learning-Plattform aus: Man lernt nicht mehr nur von einem Professor, der vor seinem Auditorium vorträgt, sondern man hat Informationen von mehreren Personen an einem einzigen Ort gesammelt und diese sind allen zugänglich“, setzte Diana Andone fort.

Marian Staş, ein rumänischer Professor, der an der Harvard-Universität unterrichtet und dabei auch das Bildungsprogramm „Liderii Mileniului Trei“ (auf Deutsch „Die Leader des dritten Millenniums“) leitet, sprach über die Paradigmaänderung bei den Rumänen. Beim Treffen war auch der sogenannte „Genietrainer“ Florian Colceag dabei. Als Vorsitzender eines Vereins für hochbegabte Kinder und einer der rumänischen Professoren, die für Inspiration unter den jungen Generationen von Fachleuten sorgt, sprach auch er über die Zukunft der Bildung. „Die Kinder werden als geniale Menschen geboren. Das rumänische Schulsystem verwirrt sie“, sagte Florian Colceag, der ein langjähriger Unterstützter der alternativen Bildung ist.  

Nicht das rumänische Schulsystem soll geändert werden, sondern die Auswertungsmethoden – war der Meinung der Bildungsforscher Sugata Mitra. „Um das System zu verändern, muss man von unten nach oben gehen: die Lehrer und Klassenräume und alles Schritt für Schritt ändern. Es ist aber sehr kostspielig und es nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Wenn man aber von oben nach unten geht und man das Bewertungssystem ändert, muss sich dann alles sowieso von alleine ändern. So ist es günstiger und schneller“, sagte Sugata Mitra.

Ein weiterer Sprecher war Sorin Ionescu.  Der Leiter des Banater Kollegs in Temeswar sprach über die Stereotypen im rumänischen Schulwesen, und Sebastian Burduja, einer der Gründer der Studentenliga im Ausland, teilte seine eigenen Erfahrungen als Absolvent der Stanford und Harvard University mit.

Für die Konferenz in Temeswar hatten sich ungefähr Tausend Interessenten eingeschrieben. Da die Plätze in der Aula-Magna der West-Universität nur eine befristete Anzahl an Teilnehmern zuließ, wurden insgesamt 450 Teilnehmer ausgewählt. Die anderen interessierten Personen konnten die Bildungskonferenz durch ein Live-Streaming auf ihrem Computer verfolgen.

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