Herodes letzter Zufluchtsort

Masada, die Bergfestung am Toten Meer: Zeugin des Heldenmutes und der Aufopferung

Sonntag, 02. April 2017

Blick von der Bergstation der Seilbahn in das Tal. Ganz im Hintergrund das Tote Meer, im Vordergrund sind Teile der Aufstiegspfade zu sehen.

Auf dem Plateau, die Ruinen der ehemaligen Ringmauer mit Wohnungen

Salzablagerungen am Ufer des Toten Meeres
Fotos: der Verfasser

Die ehemalige jüdische Festung Masada (hebräisch: „Mezadá“ bedeutet „Festung“), heute Teil des gleichnamigen Nationalparks, liegt auf dem fast ebenen Plateau einer Felsformation neben dem Südwestende des Toten Meeres in Israel im Judäischen Gebirge. Errichtet wurde sie in über zehn Jahren schwerer Arbeit zwischen 30 und 40 v. Chr. auf Befehl von König Herodes als letzter Zufluchtsort. Ihre Lage und vor allem der schwierige Zugang – ursprünglich gab es nur drei sehr schmale Pfade aus dem Tal auf das Plateau - machten sie lange Zeit uneinnehmbar.

Die drei Zugangswege auf das 300 mal 600 Meter große Plateau in Form einer Raute ermöglichten auch einer geringen Anzahl von Verteidigern, die Anlage gegen jede Übermacht zu halten. Die Bauten des Herodes bestanden aus einer Kasemattenmauer, die das ganze Plateau umfasst, und an die 40 Türme. Innerhalb des Mauerrings wurden schon zur Zeit von Herodes zahlreiche Gebäude angelegt: Wohnungen, Lagerhäuser, Waffenkammern, Ställe, eine Kommandantur, Badehäuser, Schwimmbecken und ein Tempel, sowie ein über mehrere Stufen in den Berghang hinein geschlagener Palast. Dieser war aus Kalkstein erbaut, reich verziert mit Wandmalereien in pompejanischem Stil und zahlreichen Mosaiken. Auf seiner Ostseite befand sich das königliche Badehaus.

Da ein direkter Sturm auf die Mauern unmöglich war und diese so hoch standen, dass die damaligen Wurfmaschinen ihnen nichts anhaben konnten, bestand die einzige Gefahr für die Insassen in einer langen Belagerung, welche sie vom Nachschub an Wasser und Lebensmitteln abgeschnitten hätte. Deshalb wurden große Nahrungsvorräte angelegt und am nordwestlichen Hang zwölf Zisternen in den harten Fels gehauen, die Zehntausende Kubikmeter Regenwasser speichern konnten. Dieses wurde durch Aquädukte geführt und diente als Trinkwasser, wurde aber auch für die Schwimmbecken und Badehäuser genutzt.

Ansturm der Römer

Eine ausführliche Beschreibung der Anlage verfasste der Historiker Josef Ben Mathitjahu, besser bekannt unter seinem latinisierten Namen Josephus Flavius (vermutlich 38 in Jerusalem als Joseph ben Mathitjahu ha Kohen geboren, verstorben nach 100 vermutlich in Rom) in seinem Hauptwerk: Die Geschichte des Jüdischen Krieges (De bello Judaico).  Josephus Flavius verfasste es zwischen 75 und 79 n. Chr. als ausführliche Schilderung des langen Kampfes der Juden gegen die Fremdherrschaft,  von der Besetzung Jerusalems durch die Seleukiden und dem Aufstand unter der Führung der Makkabäer, bis zum großen Aufstand von 66 – 70  n. Chr. gegen Rom. Dort befindet sich auch die Beschreibung der Bergfestung Masada, die  in viele Reiseführer übernommen wurde, weil Josephus’ Werk von Historikern als glaubhafte Quelle angesehen wird. Als Beweis dienen die Entstehungsumstände, wie z.B. , dass König Agrippa II., mit dem Josephus brieflich verkehrte, sich mit der Darstellung des Krieges ausdrücklich einverstanden erklärte und dass Titus die Bearbeitung durchgesehen und beglaubigt  habe. Die Genauigkeit der Schilderungen kommt auch von zeitnahen anderen Historikern, wie Tacitus und Dio Cassius, deren Beschreibung der Belagerung und Zerstörung Jerusalems sich mit der von Josephus decken. Zu den Quellen von Josephus gehören sogar Aussagen einiger der wenigen Überlebenden der Belagerung von Masada, neben den eigenen Erfahrungen als Kommandant von Galiläa während des Krieges.

Genialer Plan zur Einnahme

Was genau schreibt nun Josephus über die Kampfhandlungen, welche im April 73 n. Chr. mit der Einnahme Masadas durch die Römer endeten? Im Winter 66/67 n. Chr. wurde der römische Feldherr Flavius Vespasian mit dem Feldzug gegen die Juden beauftragt. Dieser eroberte im Frühjahr 67 n. Chr. in einem Zug ganz Galiläa, als Flavius Josephus zu den Römern überlief und Vespasian sein späteres Kaisertum prophezeite. Bis 68 n. Chr. hatte Vespasian außer Masada und Jerusalem ganz Palästina unter Kontrolle, als im Sommer Kaiser Nero starb und der Feldzug zeitweilig eingestellt wurde. 69 begann die endgültige Belagerung Jerusalems durch Vespasian, der im Sommer – laut Prophezeiung - zum römischen Kaiser ausgerufen wurde. Den Feldzug setzte sein Sohn Titus im Frühjahr 70 vor Jerusalem fort und nahm im Juli die Stadt ein.

Masada war die einzige nicht eingenommene Festung geblieben, obwohl sie 66, bei Ausbruch des Aufstandes, römisch gewesen war. Damals überraschte die römische Garnison eine Gruppe von Sikariern und nahm die als uneinnehmbar geltende Festung ein. In den folgenden vier Jahren siedelten sich darin Rebellen verschiedener politischer Gruppierungen ein, besonders nach der Einnahme von Jerusalem und der Zerstörung des zweiten Tempels. Die Neuankömmlinge erweiterten die Anlagen, schafften mehr Reserven heran, bauten neue Wohnhäuser und eine Synagoge, eine Bäckerei und Taubenhäuser.

Die Belagerung begann 73/74 mit der 10. Legion und etwa 4000 Auxiliarsoldaten, angeführt von dem Befehlshaber Flavius Silva. Dieser ließ sofort eine mehr als vier Kilometer lange Umwallung anlegen, eine so genannte „circumvallatio“  die durch acht Kastelle gesichert wurde. Um die Mauer stürmen zu können, begannen die Römer, an der Westseite der Festung einen natürlichen Ausläufer des Tafelberges aufzuschütten, um so eine Rampe bis auf die Mauerhöhe zu errichten. Über diese wurden Kriegsmaschinen wie Rammböcke und Türme an die Festung herangeschoben, um die Mauer zum Einsturz zu bringen.

Flavius Josephus berichtet, dass die Belagerten, angeführt von Eleazar ben-Ya’ir, lange Zeit Widerstand leisteten, doch als sie das Aufgebot auf der fertigen Rampe sahen, sich der Aussichtslosigkeit ihrer Lage bewusst wurden. Die Grauen der Versklavung vor Augen, beschlossen die Belagerten, als freie Menschen zu sterben und sich nicht den Römern zu ergeben: „Ein ruhmvoller Tod ist besser als ein Leben im Elend“, sagt Josephus über den Entschluss. Es wurden einige Männer ausgelost, welche die Belagerten töten und anschließend Selbstmord begehen sollten. Das soll sich laut Josephus innerhalb einer Nacht zugetragen haben, denn als die Römer ihren Angriff am Morgen begannen, erwartete sie niemand an der Mauer und überall herrschte Totenstille. Sie fanden 960 Männer, Frauen und Kinder, alle tot. Nur zwei Frauen und fünf Kinder hatten sich versteckt und berichteten, was geschehen war. Die Römer „bewunderten den Mut ihrer Entscheidung“. Die Tat machte Masada bis heute zum Symbol des jüdischen Freiheitswillens.

Touristische „Eroberung”

Was findet nun der heutige Besucher in der Festung und wie gelangt man nach Masada? Am einfachsten ist es, eine Rundreise zu buchen, doch wer Wert auf Selbständigkeit legt, wird eher den Anflug über Tel Aviv nehmen und von dort in zwei Stunden mit dem PKW bis Ein Bokek am Toten Meer  fahren. Unterwegs kann dann auch die „Sea Level Markierung“ besucht werden, wobei es von dort aus nur noch bergab geht: Der Wasserspiegel des Toten Meeres liegt rund 420 Meter unter dem Meeresspiegel. Damit ist das Tote Meer der tiefst gelegene See der Welt. Sein Salzgehalt ist fast zehnfach so hoch wie jener der Ozeane. Dies ermöglicht das „Floaten“ – ein Gefühl, dass man einfach mal erlebt haben muss. Das Salzwasser und das Baden im Toten Meer wird therapeutisch eingesetzt und hat bei vielen Hauterkrankungen heilende Wirkung, ebenso wie der Schlamm, der gesundheitsfördernde Eigenschaften hat. Masada liegt 20 Kilometer nördlich von Ein Bokek. Die Festung ist UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Israels. Auf das Plateau führen drei Wege: der meist begangene Schlangenpfad, der Westpfad über die antike Römerrampe oder die bequemere Auffahrt mit der Seilbahn, die zudem noch einen atemberaubenden Ausblick bietet. Wegen den Klimabedingungen wird der Schlangenpfad eine Stunde vor Sonnenaufgang geöffnet und bleibt bei extremer Hitze geschlossen.

Auf dem Plateau selbst kann man die beiden gut restaurierten Palastflügel besichtigen, die Bäder mit ihren Mosaiken, die Hallen und Nebenbauten, wobei der Blick auf die weite Wüste die ganze Zeit über offen bleibt. Ebenso interessant ist auch ein Rundgang entlang der ehemaligen Mauer, von der allerdings nur noch stellenweise Ruinen erhalten sind.
Masada bietet seit einigen Jahren auch ein reiches Kulturprogramm: die Opernfestspiele. Auf dem Programm stehen Puccinis „Tosca“, oder Carl Orffs „Carmina Burana“, unter dem Dirigentenstab von James Judd. Nach den ersten vier äußerst erfolgreichen Produktionen seit 2010 gehören sie fest zum engen Kreis der internationalen Open-Air-Opernaufführungen als größte kulturelle und touristische Veranstaltung in Israel. Die Konzerte ziehen tausende Kulturtouristen an, wobei die ausgeleuchtete Festung als Kulisse dient. Die Aufführungen finden in einem eigens errichteten Amphitheater und Operndorf auf dem Wüstenboden statt. Die klaren Wüstennächte, die kühle Brise und die atemberaubende Aussicht versprechen ein unvergessliches Erlebnis.

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