Herrenlose Hunde könnten eingeschläfert werden

Tierschutzverein warnt: Was der Bürgermeister vorhat, ist illegal

Mittwoch, 02. März 2016

Blick in das Danyflor-Tierheim: Wer sich einmal die Einrichtung angeschaut hat, kauft nie wieder einen Hund, sondern adoptiert ihn.
Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar - Der Countdown läuft: 14 Tage bleiben den Hunden, die im Danyflor-Tierheim des Bürgermeisteramts Temeswar untergebracht sind. Sollten sie in der genannten Zeitspanne nicht von ihrem Herrchen oder jemand anderem abgeholt werden, so werden sie eingeschläfert. Dies kündigte Bürgermeister Nicolae Robu vor Kurzem an. Er setze nur das geltende rumänische Gesetz um, gab aber gleichzeitig bekannt, dass er selbst einen herrenlosen Hund aus dem  Tierheim adoptieren wird. Zahlreiche Tierfreunde und -schützer regten sich heftig über die Entscheidung des Bürgermeisteramts, die Hunde aus dem Tierheim einschläfern zu wollen, auf.

Auf der Facebook-Gruppe „Protecţia Animalelor Timiş“ (Tierschutz im Kreis Temesch) machten viele ihrem Ärger Luft. Es sei illegal, was Robu vorhätte, teilte auch die Temeswarer Tierschutzorganisation Pet Hope in einem offiziellen Kommuniqué mit. „Die Organisationen fordern die Suspendierung und Annullierung dieser Normen. Infolge der Gerichtsprozesse, von mehreren Tierschutzorganisationen eingeleitet, wurden drei gegensätzliche Urteile gefällt, so dass nun der Oberste Gerichts- und Kassationshof die Situation klären muss. Bis dahin bleibt die Einschläferung der herrenlosen Tiere illegal“, sagt die Temeswarer Anwältin Ruxandra Bizera, die sich in der Organisation Pet Hope engagiert. Fast 600 Hunde sind aktuell im Danyflor-Tierheim untergebracht. Im Jahr 2014 wurden knapp über 300 Hunde aus der Temeswarer Notunterkunft eingeschläfert, berichtete der Nachrichtendienst Mediafax. Die gesetzliche Grundlage für das Vorhaben bildete der Regierungsbeschluss 1059/2013, der die Normen für die Umsetzung des Dringlichkeitsbeschlusses 155/2001 hinsichtlich des Umgangs mit herrenlosen Hunden festlegt. Die Einschläferung war nur für kurze Zeit möglich: Die Prozedur wurde eingestellt, nachdem mehrere Tierschutzorganisationen aus Rumänien diesen Regierungsbeschluss vor Gericht angefochten hatten.

Zum Protest gegen die Entscheidung des Bürgermeisteramts Temeswar riefen die Tierschützer auf Facebook auf, so dass sich vergangene Woche über hundert Tierliebhaber vor dem Rathausgebäude versammelten. Sie kamen mit ihren Vierbeinern – die meisten ehemalige Heimtiere. Auch Geraldine Bullert-Zipple, die Besitzerin des deutschen Kinderwelt-Privatkindergartens, war dabei. Fünf Hunde sind in ihrem Hof zu Hause – vier davon hat die Temeswarerin von der Straße gerettet. „Wir sprechen uns vehement gegen eine solche Entscheidung aus. In einem europäischen Land darf so etwas nicht passieren“, sagt Geraldine Bullert-Zipple.

In den ersten 24 Stunden, nachdem der Bürgermeister angekündigt hatte, dass er die nicht abgeholten Heimtiere einschläfern lässt, wurden 370 Hunde fernadoptiert. D.h. die Tierliebhaber bezahlen monatlich rund 35 Euro für den Unterhalt eines Hundes im Tierheim. „Das löst aber nicht das Problem dieser Tiere, denn sie bleiben weiterhin im Heim – der Platz dort reicht nicht aus, die Bedingungen sind schlecht“, betont Ruxandra Bizera. Als einzige nachhaltige Lösung für das Problem der Straßenhunde betrachtet Pet Hope das Einfangen und Sterilisieren der Tiere, die dann zurück in ihr Revier gebracht werden. Mit der Zeit soll dann ihre Zahl zurückgehen. „Die meisten Hunde aus dem Hundeheim sind zahme Tiere, denn diese können leicht eingefangen werden. Die wirklich gefährlichen sind immer noch auf der Straße“, erklärt Ruxandra Bizera.

Noch wurde die Einschläferung der von der Straße eingefangenen Hunde, die nicht aus dem Danyflor-Hundeheim  abgeholt werden, nicht in die Wege geleitet. Es ist zur Zeit noch ungewiss, ob es auch tatsächlich dazu kommen wird. Immerhin finden in diesem Jahr Kommunalwahlen statt - und die Zahl der Tierliebhaber, auf deren Stimme der amtierende Bürgermeister Nicolae Robu wohl setzt, ist in Temeswar keine geringe.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 07.03 2016, 19:39
man müsste einmal einen großen Aufwisch machen, so wie in Ungarn, und dann das Aussetzen von Hunden streng bestrafen. Anders wird man das Problem nie in den Griff bekommen. In Ungarn gibt es im ganzen Land keine Streuenerhunde, warum wohl?
Sabine, 03.03 2016, 10:15
Freue mich das es so viele Tierschützer und Liebhaber gibt. Gut das es fern Adoptionen gibt um das Leben der Fellnasen zu retten. Wäre auch toll wenn man weiss das das Geld auch dafür verwendet wird!! Das beste wäre wenn es ein oder mehrere Tierheime gebe, der momentane Zustand in Danyflor ist furchtbar, viel zu viele Fellnasen in einem Zwinger!! Viele beisseren und möchte nicht wissen wie viele tot gebissen werden!!! Die schwächeren kommen nicht ans Essen und sicher auch in keine der erbärmlichen und zu wenigen Hütten.

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