Hideo Kojimas Bodennullpunkte im MGS-Universum

Der Spieleentwickler stellte auf der Spielemesse PAX Metal Gear Solid: Ground Zeroes an

Sonntag, 09. September 2012

Der Vater des Schleispiels: Hideo Kojima entwickelte in den 1980er Jahren Metal Gear.

Mit der neuen Fox Engine sollen künftig andere Konami-Spiele entwickelt werden.

Snake ist zurück: In „Ground Zeroes“ schlüpfen Spieler in die Rolle von „Big Boss“.

Vor 25 Jahren hat Hideo Kojima (49) ein Genre aus der Taufe gehoben und ein Spieluniversum geschaffen, das weltweit Gamer begeistert. Der Spieleentwickler hat in seiner langjährigen Karriere niemals die Erwartungen der Fans enttäuscht. Stattdessen hat er sie immer wieder übertreffen können und einen Meilenstein nach den nächsten geliefert.

Auch heute noch schwärmen PS3-Spieler von Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots auf ihrer Wahlplatform. Noch immer werden dessen Vorgänger gespielt und zitiert, von Fans auf Foren oder in Kommentarbereichen auf Spieleseiten als Beispiele genannt, wie man es richtig machen sollte. Kojima schraubt mit jedem neuen Spiel die Messlatte nach oben. Und selbst wenn ihm andere manchmal vorwerfen, dass er überbewertet wird und dass seine jüngsten Spiele eher interaktive Spielfilme sind mit überkomplizierten Handlungen, die meist keinen Sinn ergeben oder sich widersprechen, bleibt er doch einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Branche. Er gilt schließlich als der Vater des Schleichspiels.

Leiht ihm ein Ohr

Auf der diesjährigen Spielemesse PAX Prime in Seattle nahm Kojima an einer Podiumsdiskussion teil, die von GT TV Moderator Geoff Keighley moderiert wurde. Es wurde viel über die Vergangenheit gesprochen. Darüber wie Kojimas Hauptfigur aus den Metal Gear Spielen Kurt Russels Snake Plissken verdächtig ähnelt, wieso er sich für Metal Gear Solid 2: Sons of the Patriots für Raiden als Hauptfigur entschieden hat und woher überhaupt die Ideen für die anderen abgedrehten Figuren aus den Spielen stammten. Schließlich wurde auch über die Zukunft der Serie gesprochen.

Im Februar erscheint Metal Gear Rising: Revengeance – ein Hack‘n Slash-Spiel mit Raiden als Cyborg-Ninja in der Hauptrolle. Vor etwa drei Jahren angekündigt, wäre die Entwicklung von Rising fast zum Erliegen gekommen, nachdem das junge Team, das Kojima mit der Produktion beauftragte, nicht die erforderlichen Ergebnisse liefern konnte.

Im vergangenen Jahr wurde daraufhin bekannt gegeben, dass inzwischen das Projekt an einen anderen japanischen Entwickler weitergereicht wurde. Die Spieleschmiede, die für Bayonetta und Vanquish verantwortet hat, übernahm Metal Gear Rising. Kojima sprach während der Podiumsdiskussion von der Zusammenarbeit mit Platinum Games. Das Team habe hauseigene Ideen zur bewährten Kojima-Rezeptur beigemischt, weshalb Rising eher an die beiden erwähnten Meisterwerke von PG erinnert, als an eines von Hideo Kojima.

Ground Zeroes

Doch die eigentliche Bombe ließ der Spielentwickler im Anschluss an die Rising-Diskussion platzen: Ein neues Metal Gear Solid-Spiel, das von ihm produziert und entwickelt wird, ist tatsächlich in der Mache und es läuft auf der hauseigenen Fox Engine. Kojima brachte auch einen 14-minütigen Trailer mit, den er den anwesenden Fans vorstellte.

Was auf den ersten Blick hervorsticht, ist die atemberaubende Grafik, die nach PS4 und Xbox 720 schreit, also nach Next-Gen. Doch bereits im Vorfeld hatte Kojima erklärt, dass das Spiel für die aktuellen Konsolen erscheinen wird. Auch wenn die Demo auf einem leistungsstarken Computer lief, so würde diese den Rechenleistungen der PS3 und XBox 360 entsprechen. Dabei machte der Trailer Epics „Samariter“-Demo Konkurrenz.

Es wäre allerdings auch keine Tech-Demo, versicherte Kojima, sondern das nächste, große Metal Gear Solid-Spiel. Eine weitere freudige Überraschung: Snake ist zurück. Dabei handelt es sich nicht um Solid Snake aus MGS4, sondern um dessen biologischen Vater, den legendären „Big Boss“. Er wird ganz in Kojima-Manier eingeführt: Der Held erklimmt eine steile Küste, nähert sich dann kriechend einem Militärlager, das Gesicht versteckt hinter einem Nachtsichtgerät, schließlich wird ein Close Up gezeigt, Snake nimmt die Nachtsichtbrille ab, stiert direkt in die Kamera und richtet eine rhetorische Frage an die Fans: „Habe ich euch zu lange warten lassen?“ Ja, Snake in der Tat. Denn der Saal in Seattle war aus den Häuschen.

Direkt im Anschluss wurde dann das erste Gameplay gezeigt. Kojima erklärte im Hintergrund, dass MGS: Ground Zeroes Open World ist: Alles, was man auf dem Bildschirm sieht, kann der Spieler erkunden, für die Missionen gibt es keinen vorgefertigten Pfad, stattdessen kann man selbst entscheiden, wie man die Ziele anpacken möchte. Nun kann Snake auch Autos benutzen.

Dafür zeigte die Demo wie Snake in einen Jeep einstieg und losfuhr, nach wenigen Metern allerdings stehen blieb, weil ihm in der Ferne ein Soldatentransporter entgegenfuhr, und er prompt den Rückwärtsgang einlegte und wieder ausstieg. Die Szene löste freudiges Gelächter im Saal aus.

Dann stellte Kojima eine weitere Neuerung vor, die im Spiel eine große Rolle spielen werde: Zu jeder Zeit kann Snake einen Hubschrauber herbeirufen. Damit wird zwischen den Missionen gereist, kann aber auch Snake Rückendeckung geben und ihm zur Flucht verhelfen, sollte es für den Schleichprofi zu brenzlig werden. Alles, was der Spieler tun muss, ist eine Warnfackel anzünden und der Hubschrauber landet dann nur wenige Augenblicke später an der markierten Stelle. Bei der Landung dröhnten aus dessen Lautsprechern „Der Ritt der Walküre“ von Richard Wagner.

Kojima erklärte, dass man selber entscheiden kann, welche Lieder gespielt werden sollen. Man müsse aber auf die Lautstärke aufpassen, schließlich befände man sich noch mitten im Feindeslager. Der spielbare Abschnitt des Vorführtrailers war nur zwei bis drei Minuten lang. Der Rest bestand aus einer zehnminütigen Zwischensequenz, in der uns einer der Bösewichte aus Ground Zeroes vorgestellt wird.

Ein fürchterlich entstellter Mann in einer Unteroffiziersuniform bewegt sich zügig in Begleitung einer Soldateneskorte durch ein Straflager (erste Angaben lassen vermuten, dass sich das Lager in Südamerika befindet) und bleibt vor einem Käfig stehen, in dem ein kleiner Junge sitzt, der Earbud-Ohrhörer trägt, der Steckteil ist in seinem Brustbein eingestöpselt. Vom Mann erfahren wir, dass der Junge ein Verräter ist und dass eine Gefangene alles ausgeplaudert hat, vermutlich wurde sie gefoltert und schließlich umgebracht.

Der Mann reicht dem Jungen als Belohnung einen Walkman, und ehe er weggeht, sagt er zu dem Jungen: „Keine Kriegsspielchen mehr, jetzt bist du ein Mann, Soldat. Sende deinem „Boss“ mein Beileid.“ Der Junge schaltet dann den Walkman an. Es wird „Here’s to You“ gespielt. Die Kamera folgt dem Unteroffizier, wie er zusammen mit anderen Soldaten einen Hubschrauber besteigt und wegfliegt. Dann folgt der Übergang zu Snake und der bereits erwähnte Gameplay-Teil des Trailers.

MGS 5 coming soon

Nein, es würde sich nicht um Metal Gear Solid 5 oder Kojimas „Project Ogre“ handeln. Ground Zeroes bezeichnete der Spielemacher als Prolog zum fünften Teil der Schleichsaga. Wahrscheinlich wird dieser dann erst auf den Next-Gen-Konsolen erscheinen. Wann Spieler Ground Zeroes zocken können, wurde noch nicht verraten. Vermutlich wird mehr auf der Tokyo Games Show 2012 gezeigt.

Die japanische Spielmesse findet Ende September statt. Geoff Keighley meinte zu Kojima nach der Demo, dass weder er noch Snake sich von Metal Gear Solid zu verabschieden scheinen. Dabei sprach es Kojima über die Jahre mehrmals an. Doch ohne den erfahrenen Entwickler wären die Spiele wahrscheinlich nur halb so gut. Auch Ground Zeroes strotzte nur so voller Details und Ideen. Kojima weiß einfach, was cool ist.

Seine Spiele sind inzwischen Teil der Popkultur. Darum ist es auch kaum verwunderlich, dass Hollywood sich endlich dazu durchgerungen hat, Metal Gear Solid auf die große Leinwand zu bringen. Während der Podiumsdiskussion wurde Kojima danach gefragt, wen er sich als Regisseur bzw. als Hauptdarsteller denn wünschen würde. Das Publikum sprach sich für Tarantino aus. Kojima würde gerne Tom Hardy als Snake sehen oder Hugh Jackman, obwohl ihm der Schauspieler inzwischen zu populär erscheint.

Schließlich beendete Kojima die Diskussionsrunde mit den Fans, indem er auf gebrochen Englisch fragte: „Did you like it?“ (Dt. „Hat es euch gefallen?“).  Die Frage hat Kojima schon oft gestellt, obwohl er es inzwischen nicht mehr tun müsste. Denn die Antwort seitens des Publikums folgte prompt in Form von ekstatischen Jubelgeschreien. Snake ist zurück. Und was noch viel wichtiger ist: Hideo Kojima ist zurück und es scheint, dass er wieder einen Meilenstein für uns vorbereitet.

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