Hinzu kamen gemeinschaftsfördernde Maßnahmen und Lehrerförderung

Gespräch mit Klaus Harald Sifft, Geschäftsführer der beiden „Saxonia“-Stiftungen

Mittwoch, 05. Juni 2019

Klaus Sifft vor dem Saxonia-Gästehaus beim Sitz der Stiftungen in Rosenau Foto: Ralf Sudrigian

Fünf Jahre sind vergangen, seit Klaus Harald Sifft, nach einer dreimonatigen Übergangszeit zusammen mit seinem Amtsvorgänger Karl Arthur Ehrmann, Geschäftsführer der beiden Saxonia-Stiftungen sowie der stiftungseigenen „Faber Consult Saxonia“-GmbH wurde. Das bedeutet für Sifft, Vater zweier Studenten, die Medizin bzw. Deutsch-Chinesisch studieren, mehr Verantwortung und weniger Freizeit, denn der 49-Jährige führt auch seine zwei Privatfirmen (Stromherstellung aus Kleinkraftwerken und Immobilienvermietung) weiter. In Rosenau/Râșnov führte ADZ-Journalist Ralf  Sudrigian folgendes Gespräch mit Klaus Sifft über die Tätigkeit der beiden Stiftungen: „Saxonia-Transilvania“ für Wirtschaftsförderung und „Saxonia“ für humanitäre Hilfe.

Wie verliefen die jüngsten Direktoriumssitzungen der beiden Stiftungen?

Am 6. April fand die Direktoriumssitzung der Wirtschaftsstiftung statt; am 12. April jene der sozialen Saxonia-Stiftung. Vorgestellt und bewilligt wurden dabei die Rechnungslegung fürs Vorjahr, der Haushaltsvoranschlag für das laufende Jahr sowie der Tätigkeitsbericht und die Entlastung des Geschäftsführers. Bei der Saxonia-Transilvania wurden auch im Detail wirtschaftliche Projekte besprochen; bei der sozialen Stiftung wurde auf die sozialen Probleme eingegangen, mit denen sich die Stiftung befasst.

Was für Wirtschaftsprojekte werden gefördert?

Eigentlich handelt es sich dabei um alle Bereiche, hauptsächlich aber um Ausstattungsmaßnahmen in fast allen Bereichen von Medizin bis Technik und weniger um Bauprojekte. Bei Letzteren erweist es sich nämlich immer wieder, dass die gesamte Genehmigungsetappe sehr lange dauert, und die Antragssteller erreichen erst nach einem Jahr die Bau-Etappe. Wir achten darauf, die Rückflussgelder pünktlich zu erhalten. Dem Antragsteller bereitet es aber Schwierigkeiten, im ersten Jahr die Rückflussgelder zu begleichen, da er noch keine Einkommen hat.

Wer sind die Antragsteller?

 Bei den Frischgeld-Projekten bestehe ich darauf, dass es hauptsächlich Vertreter unserer Minderheit sind. Und es gibt junge Leute, die Geschäfte abwickeln und die auch Projekte beantragen. Einige Beispiele: die Brüder Göbbel aus Törzburg/Bran, die jeder ein Gästehaus besitzen, Frau Bettina Pavel mit einer Reinigungsfirma für Supermärkte in Klausenburg/Cluj. Hinzu kommen die Familie Klingeis aus Freck/Avrig und andere. Im vorigen Jahr beantragte erstmals eine Kirchengemeinde einen Kredit, und zwar die Kronstädter Honterusgemeinde. Sie hat damit ihr Café-Haus ausgestattet. Die Wolkendorfer Kirchengemeinde hat ein Projekt für den Ausbau eines Gemeinderaumes eingereicht. Dabei handelt es sich um Wirtschaftsprojekte mit Geschäftsplan und Garantien; also sind es nicht gemeinschaftsfördernde Maßnahmen. Bei Letzteren müssen lediglich die Rechnungen vorgelegt werden für die getätigten Einkäufe.

Die gemeinschaftsfördernden Maßnahmen werden im November, innerhalb der Sitzung des Siebenbürgenforums, auf Grund der vorgelegten Anträge analysiert und bewilligt. Die für diese Maßnahmen zur Verfügung gestellte Summe wird in der Regel zu gleichen Teilen für Projekte von Forum und Kirche aufgeteilt. Beim Kronstädter Deutschen Forum wurden die Räumlichkeiten des Jugendforums renoviert, für den Festsaal des Forums werden die Beleuchtung ausgetauscht und die Wände frisch gestrichen. Es gibt auch einen Antrag seitens des Jugendzentrums aus Seligstadt für Ausbesserungsarbeiten; im Gespräch ist ebenfalls ein Antrag für eine neue Küche. Die gemeinschaftsfördernden Maßnahmen sollen in diesem Jahr um 5% erhöht werden. Dies kann aber nur nach einer Änderung der Förderkriterien des Geldgebers geschehen.

Gelegentlich waren auch Kürzungen der deutschen Fördermittel für Wirtschaftsprojekte angesagt.

In den letzten drei Jahren wurden solche Kürzungen in Aussicht gestellt. Glücklicherweise kam es letztendlich doch nicht so weit, da sich der jetzige Bundesbeauftragte für Vertriebene, Dr. Bernd Fabritius, und das Landesforum in Person von Dr. Jürgen Porr bei den deutschen Behörden für uns einsetzten. In diesem Jahr wurde bisher leider nur ein Teil der Fördergelder ausgezahlt. Dementsprechend werden auch die Gelder für die gemeinschaftsfördernden Maßnahmen freigegeben. Priorität werden dabei die Projekte für die Förderung unserer Jugend haben.

Wie definiert man bei „Saxonia“ den Begriff „Umfeld“ bei der Projektförderung?

Zum Umfeld gehören alle unsere Mitbürger, die eine Verbindung zu unserer Minderheit aufweisen können: Freunde, gute Bekannte, Nachbarn, Besuch einer deutschen Schule. Ich frage in der Regel: Wie sind Sie zu uns gekommen? Denn direkte Werbung betreiben wir bekanntlich nicht. Die Antwort lautet dann, Freunde haben sie hergeschickt oder es gibt ferne Verwandte, die Deutsche sind oder sie sind im Deutschen Forum als sympathisierende Mitglieder aufgenommen. Wenn solch eine Verbindung besteht, dann helfen wir ihnen gerne.

Wie kommt die Sozialstiftung ihren Aufgaben nach?

Es laufen weiter mehrere Projekte. Das älteste davon ist die Austeilung der Hilfe für bedürftige Personen in den neun Landkreisen, die wir betreuen. Insgesamt sind es 1100 Personen, die in unseren Listen erfasst sind. Diese Listen werden mit Hilfe von Forums- und Kirchenvertretern jährlich zusammengestellt. Es gibt da das Kriterium des maximalen Einkommens. Wer sich unter dem festgelegten maximalen Einkommen befindet, der hat das Recht auf eine Hilfeleistung. Seit dem letzten Jahr gelten zusätzliche Bedingungen seitens des deutschen Bundesministeriums des Innern (BMI). Es geht dabei um ein Mindestalter: Die Hilfsempfänger sollen nicht nach 1956 geboren sein. Die Hilfe beschränkt sich also eher auf die Erlebnisgeneration. Meiner Meinung nach ist diese Maßnahme nicht ganz richtig. Wir haben nämlich in unseren Listen auch jüngere Personen in Familien mit vielen Kindern oder mit Alleinerziehenden oder Krankheitsfälle. Die Hilfen der Bundesrepublik Deutschland für die deutsche Minderheit in Rumänien dürfen nicht zeitlich begrenzt oder zurückgefahren werden, solange es die Zielgruppe gibt bzw. solange diese noch auf Hilfe angewiesen ist. Unsere ausgewanderten Landsleute sind stolz darauf, dass ihre neue Heimat einen Teil ihrer Steuergelder dazu verwendet, in deren alten Heimat Förderprojekte zugunsten der dort Verbliebenen zu finanzieren. Eine plötzliche, unbegründete Reduzierung dieser Hilfeleistung dürfte Unverständnis zur Folge haben. Wir hoffen, dass dieses Kapital an Vertrauen und Hoffnung auch in Zukunft erhalten bleibt, sodass wir mit allen Partnern, in Siebenbürgen wie auch in Deutschland, unseren durch die Satzungen der Stiftungen vorgegebenen Aufgaben gerecht werden können.

Die Geldhilfen werden hauptsächlich vom Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen aus München geschickt, ein Teil wird vom BMI beigesteuert. Wir teilen diese Hilfen zweimal im Jahr aus.

Handelt es sich um einen festen Betrag?

Ja, es geht um je 25 Euro. Wichtiger als das Geld ist wohl die Freude, die diese Personen haben, dass sie besucht werden. Sicher, es gibt genug notleidende Leute, für die auch dieses Geld sehr wichtig ist: für den Kauf von Brennholz oder für Arzneimittel. Die Bedürftigenhilfe wird weiterhin auch mit Unterstützung von Frau Däuwel (Germersheim, Deutschland) über ihr Patenschaftenprogramm abgewickelt. Herr Däuwel ist leider verstorben. Frau Margret Däuwel hat uns weiter bis 2021 die Unterstützung gesichert. Hinzu kommt noch ein Paketprogramm über das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen. Dieses schickt uns das notwendige Geld zu, wenn Verwandte oder Freunde beim Sozialwerk ein Paket bestellen für ihre Verwandten in Rumänien. Wir haben einen Vertrag mit einem Großhandelsunternehmen. Die stellen die Pakete nach einer bestimmten Liste zusammen. Die Pakete sind alle identisch und enthalten hauptsächlich Grundnahrungsmittel im Wert von 25 Euro. Weiter laufen auch das Spendenprogramm der „Neuen Kronstädter Zeitung“ sowie andere Privatinitiativen, wie zum Beispiel die der Familie Krauss aus St. Englmar. Hinzu kommt die Unterstützung für die ehemaligen Russlanddeportierten. Es verlief bisher über unsere Kollegen aus dem Banat. Nun wurde es von „Baden Württemberg International“ übernommen; leider sinkt die Zahl der Empfänger durch deren hohes Alter drastisch. Auch die Anzahl der Hilfstransporte hat leider kontinuierlich abgenommen, weil unsere Spender zu alt sind und den Arbeitsaufwand nicht mehr bewältigen können.

Über „Saxonia“ werden auch die Fördergelder verteilt an die Lehrer, die in Deutsch an deutschsprachigen Schulen oder Schulabteilungen unterrichten.

Ein weiteres Projekt, das die „Saxonia“ verwaltet, ist das Projekt der Lehrerförderung für die Lehrer, die landesweit in deutscher Sprache als Muttersprache in den Schulen unterrichten, sowie für die Kindergärtnerinnen in deutschen Kindergärten. Es sind im Mittel 735 Lehrerkräfte und 220 Erzieher. Die Zahl ist relativ konstant – es gibt jedes Jahr Ab- und Zugänge. Viele unserer Lehrer stehen vor der Rente, es kommen neue Lehrer nach, leider aber nicht genug. Im Schuljahr 2017/18 belief sich die Lehrerförderung auf 1,35 Millionen Euro. Für dieses Schuljahr wurde uns dieselbe Summe bestätigt. Bei uns werden die Anträge für diese Förderung zweimal pro Jahr (für jedes Semester) eingereicht. Wir prüfen die Anträge, die alle vom Geldgeber (der Deutsche Bundestag durch das Auswärtige Amt über die Deutsche Botschaft) vorgesehenen Angaben enthalten müssen. Jeder Erzieher und Lehrer muss mindestens eine Fortbildungstätigkeit im Jahr vorweisen. Es geht dabei hauptsächlich um Deutschkenntnisse, aber auch um die Fachkenntnisse. Im Rahmen dieses Programms gibt es auch Mentoren, die in den verschiedenen Schulen tätig sind und die praktisch ihren Kollegen unter die Arme greifen, um ihren Deutschunterricht zu verbessern. Alles läuft gut, auch die Rückmeldungen sind ermutigend.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen regionalen Forums-Stiftungen?

Wir haben jährlich mindestens ein Treffen. Es gab einen Gutachterbesuch Anfang Mai von zwei Gutachtern seitens „Baden Württemberg International“, die Mittlerorganisation für die Geldmittel aus Deutschland. Sie überprüften die wichtigeren Projekte und anschließend wurden auch organisatorische Aspekte besprochen. Diese Mai-Besuche gibt es inzwischen nicht mehr. Im Herbst findet ein Workshop statt, für dessen Kosten die Stiftungen selber aufkommen müssen. Bei diesem Treffen kommen alle Stiftungen aus dem mittel-osteuropäischen Raum zusammen: die fünf Stiftungen aus Rumänien, die Stiftung aus der Slowakei, jene aus Tschechien, jene aus Polen sowie auch der Projektleiter der BWI in Person von Thomas Laux. Dort werden in einem konstruktiven Meinungsaustausch die Gemeinsamkeiten identifiziert wie auch Lösungsvarianten für Probleme, die auftauchen können.

Wie viele Angestellte arbeiten für die beiden Saxonia-Stiftungen?

Es gibt vier Angestellte: der Geschäftsführer, eine Sekretärin, eine Buchhalterin und ein Fahrer, der gleichzeitig auch als Hausmeister arbeitet. Hinzu kommen sehr viele Freiwillige, die uns zum Beispiel bei der Zusammenstellung der Listen für die Hilfen helfen. Es gibt einen Freiwilligenvertrag. Den Freiwilligen übergeben wir das Geld und sie verteilen es an die einzelnen Leute.

Kann das Saxonia-Gästehaus der zunehmenden Konkurrenz in Rosenau erfolgreich standhalten?

Mit der Faber Consult Saxonia-GmbH geht es stetig aufwärts. Wir decken die Kosten und können uns auch kleinere Reparaturarbeiten leisten, ohne an das Geld anderer zu appellieren. Ursprünglich war diese Pension gedacht, um die ausgewanderten Siebenbürger Sachsen bei ihrem Besuch im Sommer in der alten Heimat unterzubringen. Das geschah im Juli und August und nachher herrschte Flaute. Wir haben uns deshalb an Touristen aus der Hauptstadt gewendet. Mit etwas Werbung haben wir auch Kunden finden können, die regelmäßig herkommen und den kostendeckenden Betrieb des Gästehauses sichern.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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