Historischer Weinkelter gesichert

Weinbaubetrieb in Bogeschdorf visiert eigene Weinproduktion für 2016 an

Dienstag, 11. Februar 2014

Der jetzt gesicherte Baumkelter hier im Originalzustand im Jahr 2012.
Foto: Marc Leonard Gaber

Hermannstadt - Der Weinbaubetrieb Terra Regis in Bogeschdorf/Băgaciu wächst kontinuierlich. Im vergangenen Jahr ließ Eigentümer Helmuth Gaber auf 8,75 Hektar Riesling pflanzen. Während heuer die Vorbereitungen zum Bau einer Kellerei beginnen, begann das neue Jahr mit der Bergung des letzten Bogeschdorfer Kelters.

Es handele sich um die letzte erhaltene traditionelle Weinpresse im Dorf, teilt Gaber mit. Die aus massiven Stämmen hergestellten Pressanlagen waren einst fest in Schuppen auf den Höfen der Weinbauern verbaut. In der Blütezeit des Weinbauortes, in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, habe es mehr als 50 solcher Kelter gegeben. Bis 2010 existierten laut Gaber noch zwei dieser Pressen. Eine ging im Winter 2011 verloren, als der Kelterschuppen zusammen brach und Helfer alles Holz entsorgten. Daraufhin entschied Gaber, den im Besitz der Familie Göllner befindlichen letzten Baum-Kelter zu kaufen. Im Januar nun wurde der Kelter aus dem Jahr 1884 abgebaut und auf dem Hof des Weinbaubetriebes sicher eingelagert.

Gaber plant, den Kelter wieder aufzubauen. Dazu soll – wie dereinst – ein großer, frei stehender Schuppen auf dem Betriebshof errichtet werden. „Wir sehen dieses Projekt besonders auch vor dem Hintergrund unserer sächsischen Kultur“, meint Gaber. Eingerichtet werden soll künftig auch eine sächsische Weinstube. Gabers Bruder Henry sammelt dafür Erinnerungsstücke, etwa Fotografien und Kopien von Dokumenten aus dem Besitz der Familie von Hans Ambrosi, dessen Vater und Großvater sich um den sächsischen Weinbau in Siebenbürgen verdient gemacht hatten.

Ähnliches versucht Gaber, der 2011 daran arbeitet, den Weinbau in Bogeschdorf zu revitalisieren. Bislang wurden 17 Hektar Weinberge neu gepflanzt – mit Sorten wie Rheinriesling, Chardonnay, Grauburgunder und Königsast/Feteasc² Regal². Ab 2016 sollen laut Gaber 150.000 Flaschen eigener Wein produziert werden. „Das ist solange sehr viel Wein, bis wir den Nachweis erbringen, guten, eigenständigen und marktfähigen Wein produzieren zu können“, konstatiert der Unternehmer. In Vorbereitung dessen ist für dieses Jahr der Bau einer Kellerei geplant.

Unterstützung bei der künftigen Weinproduktion erhält der Betrieb von den aus Siebenbürgen stammenden Weinbauexperten Dr. Georg Binder vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz, und Dr. Karl Müller von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Bislang investierten Gaber und sein Partner etwa 1,5 Millionen Euro für Land- und Gebäudekauf, Maschinenausstattung und Personalkosten – überwiegend aus eigenen Mitteln. Allein die Anlage der Weinberge habe rund 650.000 Euro gekostet, von denen 230.000 Euro mit Hilfe von Fördermitteln finanziert wurden. Derzeit werden 10 Menschen voll beschäftigt, hinzu kommen 50 Saisonkräfte.

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