Hochglanzbahnhof ohne Züge

Reschitzaer Südbahnhof wird von CFR nicht angefahren

Donnerstag, 18. September 2014

Reschitza - Die (Um-)Baugenehmigung für den Reschitzaer Südbahnhof ist, nach allen legal möglichen Verlängerungen, am 30. Mai 2014 abgelaufen. Am 26. Juni wurde der Bahnhof offiziell, mit einigem Tamtam, aber ohne die Anwesenheit des Reschitzaer Bürgermeisters Mihai Stepanescu, eingeweiht. Einen Monat lang sind danach noch die Oberleitungen montiert worden, damit auch Elektroloks (etwa der Strecken nach Bukarest und ans Schwarze Meer oder der sogenannte „Schnellzug“ Temeswar Nord – Reschitza Nord über Lugosch und Karansebesch) dahin gelangen können. Seither dienen der tipptopp sanierte Bahnhof und seine beiden überdachten Bahnsteige zum Anschauen und Bewundern und zur Durchfahrt der Lastzüge mit Alteisen oder Stahl.

Zur Einweihung war sogar demonstrativ ein Personenzug (ein Siemens-Motorzug) eingelaufen, sozusagen als Beweis, dass es doch gehen könnte... Aber seither ist vom und zum Reschitzaer Südbahnhof – einer der drei kleineren Bahnhöfe Rumäniens, die im Rahmen eines EU-Projekts generalüberholt wurden – kein einziger Personenzug eingelaufen, weder mit, noch ohne Elektrolok.
Denn offiziell und im Terminkalender der Rumänischen Eisenbahnen CFR wird die seit Juli 2014 fertige Elektrifizierung der Bahnlinien des Reschitzaer Südbahnhofs am 21. Oktober 2014 abgeschlossen. Und logischerweise kann auf einem Bahnhof, der, laut Dokumenten, noch nicht fertig elektrifiziert ist, kein Zug einfahren, der mittels Elektrolok gezogen wird. Also lässt CFR keinen der regulären Züge, die vom neuen Bahnhof abfahren oder dort ankommen müssten, hin. Mit dem Argument des Papiers, lies: was auf dem Papier noch nicht fertig sein kann, das kann auch nicht genutzt werden.


Doch es kommt eigentlich auch nach dem 21. Oktober nicht besser: im Fahrplan der CFR ist nicht vorgesehen, dass die Direktzüge ans Schwarze Meer oder die Waggons und Schlafwagen, die an die Nachtzüge Temeswar Nord – Bukarest Nord in Karansebesch an- und abgekoppelt wurden, geschweige denn der „Schnellzug“ Temeswar-Nord – Reschitza Süd ab diesem Zeitpunkt bis zum Kopfbahnhof beim Reschitzaer Stadtzentrum gelangen. Auch Nachfragen bei der CFR-Agentur in Reschitzaer Stadtzentrum und, telefonisch, bei der Eisenbahnregionale Temeswar (an welche erstere uns verwies) ergaben keinen Hoffnungsschimmer – CFR hat bis auf Weiteres nicht im Sinn, die Personenzüge weiter als bis zum Reschitzaer Nordbahnhof fahren zu lassen. Etwa 35.000 potenzielle Kunden – die Bewohner der Reschitzaer Altstadt und des Stadtzentrums – werden damit von CFR ignoriert und gezwungen, entweder ihre Zeit auf den langsamen und unregelmäßig verkehrenden Stadtbussen zu vergeuden und längere Gehwege (oft mit schwerem Gepäck) in Kauf zu nehmen  oder für eine Taxifahrt vom Stadtzentrum bis zum Nordbahnhof 9-10 Lei hinzublättern. Das ist, in etwa, der Preis einer Bahnfahrt Reschitza Nord – Temeswar Nord (100 km) mit der billigsten Variante, jener, die Regiontrans anbietet.

Es stimmt schon, dass die Sanierung des Reschitzaer Südbahnhofs ein Luxus war, den sich die hart am Rande der Pleite agierenden Rumänischen Eisenbahnen CFR nie und nimmer hätten leisten können, wenn nicht das EU-Geld zur Verfügung gestanden hätte.  Und trotzdem: der Südbahnhof ist nun mal general überholt. Die Passagiere könnten sich auch wieder an einen funktionstüchtigen Reschitzaer Südbahnhof gewöhnen. Wenn nur der Wille dazu beim Pleiteunternehmen CFR vorhanden wäre.

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