Hochschulfusion gerichtlich gestoppt

Ein Novum für Rumänien: Hochschulstreik ab kommenden Mittwoch?

Dienstag, 27. Oktober 2015

Nach drei Tagen Warnstreik haben einige Mitglieder der Hochschulgewerkschaft FIRES der Reschitzaer Universität „Eftimie Murgu“ (UEM) in einer Versammlung den Generalstreik beschlossen, falls das Ministerium für Bildung und Forschung nicht die für August und September ausstehenden Löhne nachzahlt (ADZ berichtete). Der Reschitzaer FIRES-Chef, Hochschuldozent Christian Rudolf, erklärte den angedachten Hochschulstreik folgendermaßen: „Es werden keine Unterrichtsstunden gehalten, die Tafeln werden nicht mehr gewischt, es werden keinerlei Papiere im Sekretariat ausgelegt und im Innenhof der Institution wird kein Grashalm mehr geschnitten.“ Von rund 200 Arbeitnehmern der Universität sind 111 Mitglieder in der FIRES-Gewerkschaft. Den Streik beschlossen haben 67 FIRES-Mitglieder, die sich zu der Sitzung eingefunden haben. Also knapp ein Drittel der Belegschaft. Unter den 67 Befürwortern des Generalstreiks befanden sich lediglich 20 der 113 Lehrkräfte.

Wie repräsentativ ist der Beschluss?

In den Medien des Banater Berglands fragte man sich deshalb, nicht ohne Grund, wie repräsentativ unter diesen Umständen die Zahl der Streikenden sein kann. Gewerkschaftsschef Rudolf erklärte diesen Umstand durch „direkten und indirekten Druck“, der auf seine Gewerkschafter ausgeübt worden sei. Rektorin Frunzăverde habe gleichzeitig mit der Gewerkschaftsversammlung eine Sitzung mit allen Direktoren der Departements, Dekanen und Lehrkräften in verantwortlichen Stellungen angesetzt. Der Interims-Vorsitzende des Hochschulsenats, Marius Miloş, zeigte sich besorgt: „In Augenblicken, wie dem jetzigen, bedarf es der Solidarität. Reschitza braucht weiterhin eine Hochschule. Wir tun, was in der Macht des Senats steht. Wir unterstützen aber auch die Kollegen der Gewerkschaft, denn ich glaube, dass wir nur gemeinsam mit ihnen, dem Bildungsministerium und der Hochschulleitung das alles zum guten Ende führen können. Ich meine, dass dieses Hochschuljahr ohne den ersten Hochschulstreik Rumäniens und mit Zuversicht weiterlaufen soll. Die Universität muss ihre Tätigkeit reibungslos fortsetzen.“

Uneinsichtigkeit  und Populismus

Am unnachgiebigsten erweist sich gegenwärtig der Dozent Eugen Răduca, der vor einigen Wochen auch Altrektor Ion Vela nach Bukarest ins Ministerium begleitete, um den Zusammenschluss mit der Temeswarer West-Universität zu stoppen. Er sei skeptisch hinsichtlich des vom Bildungsministerium versprochenen Geldes. Laut Bildungsminister Sorin Câmpeanu sollen 2,5 Millionen Lei an die Hochschule überwiesen werden. Eugen Răduca enthüllte aber erstmals auch etwas über seinen eigenen Vorstoß und jenen „eines Kollegen“, den er nicht nennen wollte, nämlich die Fusion gerichtlich zu stoppen. Dabei klingen viele Fakten und Zusammenhänge spekulativ und zusammengereimt, trotzdem hatte Răduca einstweilen Erfolg vor Gericht. Sein Antrag, die Hochschulfusion zu stoppen, hatte insofern die gewünschte Wirkung, als diese bis zum Ende des Prozesses auf Eis gelegt wurde. Eugen Răduca, der zur Leitung der FIDES-Gewerkschaft in Reschitza gehört, ist also gegen den Beschluss des Senats seiner Universität über die Fusion mit der Temeswarer Westuniversität gerichtlich vorgegangen und hatte in erster Instanz Erfolg. Sein Argument vor Gericht, neben jenem, dass eine Universität der Gemeinschaft gehört und keine Aktiengesellschaft ist, die nach Willen ihrer Gesellschafter fusionieren kann, lautete: „Diese Fusion begann unerwartet in den Ferien, ohne dass wir verständigt worden wären, und beim ersten Besuch der Universitäts-Vertreter aus Temeswar in Reschitza kamen sie mit einem Immobilienschätzer. Das hat uns sehr viel über die Absichten der Temeswarer gesagt.“

Fusion nur Gewinn für Temeswar?

Der Genauigkeit zuliebe sei erwähnt, dass das Bildungsministerium am 17. August, tatsächlich mitten in den Ferien, den Finanzierungsstopp der Universität „Eftimie Murgu“ Reschitza verkündet hat und dass der Senat umgehend reagierte und auf der Suche nach anderen Finanzierungsquellen seinen Fusionsbeschluss fasste. Răduca weiter: „Für den Rektor der Temeswarer Westuniversität, für sein Image und jenes der Temeswarer Universität, ist es sehr gut, wenn ihr Universitätsvermögen um Immobilienschmalkerl  inmitten von Reschitza oder der Freizeit- und Forschungseinrichtung Coronini an der Donau bereichert wird, die auch noch gut in Schuss sind. Nur: Diese Immobilien sind durch die Mühen der Reschitzaer Gemeinschaft entstanden und alle bisherigen Leitungen der Universität haben für ihre Erhaltung gekämpft.“ Verschwiegen wird aller-dings, dass alle eben diese Leitungen auch zur Zerstörung des Images des Reschitzaer Hochschulunterrichts beitrugen und dass die Hochschulfusion mit Temeswar auch für die Studenten Sicherheit und einen Prestigegewinn bedeutet, auch wenn sie sich danach unter Umständen ihre Diplome vielleicht seltener und teurer erkaufen können (in Reschitza kursieren so einige Gerüchte, die von den Fusionsgegnern gestreut wurden.)

Gerichtsverhandlungen  beginnen

Der pure manipulative Populismus verschweigt hier auch, dass die Universität eigentlich in den 1970er Jahren als Außenstelle der Temeswarer Poltehnica gegründet wurde und in den Gebäuden untergebracht war, die der seinerzeit renommierten Fachschule des Reschitzaer Maschinenbauwerks gehört hatten – die mit Geldern des Staates gebaut wurde. Trotzdem hat das Verwaltungs- und Steuergericht Reschitza den Senatsbeschluss blockiert. Allerdings beginnen die Gerichtsverhandlungen erst heute. Nur eine endgültige Gerichtsentscheidung kann die Fusion stoppen. Oder auch nicht. Selbst Fusionsgegner Răduca gibt zu: „Ich will nicht sagen, dass die Entscheidung mit der Westuniversität Temeswar ein hundertprozentiges Desaster ist, aber sie wurde nicht unter korrekten Umständen hinsichtlich Prozedere und Abwicklung getroffen. Und ich glaube, dass da auch persönliche Interessen im Spiel sind“, blieb er auf der Ebene vager und unbewiesener Behauptungen. Die Fusionsverhandlungen zwischen der Reschitzaer Universität „Eftimie Murgu“ und der Temeswarer Westuniversität gehen weiter.

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