Hoffen auf Heranrücken an Mitteleuropa

Mit Temeswar ist auch Novi Sad im Jahr 2021 europäische Kulturhauptstadt

Freitag, 08. Dezember 2017

Zwei Dutzend Nationalitäten leben in Novi Sad auf engstem Raum zusammen.

Der November ist kein angenehmer Monat an der Donau: Nebel liegt über dem Land, es ist feucht und kalt. Die düstere Stimmung wird noch verstärkt durch den Anblick, den die Stadt Novi Sad bietet.

Ihre k.-u.-k.-Vergangenheit ist architektonisch allgegenwärtig, aber unübersehbar sind die Wunden, welche die Misswirtschaft des Kommunismus und die Kriege der 1990er Jahre nicht nur in Serbien geschlagen haben.

Doch die Menschen in Novi Sad sehen einen Hoffnungsschimmer: Mit dem Zuschlag zur europäischen Kulturhauptstadt 2021 hat die Region eine Chance, sich der Welt in neuem Licht zu präsentieren, Investitionen an Land zu ziehen und näher an Mitteleuropa heranzurücken.

Den Zuschlag hat Novi Sad auch deshalb bekommen, weil die 300.000-Einwohner-Stadt das Zentrum einer multikulturellen Region ist: Zwei Dutzend Nationalitäten leben hier auf engstem Raum zusammen. Nicht immer konfliktfrei, und gerade das Verhältnis von Kroaten und Serben ist auch 22 Jahre nach dem Ende des Krieges nicht das beste.

Doch die Autonome Provinz Vojvodina preist das Zusammenleben der Volksgruppen und ihren Beitrag als beispielhaft an. Welche Rolle Medien dabei in einem inklusiven Sinn spielen können, im Besonderen Minderheitenmedien, das wurde bei der ersten Europäischen Konferenz für Minderheiten und Lokalmedien in Karlowitz/Sremski Karlovci und Novi Sad diskutiert.

Dabei stellten Mitglieder des Vorstands der Europäischen Vereinigung der Minderheitentageszeitungen (Midas) ihre Volksgruppen und ihre Zeitungen vor. Ein Besuch bei der in Novi Sad erscheinenden ungarischen Tageszeitung „Magyar Szo“ beschloss die Tagung.

Vier Jahre sind es noch, bis Novi Sad Europa verzaubern will mit der bunten Vielfalt seiner Völkerschaften und deren kulturellen Besonderheiten.

Es gibt jedenfalls noch viel Arbeit an Infrastrukturen wie am Programm. Doch wenn die ersten Besucher eintreffen, soll der kalte Nebel einer warmen, freundlichen Brise gewichen sein.

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