Hoffentlich eine gemeinsame und eine friedliche Zukunft

Gespräch mit Erzbischof emeritus Robert Zollitsch nach seiner Rumänien-Reise

Mittwoch, 29. Juni 2016

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in der römisch-katholischen Kirche in Orawitza – eine der ältesten im Banater Bergland.

Der emeritierte Erzbischof Robert Zollitsch aus Deutschland besuchte für eine Woche Rumänien. Er selbst wurde in Filipowa in der serbischen Batschka geboren. 1944 floh er mit seiner Familie nach Deutschland. Dort war Robert Zollitsch sechs Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz. Erzbischof Zollitsch unternahm vor Kurzem eine Reise durchs Banat. Bei seinem Besuch traf er sich mit Vertretern der deutschen Minderheit, besuchte verschiedene katholische Gemeinden, darunter den Wallfahrtsort Maria-Radna, und lernte die Arbeit des Kolping-Ausbildungshotels in Karansebesch kennen. Die freiwillige Mitarbeiterin des Deutschen Konsulats in Temeswar, Alexandra Bidian, hat Robert Zollitsch am Ende seiner Reise in Rumänien getroffen und mit ihm ein Gespräch geführt.

Sie waren fünf Tage lang auf Reise in Rumänien. Welche Orte haben Sie während Ihres Aufenthaltes gesehen? Was hat Sie bisher besonders beeindruckt?

Wir sind in Temeswar gestartet, das ist die Bischofsstadt, die mich schon lange interessiert. Ich war natürlich gespannt, die Maria Radna-Kirche kennenzulernen. Ich muss sagen, dieser Wallfahrtsort, diese großartige Wallfahrtsbasilika, war für mich ein eigenes Erlebnis ganz besonderer Art und nicht weniger auch die Bischofskirche in Temeswar, die ein großartiger Barockbau ist und zeigt, dass sich die Kaiserin Maria Theresia um ihre Leute gekümmert hat. Die romanische Basilika in Karlsburg/Alba Iulia war für mich eine unerwartete Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Dazu kommen natürlich noch die Begegnungen mit den Menschen, die uns jedes Mal sehr freundlich und freundschaftlich begegnet sind, die uns ganz besonders interessiert aufgenommen haben und uns halfen, das Land tiefer zu verstehen. Sie alle waren bemüht, uns möglichst vieles von diesem Land zu zeigen.

Sie waren jetzt zum ersten Mal in Rumänien. Wie würden Sie das Land und das Banat beschreiben?

Ich war natürlich mit dem Banat schon mehrfach beschäftigt in meinem Leben, weil auch viele Banater bei uns in Deutschland sind. Ich selber komme aus der Batschka und die Gegenden sind sehr ähnlich. Diese großartige Ebene, die Pannonische Tiefebene, ist mir seit der Kindheit vertraut. Ich habe jetzt auch dieses großartige Land kennengelernt, die unglaubliche Weite, die auch eine großartige Perspektive geben. Ich war überrascht, als wir nach Siebenbürgen kamen, dass es hier auch Berge gibt und vor allem auch von dem Banater Bergland, das ich mir so nicht vorgestellt hatte. Ich spürte, wie Menschen dort angesiedelt wurden, um Bergbau zu betreiben und um dann auch Holz abzubauen. Das Land weist einen großen Reichtum auf, mit dem man gar nicht rechnet und von dem man gar nicht ausgeht, weil man bereits einige Dinge vom Land kennt. Jetzt habe ich gespürt, wie vielfältig und wie reich dieses Land ist.

Sie selbst sind Do-nauschwabe. Wie würden Sie die Unterschiede zwischen Ihrer Heimat Serbien und der Situation der Minderheit hier vor Ort beschreiben?

Ich bin Donauschwabe aus Serbien, dem ehemaligen Jugoslawien, und habe daher natürlich die Gemeinsamkeit mit den Banater Schwaben intensiv erlebt. Ich habe auch gespürt, dass die Donauschwaben in Serbien praktisch ausgestorben sind. Es gibt nur noch ein paar Einzelne, die versuchen, die Traditionen ein bisschen lebendig zu halten. Die Donauschwaben im Banat haben erst viel später die Gegend verlassen und daher ist hier auch die Tradition und Kultur noch viel lebendiger. Es sind Gott sein Dank auch noch mehr Donauschwaben da, die die Kultur, das Leben und das Erleben vermitteln können. Für uns in der Batschka sind das praktisch nur noch Erinnerungsstätten, die heute nicht mehr mit Leben gefüllt sind. Anders ist es im Banat, die Stätten, in denen die Donauschwaben früher lebten oder wo auch jetzt noch einige sind, die sind noch lebendig und geben lebendiges Zeugnis von einer reichen gemeinsamen Geschichte.

Was nehmen Sie persönlich von dieser Reise mit?

Einerseits wird in mir neu lebendig, wie reich die Geschichte des Banats ist und was die Deutschen hier geleistet haben und wie schade es ist, dass diese fruchtbare Geschichte auf eine solche Weise enden musste. Ich bin aber vielen Menschen begegnet, die um diese Geschichte stolz sind und vorwärts in die Zukunft denken. Sie alle sind entschlossen, dem Brückenbau zwischen den Nationen, den verschiedenen Sprachen und den verschiedenen Völkern zu dienen und somit ein neues vereintes Europa zu schaffen, das sich zwar all der Dinge erinnert, die geschehen sind, das aber auch die Schlüsse zieht, dass wir Brücken der Versöhnung bauen und wir aufeinan-der zugehen müssen. Die Donauschwaben sind, so wie ich sie in Deutschland erlebe, wie auch in Serbien und erst recht im Banat, Brückenbauer zwischen den Menschen, aber auch Brückenbauer in eine Zukunft, die hoffentlich friedlicher sein wird, als die bisherige Zeit.

Was wünschen Sie dem Land und den Menschen hier in Rumänien für die Zukunft?

Ich wünsche, dass das Land die Freiheit, die die Wende gebracht hat, noch viel besser nützen kann und dass es auch wirtschaftlich weiterhin aufwärts geht. Im Banat, vor allem in Temeswar, haben wir gespürt, wie die Wirtschaft wächst und blüht. Ich hoffe, dass damit in diesem Land auch der Wohlstand weiter wächst und die Armut stärker überwunden werden kann. Ich wünsche dem Land auch, dass es die tiefe Verwurzelung im Glauben, die es jahrhundertelang geprägt hat, neu entdeckt und verlebendigt und somit auch aus dem Glauben heraus im Vertrauen auf Gott in die Zukunft geht, die hoffentlich eine gemeinsame und eine friedliche Zukunft sein wird.

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