Hoher Magistraturrat gegen Verbot der Knastliteratur

Justizministerin Prună bleibt unbeirrt

Samstag, 30. Januar 2016

Bukarest (ADZ) - Der Hohe Magistraturrat (CSM), das Selbstverwaltungsorgan der rumänischen Justiz, hat sich am Donnerstag überraschend gegen ein Verbot der Knastliteratur ausgesprochen. Nach einer teils hitzigen Debatte stimmten letztlich neun CSM-Mitglieder gegen den Vorschlag von Justizministerin Raluca Prună, den Gesetzesartikel betreffend die Reduzierung des Strafmaßes um jeweils 30 Tage pro verfasstem Werk per Eilerlass außer Kraft zu setzen, und lediglich acht dafür.

Nach Angaben von CSM-Präsident Mircea Aron hätte das Gremium eine Verschärfung des Gesetzes der Außerkraftsetzung eines Artikels vorgezogen.

Allerdings ist der Standpunkt des CSM für die Justizministerin nicht bindend, sondern bloß „konsultativ“. Entsprechend stellte Prună noch während der Sitzung klar, dass sie von einem Eilerlass nicht absehen werde, da das Phänomen der Knastliteratur völlig „außer Kontrolle“ geraten sei. Die Justizministerin erläuterte, dass den Gefängnisleitungen Ende letzten Jahres 43 Anträge für „das Verfassen von wissenschaftlichen Werken“ vorgelegen hatten, wenige Tage nach Silvester seien es bereits 103 gewesen. Prună verwies zudem darauf, dass die geltenden Regelungen diskriminieren – bei körperlicher Arbeit gebe es einen Tag Strafverkürzung für vier Arbeitstage, während für geistige Arbeit, bestehend aus „ein paar bekritzelten Bogen Papier“, die Strafe um 30 Tage verkürzt werde.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 31.01 2016, 04:18
@Christoph: Klar ist daß die aktuelle Regelung nicht haltbar ist, denn: Mit beschrifteten Seiten alleine ist noch keine Besserung des Verurteilten erreicht. Daher gehört das ganze Theater abgeschafft; die Verantwortlichen sollten statt dessen auf die Praxis in D schauen.
Christoph, 30.01 2016, 10:53
Warum es diese Regelungen gibt, habe ich immernoch nicht verstanden. Aber unabhängig davon ist mir auch nicht klar, wie das in der Praxis läuft. Einen umfangreichen Text kann jeder schreiben, aber wann ist ein Buch ein Buch? Muss es von einem Verlag veröffentlicht worden sein? Muss es eine gewisse Auflage erreicht haben?

Wenn ich im Gefängnis sitze, schreibe ich einen 100-seitigen Nonsense-Roman, veröffentliche ihn im Internet per Self-Publishing, kaufe selbst ein Exemplar und bin einen Monat früher draußen? Dann würde ich das doch jede Woche tun.
Sraffa, 30.01 2016, 03:06
Völlig klar ist daß die Profiteure der Knastliteratur in den Rumänischen Intellektuellen zu suchen sind; diese produzieren die Literatur die die Knastbrüder später unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen. Und die Rumänischen Intellektuellen sind natürlich im Austausch mit den Mitgliedern des CSM.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*