Holzfällen geht vor Naturschutz

Managementplan des Nationalparks Nera-Schluchten – Beuşniţa-Wasserfälle verabschiedet

Freitag, 18. November 2016

Im Amtsblatt Nr. 844/25. Oktober 2016 ist die Verordnung des Ministeriums für Umweltschutz, Gewässer und Forste Nr. 1642/2016 veröffentlicht worden, mit der die finale Variante des Managementplans des Nationalparks Nera-Schluchten – Beuşniţa-Wasserfälle genehmigt wird. Bei einer Durchsicht des nach viel Tauziehen nun verabschiedeten Schutzgesetzes für den Nationalpark sind die in diesem Raum sehr aktiven Umweltschützer von GEC Nera erschüttert: Der Nationale Regiebetrieb für Forste Romsilva hat sich in nahezu allen Kapiteln gegenüber der Temeswarer Universität für Land- und Forstwirtschaft sowie Veterinärmedizin USAMVB durchgesetzt, die für die wissenschaftliche Grundlage und den ursprünglichen Managementplan verantwortlich zeichnet, der 2015 zur öffentlichen Debatte gestellt wurde.
„Wir haben eine vergleichende Analyse der Erstvariante mit der nun als Schutzgesetz vom Ministerium verabschiedeten Variante vorgenommen und sind uns, gemeinsam mit weiteren NGOs der Zivilgesellschaft, einig, dass der verabschiedete Managementplan wie ein Diktat von RNP Romsilva aussieht”, schreiben die Umweltschützer in einem aktuellen Kommuniqué.

Der Ausarbeitung des Managementplans in der Fassung der Temeswarer Forstuniversität waren komplexe Feldstudien zur Biodiversität des Nationalparks vorausgegangen, die sich über drei Jahre erstreckt haben. Nachdem das Projekt auch die Phase der öffentlichen Aussprachen darüber durchlaufen hatte – die Umweltschutzorganisationen aus dem Bereich der Zivilgesellschaft hatten dabei ihre volle Unterstützung für den wissenschaftlichen Plan der Universität schriftlich dem Ministerium und der USAMVB zur Kenntnis gebracht – gab es einen einzigen Verweigerer der Zustimmung: die staatliche Forstverwaltung Romsilva. Die seit Jahresbeginn 2016 verflossene Zeit – gute zehn Monate – verging mit den Verhandlungen über Nachbesserungen des Managementplans, die Romsilva von der USAMVB forderte. Das Ministerium kann den Managementplan eines Naturschutzgebiets nur verabschieden, wenn alle implizierten Stellen vorher darauf ihre Unterschrift setzen. Und Romsilva verweigerte seine Unterschrift so lange, bis nicht alle ihre Forderungen erfüllt waren. Zur gleichen Zeit fällten die Motorsägen von Romsilva in den zum strengsten Naturschutz vorgesehenen Arealen des Nationalparks drauflos, meldeten wiederholt die Umweltschützer.

Die „Nachbesserungsverhandlungen” verliefen unter Bedingungen totaler Transparenzlosigkeit, verlauten die Umweltschützer, und die Meinung der Wissenschaftler von der USAMVB und der Umweltschützer aus der Zivilgesellschaft wurde total ignoriert, behauptet GEC Nera, die über die wohl besten Kenner dieses Nationalparks verfügt. Romsilva ignorierte auch die Bedenken der lokalen und zentralen Medien, die sich mit dem Fall dieses Nationalparks beschäftigt haben.

Einziges Ziel der staatlichen Forstverwaltung sei gewesen, mehr Holzschläge zum künftigen Fällen freizuverhandeln und damit die unter strengen Schutz gestellte Fläche des Nationalparks umso stärker einzugrenzen. Letztendlich und beim Vergleich des Projekts von 2015 mit dem Schutzgesetz vom Oktober 2016 stellte sich heraus, dass nun statt ursprünglich vorgesehenen 55 Prozent unter strengsten Schutz gestellter Nationalparkfläche nur noch 40 Prozent unter Totalschutz stehen. Und das war dann die Variante des Managementplans, den RNP Romsilva schon im Herbst 2015 vorgelegt hatte.
„Bei einem solchen Plan hätte es der von der EU zur Verfügung gestellten Gelder für die Ausarbeitung eines wissenschaftlich fundierten Managementplans gar nicht mehr bedurft”, schreibt GEC Nera. „Man hätte einfach die Variante von Romsilva zum Gesetz machen können. Holzschlag geht Romsilva vor Waldschutz, die Artenvielfalt spielt überhaupt keine Rolle!”
Dabei geben die Umweltschützer zu, dass man eigentlich auf diese Lösung gefasst hätte sein müssen, so lange in Rumänien die Tätigkeiten zur Konservierung der Natur und des Waldes in den Nationalparks der staatlichen Forstbehörde Romsilva untergeordnet sind und so lange sich der Nationale Regiebetrieb der Wälder RNP Romsilva eigentlich wie jedes andere Holzschlagunternehmen verhält. „RNP Romsilva ist eigentlich nichts anderes als ein Unternehmen, dessen erstrangiges Interesse der Verwertung der Holzmasse aus den Staatswäldern gilt.”

Nun steht trotzdem Romsilva im konkreten Fall des Nationalparks Nera-Schluchten – Beuşniţa-Wasserfälle vor einem Dilemma. So lange nämlich kein Managementplan verabschiedet war und die Grenzen des Nationalparks nicht strikt festgelegt waren, haben die Motorsägen von Romsilva auch auf Schlägen gewütet, die jetzt zum total geschützten Bereich des Nationalparks gehören. „Es ist für uns von größtem Interesse zu verfolgen, ob in diesen Schlägen nun die Motorsägen abgestellt werden”, schreibt GEC Nera, die, zusammen mit Agent Green und WWF, das ganze Jahr 2016 über die Öffentlichkeit informiert hat, wie Romsilva die ihr zum Schutz anvertrauten Urwälder fällt, was Romsilva mit Sturheit verneint hat. „Die 2016 eröffneten Holzschläge in dem seit dem 25. Oktober 2016 unter strengsten Schutz gestellten Raum sind noch nicht vollständig ´abgeerntet`”, schreibt GEC Nera...

Kommentare zu diesem Artikel

Joachim, 18.11 2016, 23:55
Dieses Mal muss ich den Herrn Kremm für seine sachliche Berichterstattung auch ein mal loben.
Also geht doch.

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