Hurra, ein Geschenk!

Dienstag, 03. Januar 2012

Bild: sxc.hu

Es gibt nichts Schöneres, als Geschenke zu bekommen, sollte man meinen. Irrtum! Denn wer beschenkt wird, verpflichtet sich automatisch, den edlen Spender ebenfalls mit einer Gabe zu bedenken. Umso schlimmer, wenn das Geschenk unerwartet erfolgt und man dadurch unter Zeitdruck in Zugzwang gerät.
Am einfachsten zu beschenken sind Menschen mit einer Nippesvitrine, denn diese sind offenkundig Liebhaber von kleinen Dekorfigürchen, Püppchen und Bärchen, was zu weiteren Geschenken dieser Art animiert. So dachte ich jedenfalls, bis mir jemand verriet, dass die Anschaffung einer Nippesvitrine einer Verzweiflungstat gleichkommt. Denn die vielen lieben Dingelingelein, die man von Tanten, Onkeln, Omas im Laufe der Jahre geschenkt bekommt, müssen natürlich aus lauter Freude stets in Sichtweite parat stehen. Damit sie nicht die Wohnung überfluten, gibt es den Nippesschrank – dessen Dimension sich wegen des verhängnisvollen Zuwachseffektes direkt proportional zu dem Alter des Besitzers verhält.

Schwierig aber auch, wenn man Teures geschenkt bekommt und das, was man dafür im Gegenzug besorgen muss, das eigene Budget aus allen Fugen sprengt. Die edle Porzellanvase etwa, die sowieso nicht in unsere Bauernküche passt, und die weder Romtelecom noch Electrica als Ausgleich für die Rechnungen annehmen wollten. Ob der Schenker unseren im Gegenzug vergebenen Bildband zu schätzen wusste, ist auch ungewiss. Aber vielleicht kommt er ja auf Umwegen wieder zu uns, zumal jeder weiß, dass wir Bücher lieben... Wer kennt das Phänomen nicht, dass Gaben originalverpackt in einer Ecke landen, bis man wieder in die Situation einer Schenkverpflichtung gerät? Ein Porzellan-Oliventellerchen etwa, in der Tankstelle erworbenes Peinlichkeitsgeschenk eines flüchtigen Bekannten, der unglückseligerweise von ebensolchen auf meinen Geburtstag aufmerksam gemacht wurde und sich in sofortigem Zugzwang fühlte. Leider hatte man ihm nicht mitgeteilt, dass ich schon ein entzückendes spanisches Oliventellerchen besitze, das so ungefähr einmal in drei Jahren zum Einsatz kommt, weil wir die Oliven meist schnöde in den Salat werfen. Dafür muss ich mich nun abplagen, seinen Geburtstag und seine beiden Namenstage nur ja nicht zu vergessen. Oder war dies das Kalkül?

Herrje, Namenstage – welch unglückselige rumänische Unsitte! Weil ich keinen habe, aber ständig an die der anderen denken muss, hoffe ich auf gerechte Revanche im nächsten Leben: am besten mit einem Doppelnamen, der „Maria“ enthält! Denn die feiert gleich zweimal im Jahr, was netto drei Namenstage und einen Geburtstag ergibt, also viermal Geschenke. Das dürfte meine eigenen Schenkverpflichtungen endlich abdecken!

„Aber, hallo!“, wird jetzt so mancher entsetzt ausrufen, „schenken soll man doch mit Liebe!“ Auch dies kommt vor... Tückischerweise kann es zum selben Resultat führen, wie die Geschichte von der prächtigen Traube verrät, die ich einst im Radio hörte: Ein Mönch in einem Kloster bekam sie von einem Pilger, doch weil er seinem Mitbruder etwas Gutes tun wollte, gab er die schöne, saftige Traube an ihn weiter. Dieser aber schenkte sie dem Abt, und dieser wiederum.... Nun ja, die kleine Köstlichkeit, die jedem zwar das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, ging also aus Herzensgüte von Hand zu Hand, bis sie wieder beim ursprünglichen Schenker ankam (der musste sie dann endlich essen, weil die Weintrauben schon zu schrumpeln begannen).
Nachdem ich meinem Mann einmal mit ganz viel Liebe eine Fotoweste ausgesucht hatte, auf die er nun mit ganz viel Liebe blicken darf, weil ich das zu enge Ding selbst trage, haben wir beschlossen, die Schenkerei abzuschaffen und es bei der Liebe zu belassen... Die Liebe ist ohnehin das größte Geschenk!

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