Hurra, wir sind cool...

Von den fragwürdigen Vorzügen der Hauptstadt Bukarest

Donnerstag, 26. Januar 2012

Was es alles gibt: Umfragen und/oder Studien zur schönsten (Haupt)Stadt, zur angenehmsten Stadt, zur billigsten bzw. teuersten Stadt, zur sichersten oder gefährlichsten Stadt, warum also nicht auch zur coolsten, was immer man auch darunter verstehen mag. Slate ist ein amerikanisches Online-Magazin. Es wurde 1996 von Microsoft als Teil des Webportals The Microsoft Network (MSN) aufgebaut und acht Jahre später an The Washington Post Company verkauft. Zurzeit bringt es vorwiegend Nachrichten, Kultur, Politik und Sport. Anfang 2009, mitten in der Medienkrise, traute sich eine Gruppe von teils prominenten französischen Journalisten, eine eigene Version herauszugeben.

Slate.fr war Initiator einer Auflistung von coolen Metropolen in Europa. Unter die Lupe kamen 24 Hauptstädte, darunter Budapest, Bukarest, Berlin, Helsinki, Lissabon, London, Madrid, Oslo, Paris, Stockholm, Vilnius, Warschau, Wien, plus Barcelona und  Mailand bzw. elf Kriterien, wie zum Beispiel die Wohnqualität, die Anzahl der besonders lebendigen Viertel, die Touristen und Bewohnern Unterhaltungsmöglichkeiten anbieten, der durchschnittliche Preis für ein Bier, der Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung, die Qualität des öffentlichen Nachtverkehrs, die Einstellung zum Konsum von Cannabis u. a. m. Die Journalisten bedienten sich dabei mehrerer Quellen: Eurostat für die statistischen Daten, Routard für die „Entertainment-Viertel“, Resident Advisor für den Preis der Eintrittstickets in die Nachtklubs, Wikitravel.

And the winner was... Nun, es waren zwei, denn die Autoren wollten nichts dem Zufall überlassen und unternahmen gleich zwei Analysen: In der einen, die alle Faktoren  gleichmäßig gewichtete, ging der Titel der coolsten Hauptstadt, vor allem für Studenten, an Lissabon, in der anderen, die das Preis-Leistungs-Verhältnis im Wohnbereich mit höheren 20 Prozent bewertete, an Warschau.
Das billigste Bier, der öffentliche Nachtverkehr und ein hoher Anteil der Studenten an der Gesamtbevölkerung sicherten Bukarest, in beiden Fällen, die Silbermedaille. Prag, Vilnius und Warschau, in der ersten Variante, bzw. Vilnius, Prag und Budapest, in der zweiten, durften ihr neiderfüllt folgen. Madrid, Berlin und Barcelona landeten auf die Plätze neun, zehn und zwölf, die nordeuropäischen Hauptstädte waren das Schlusslicht.

Die meisten Rankinglisten pflegen Städte nach „strengeren“ Kriterien zu klassifizieren (politisches Umfeld, Erziehungs- und Gesundheitssystem, Immobilienmarkt etc.), Slate aber dachte an etwas Lockeres. Und kürte Bukarest, nicht zuletzt dank der noch zu sanierenden historischen Altstadt mit ihren vielen Cafés, Kneipen und Restaurants und der günstigen Preise, zu einer besonders „netten“ Stadt für interessierte Studenten.
Für die Bewohner der rumänischen Hauptstadt also Grund zu Stolz und Freude. Und ein Tipp: Vergesst die schlechten Straßen, die fehlenden Parkplätze, die Streunerhunde, die Bettler, den chaotischen Verkehr, freut euch einfach, denn eure Stadt ist cool...

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