„Ich bin sehr froh, Lutheraner zu sein“

Gespräch mit Pfarrer István Koszta, evangelisch-lutherische Kirche Kronstadt

Mittwoch, 02. August 2017

István Koszta, evangelisch-lutherischer Pfarrer.
Foto: Ralf Sudrigian

Zum 500. Reformationsjubiläum findet zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober in Kronstadt/Braşov der evangelische Kirchentag statt. Er wird gemeinsam von der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien und von der evangelisch-lutherischen Kirche der Ungarn in Rumänien veranstaltet. Im nachfolgenden Interview, das Ralf Sudrigian in Kronstadt mit István Koszta, Kronstädter Stadtpfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche, geführt hat, stellt dieser seine Kirchengemeinde vor und geht auf die Bedeutung dieses Jubiläums ein.

István Koszta ist 1974 in Tatrang/Tărlungeni geboren und ist seit 2010 Pfarrer der Kronstädter evangelisch-lutherischen Gemeinde. Nach Abschluss des Studiums der evangelischen Theologie in Klausenburg/Cluj, mit einem Studienjahr in Hermannstadt/Sibiu, in dem er auch Deutsch lernte, folgten zehn Jahre als Pfarrer in der Gemeinde Krebsbach/Crizbav. István Koszta ist mit Enikö Koszta (ebenfalls evangelische Pfarrerin) verheiratet und Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen.
 

Warum sollten 500 Jahre Reformation gebührend gefeiert werden?

Die Reformation bedeutet ein Ereignis, das die Weltgeschichte beeinflusst hat. Martin Luther wollte nicht eine neue Religion gründen. Die Prinzipien der Reformation: Sola fide (Allein der Glaube), sola scriptura (Allein die Schrift), solus Christus (Allein Christus), sola gratia (Allein die Gnade), soli Deo gloria (Allein Gott gehört die Ehre) bedeuten eine Rückbesinnung auf den Glauben, auf Christus Opfer am Kreuz. Darüber hinaus konnten die Gläubigen durch Luthers Bibelübersetzung die Gottesdienste in ihrer Muttersprache verfolgen, was damals einer Revolution gleichkam. Luther hat es ermöglicht, dass die Heilige Schrift allen zugänglich wurde. Dank Honterus ist das reformatorische Gedankengut in kurzer Zeit auch hier in Kronstadt bekannt geworden. 1542 ist auch die Geburtsstunde der evangelisch-lutherischen Kirche der Ungarn in Siebenbürgen.
 

Wie sieht heute die Kronstädter evangelisch-lutherische Gemeinde aus?

Die Kirchengemeinde hat rund 2000 Gemeindemitglieder. Unsere Kirche ist im Jahre 1783 erbaut worden, als Janos Gödri Pfarrer war. Wir treffen uns nicht nur sonntags zum Gottesdienst sondern auch dienstags und donnerstags, wenn Andachten stattfinden. Auch für die Jugend gibt es ein spezifisches Angebot. Von den rund 60 Jugendlichen beteiligt sich ungefähr die Hälfte daran. Im Konfirmationsunterricht gibt es zwei Gruppen (Anfänger und Fortgeschrittene). Die Konfirmation findet jedes Jahr am Palmsonntag statt. Im Konfirmationsunterricht wird Luthers Kleiner Katechismus unterrichtet; die Kinder lernen auch Kirchenlieder und die Bedeutung der Gottesdienstordnung. Leider haben wir noch keinen eigenen evangelischen ungarischen Kindergarten.

Das Kronstädter Dekanat ist das größte unserer Kirche und hat eine zentrale Lage. Im Kreis Kronstadt gehören der evangelisch-lutherischen Kirche neben Kronstadt, die Siebendörfer und die Dörfer Geist/Apaţa, Neudorf/Satu Nou und Krebsbach/Crizbav an. Zum Dekanat gehören noch Sanktgeorgen/Sfântu Gheorghe und Sommerburg/Jimbor dazu, wie auch Bukarest mit einer großen zweisprachigen (ungarischen und rumänischen) Gemeinde.
 

Wie beteiligt sich Ihre Kirche an dem bevorstehenden Kirchentag?

Die Einladung kam vom Kronstädter Stadtpfarrer Christian Plajer, für die wir sehr dankbar sind und die wir gern angenommen haben. Wir übernehmen die Eröffnung des Kirchentages mit einem „Abend der Begegnung“ mit einem Jugendprogramm, das am Freitag, dem 29. September, in unserer Kirche, im Hof und Pfarrhaus abgehalten wird. Außerdem gibt es zwei ungarische Gruppen zu den Bibelarbeiten am Samstag sowie einen Workshop in ungarischer Sprache für Kinder zum Thema „Wo ist mein Platz in der Kirche Christi?“. Am Sonntag gibt es selbstverständlich Gottesdienste und Gedenkläuten in Kronstadt, Geist, Halmagen/Hălmeag, Vierdörfer/S²cele und Zaizendorf/Zizin.

Ich möchte auch daran erinnern, dass wir uns an unserem Diasporatag, der jährlich stattfindet, vorgenommen haben, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen: Was bedeutet Honterus für uns; was bedeutet die Schwarze Kirche für uns? Einige Jahrhunderte waren wir ja in derselben Kirche vereint. Es ist uns wichtig zu wissen, wo unsere Wurzeln sind. Rund 200 Gläubige versammelten sich in der Schwarzen Kirche zu einer Andacht und zu einer anschließenden Kranzniederlegung beim Honterusdenkmal. Alle waren von der großen Schwarzen Kirche beeindruckt, viele hatten nun die Gelegenheit, mehr von der Bedeutung dieser Kirche für unseren lutherischen Glauben zu erfahren, wie auch von der Tatsache, dass in der Nähe der Kirche auch die hiesige ungarische Schule ihren Anfang hatte.
 

Wie wichtig erscheint Ihnen die konfessionelle Zugehörigkeit?

Es gehört zu unserer Identität, genau zu wissen, was es bedeutet, Lutheraner zu sein und zu wissen, wie wichtig es war, dass das Licht von Wittenberg zu uns nach Kronstadt gebracht wurde. Wir müssen genau verstehen und auch fühlen, was „Ein feste Burg ist unser Gott“ bedeutet hat und auch heute noch bedeutet. Im Kommunismus hat ja eine Gehirnwäsche stattgefunden, die Geschichte wurde oft verfälscht. Jetzt ist die Zeit gekommen, erst recht im 500. Jubiläumsjahr, um zu wissen, woher wir kommen. Das ist, meine ich, von größter Bedeutung. Schwarze Kirche, Honterusdenkmal sprechen darüber und gehören auch zu unserer Erinnerungskultur.

Ich selber bin Ungar und kann gleichzeitig mit offenem Herzen behaupten, dass ich sehr froh bin, auch Lutheraner zu sein. Meine lutherischen Wurzeln kommen von Luther, von Honterus, von meinen Vorfahren. Ich möchte gerne meinen Kindern, der Jugend vermitteln, was das alles mit sich bringt, Lutheraner zu sein.
 

Was wären heute die Herausforderungen für einen Lutheraner?

Wichtig ist es, auch der Mehrheit zu verdeutlichen, für was unsere evangelische Religion steht. Wir müssen nichts von außerhalb (von anderen Religionen oder aus der Welt) in unseren Glauben „importieren“. Ich meine, hier in Siebenbürgen, sind wir noch, sowohl in der Liturgie aber auch im Leben der Pfarrer, im Gemeindeleben, im unverfälschten Glauben verblieben, so wie wir ihn von Luther geerbt haben. Anderswo, in West-europa, gibt es auch Abweichungen, die dem Zeitgeist zuviel zusprechen. Andrerseits ziehen wir uns auch nicht in ein Klosterleben zurück. Aber wir müssen klar zeigen, dass wir zu unseren Werten stehen. Christus hat uns in der Bibel so klar den Weg gezeigt. Pseudo-Theologien müssen als solche erkannt und benannt werden.
 

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche A.B.?

Ich wünsche mir, dass diese Zusammenarbeit noch wächst. Der Kirchentag wäre ein guter Anlass, ab nun in dieser Hinsicht mehr zu unternehmen. Wir sollten zusammen unser gemeinsames Erbe besser pflegen und der Welt davon Zeugnis ablegen.
 

Vielen Dank für dieses Gespräch!

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