„Ich hab aus meinem Wald Holz gestohlen!“

Landwirte aus Dezești in der Senke von Brebu verstehen die Welt nicht mehr

Dienstag, 05. März 2019

Symbolbild: pixabay.com

Umweltorganisationen haben errechnet, dass aus den rumänischen Wäldern seit der Wende Millionen Kubikmeter Holz gestohlen wurden, aus den Staats- wie aus den Privatwäldern, aus ausgewiesenen und/oder geplanten Naturschutzgebieten, aber auch aus Nutzwäldern. Bei einem Drittel der hundert reichsten Rumänen fuße das Vermögen in irgendeiner Form auf gestohlenem Holz, errechneten einschlägige Publikationen. Bisher ist aber noch kein einziger Fall bekannt, wo einer der steinreichen Besitzer von Holzschlagunternehmungen vor Gericht gelandet wäre, geschweige denn, dass auch nur ein Einziger wegen Holzdiebstahl verurteilt worden wäre.

Hingegen wird man als Journalist monatlich massenweise von Meldungen aus Polizei- und Staatsanwaltschaftkreisen überschüttet, wo von armen Landbewohnern die Rede ist, die beim Diebstahl eines Karrens Brennholz erwischt wurden. Absurderweise ahnden Polizei und Forstschutzbehörden sogar diejenigen, die sich Brennholz aus ihren eigenen Wäldern holen – die sie von Vätern und Vorvätern geerbt haben – und auf Karrenwegen transportieren – die ihre Väter und Vorväter schon genutzt haben.
Unlängst ist ein solcher Fall gleich zweimal in Dezești in der Brebu-Senke (die liegt zwischen Reschitza und Karansebesch) vorgekommen, den einer der Betroffenen, Nicolae Tărcilă, ein siebzigjähriger Banater Bergbauer, nicht ohne einen gewissen Humor den Medienleuten erläuterte, nachdem ihm eine Polizeipatrouille eine Geldstrafe von 2000 Lei aufgebrummt hatte, weil er sich beim Holztransport im eigenen Traktor mit selbstgebautem Anhänger auf einem Karrenweg erwischen lassen hatte. Der Wald, wo er das Holz geschlagen hatte, das Feld, über welches der Karrenweg bis Dezești führte – alles gehört ihm und seiner Familie. Praktisch hatte er mit keinem Schritt sein Besitztum verlassen. Mehr noch: Die Polizisten, die ihn beim „illegalen Holztransport erwischt” hatten, haben dies, genaugenommen, ohne Mandat getan, denn sie befanden sich auf fremdem Eigentum, auf dem von Tărcilă.

Selbst aus Sicht des Bauern Tărcilă hat die ganze Geschichte einen Pferdefuß: Nichts von seinem Grundbesitz ist im Grundbuch eingetragen. Im Bericht von Bauer Tărcilă klingt das so: „Wir reden da von Holz, das ich angeblich von mir selber gestohlen habe. Von meinem Grund und Boden und Forst, eigentlich von einem einmal landwirtschaftlich genutzten Schlag. Ackerland. Dort waren auch Heuwiesen. Das Ackerland ist verbuscht, Bäume sind darauf gewachsen. Sozusagen: mein Wald. Die EU-Zahlstelle APIA hat mich gezwungen, das Buschwerk und die Bäume zu roden, weil sie mir ansonsten die Subvention nicht mehr zahlen wollten. Vorigen Herbst habe ich das Grundstück vom Buschwerk und den Bäumen befreit. Angefallen sind etwa anderthalb Festmeter Holz. Das war jenes Holz, das ich mit meinem Traktor und meinem Anhänger über mein Feld nach Hause schaffen wollte. Was doch nur natürlich war, nicht wahr?! Und da haben sie mir Holzdiebstahl vorgeworfen, das Holz konfisziert, mir eine Strafe aufgebrummt. Alles auf meinem eigenen Grund und Boden, wegen meinem eigenen Holz.“

Grundsätzlich, so meint Bauer Tărcilă aus Hörensagen zu wissen, kann man natürlich bestraft werden, wenn man aus fremden Wäldern Holz stiehlt, um es zu verkaufen. Doch das war bei ihm nicht der Fall: „Das war doch kein Holz zum Verkauf. Da waren Stämme mit einem Meter Länge, mit anderthalb Meter, einer mit 15 Zentimeter Durchmesser, wie sie eben dort wild gewachsen waren und wie ich vermochte, sie zu fällen und zurechtzuschneiden. Die hatten kein 'Gesicht' zum Verkauf. Nicht ein und dieselbe Dimension, etwa Meterholz, wie man es zum Verkaufen macht. Es war Holz für meine Familie, das ich später noch schneiden und spalten wollte. Zum Verheizen. Damit hat mich der Wachtmeister aus Brebu, der Herr Iancu und sein Gehilfe erwischt. Sie forderten mich auf, die Dokumente fürs Holz vorzuzeigen. Hatte ich keine. Sie fragten, was ich mit dem Holz anzufangen gedenke? Da wurde ich nervös. Was ist das für eine Frage, wenn man solches schlampig zugeschnittenes Holz aller Baumarten sieht? Heim fahr' ich's, sagte ich, was soll ich sonst damit tun, werd's doch nicht futtern! Woher ich's hätte? Na von meinem Grundstück, von meinem Eigentum. Wozu brauche ich da Transportpapiere, hab doch nichts aus Staatswäldern stibitzt. Oder meinen die, dass ich wegen einem Transportpapier für anderthalb Kubikmeter Holz von meinem Grundstück über 100 km hin und zurück bis nach Bokschan fahre und mir beim Forstamtsbezirk das Transportpapier ausstellen lasse? Das macht man. Aber nur, wenn man Holz aus Staatswäldern transportiert. Wenn ich wegen meiner 1,5 Kubikmeter in Bokschan vorstellig werde, lachen die sich doch kaputt! Wenn die noch hören, dass ich mein landwirtschaftliches Grundstück für die APIA-Kontrolle gesäubert habe! Wo ist denn das Verbrechen, das ich angeblich begangen habe? Und ich war nicht mal auf einem öffentlichen Weg! Na ja, es wird erst an der Grundbucheintragung gearbeitet. Aber in meiner Lage ist das ganze Dorf. Keiner hat seine Grundstücke im Grundbuch eingetragen, aber jeder weiß, wessen Grundstück bis wohin reicht, was wem gehört. Ich habe keine Ahnung, welches die geltenden Gesetze sind – aber die ändern sich auch von Tag zu Tag! Nun, dass unser Besitz im Grundstück eingetragen wird, das ist normal. Einverstanden. Nur: Mit welchem Recht haben die mich mit 2000 Lei bestraft, nach welchem Gesetz?“

Ioan Cepoi ist ein anderer Bauer aus Dezești. Dem erging es ähnlich. Allerdings hat nicht er selber sein Holz von seinem Grund und Boden transportiert, sondern ein Bekannter aus dem Gemeindezentrum Fârliug. Der wurde bestraft. Cepoi: „Ich bin 71. Wo zum Teufel soll ich hingehen und zwei Stück Holz verkaufen? Ich und Holzhandel! Das war mein Holz, von meinem Grund und Boden, mein fertig gespaltenes Holz, fertig zum Verheizen in meiner Heizzentrale, wegen dem der Transporteur eine Geldstrafe hinblättern musste. Also Holz aus meinem Wald, für mich, für meine Familie, nix Gestohlenes, nix zum Verkaufen, das Holz sollte bloß mit dem Traktor zu uns nach Haus gebracht werden. Auf den zwei Kilometern zwischen Dezești und Zorlenț standen dann die Polizisten und brummten dem Treckerfahrer die Geldstrafe auf, weil er keine Transportpapiere hatte. Und angeblich gestohlenes Holz transportierte. Auf einem Karrenweg, der direkt aus dem Wald auf unser Haus stößt. Selber konnte ich den Transport nicht erledigen, bin zu alt dafür.“

Beide Fälle beschäftigen nun das Kreisgericht in Reschitza, denn die mit Geldstrafen Belegten gingen per Gerichtsklage dagegen vor. Schließlich, so Bauer Tărcilă, ist die Situation eine absurde: „Dass ich mich selber bestohlen haben soll und dass mich die Polizei vor Diebstahl an mir selber bewahrt hat, indem sie mir eine Geldstrafe aufbrummte und mir mein eigenes Holz abnahm, das geht mir nicht in meinen alten Schädel rein!“

 

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*