„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“

ADZ-Gespräch mit dem Veranstaltungsmanager Christian Rätscher

Mittwoch, 15. Januar 2014

Der 43-jährige Christian Rätscher ist sowohl Organisator als auch Veranstalter von Unterhaltungsshows in Rumänien und Deutschland. Er vermittelt Hotelunterkünfte und Büroflächen in Bukarest und bietet nebenher Beratungsdienste für deutsche Firmen, die in Rumänien aktiv werden wollen oder schon ansässig sind, an. Mit Christian Rätscher unterhielt sich Dagmar Schneider für die ADZ.

Sie pendeln während des Jahres zwischen Deutschland und Rumänien.

Die meiste Zeit verbringe ich eigentlich in Rumänien, genauer gesagt in Bukarest, wo ich durch meine Haupttätigkeit in der Unterhaltungsbranche vor Ort sein muss. In Deutschland bin ich in letzter Zeit eher selten. Ich besitze in der Nähe von München ein Haus, das nach wie vor mein offizieller Wohnsitz ist. Wie den meisten Siebenbürger Sachsen in meinem Alter ist es auch mir ergangen. Ich bin 1969 in Urwegen geboren worden und im Frühjahr 1984 mit meinen Eltern und meiner Schwester nach München ausgewandert. Bei dem Bayerischen Rundfunk habe ich dann den Beruf als Informationselektroniker erlernt. Schon mit 13 aber fing ich in Urwegen an, Tanzbälle zu organisieren. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Nach der Ausreise aus Rumänien gründete ich mit dem ehemaligen Organisten der Urweger evangelischen Kirche die Band „Nine Angels“, die auf vielen Tanzbällen in ganz Deutschland auftrat.

Haben Sie in den Bands auch ein Instrument gespielt oder waren Sie eher für das Organisatorische zuständig?

Eigentlich nicht, ich spiele selbst zwar auch Klavier, aber nicht so gut, das Organisatorische liegt mir eher. Meine Verwandtschaft hingegen war und ist noch immer musikalisch aktiv. Meine Eltern zum Beispiel singen im Urweger Chor in München und mein Cousin ist Musiklehrer und leitet vier Chöre in Unna und Umgebung.  Meine Schwester und ich haben als Kinder von meiner Tante Musikunterricht bekommen, als Gegenleistung bekam sie Milch von unseren Kühen, so war das damals. Auch jetzt noch liegt mir einfach diese Art, Geschäfte zu machen. Wenn ich zum Beispiel in Rumänien bin, wohne ich im „Hotel Alexander“, welches in der Nähe der neu eröffneten Promenada-Mall liegt. Mit dem Hotel habe ich ein sogenanntes Tauschgeschäft ausgehandelt. Ich zahle statt 190 Euro pro Tag nur 30 Euro. Das Gleiche gilt auch für Geschäftsleute, die ich dem Hotel vermittle. Im Hotel gibt es auch Veranstaltungssäle und Büroflächen zum Mieten. Ich selber habe hier mit meinem Partner Heinrich Schuster, ein gebürtiger Mediascher, eine Soundfirma, die L-Acoustic-Lautsprecher vertreibt.

Kommen wir zurück zum Showgeschäft. Wie knüpfen Sie den Kontakt zu den Künstlern und wie entwickelt sich dann alles?

Am Anfang unterbreiten wir dem Management des Künstlers oder der Band ein Angebot, in welchem der Auftritt an und für sich und dann die Reise, Unterkunft und sonstige Dienstleistungen angegeben werden. Ein wichtiger Aspekt ist, auch die Konkurrenz im Auge zu behalten, denn wer mehr bietet, bekommt das Geschäft. In den Anfangsjahren haben wir „Booking“ gemacht, das heißt, man wurde vermittelt. Da aber in Rumänien viele unseriös sind und über meine Kontakte direkt mit dem Management der Künstler in Verbindung traten, entschloss ich mich, alles selber aus einer Hand anzubieten. Zu der Zeit war ich mit vielen rumänischen Stars wie Florin Piersic und Stela Popescu auf Tournee in Deutschland, und daraus haben sich Kontakte ergeben, sodass ich dann Sandra, Rednex, Saragossa Band und viele andere nach Rumänien brachte. Mit einigen davon, zum Beispiel Saragossa Band, No Mercy, CC Catch oder Jennifer Rush, habe ich Exklusivverträge für Rumänien. Hier arbeite ich eng mit einer Agentur zusammen, von der ich immer wieder neue Exclusiv-Künstler bekomme.

Unlängst konnten Sie Oskar Benton nach Bukarest bringen, der in der „Sala Palatului“ ein Konzert gab. Was ist demnächst geplant?

Am kommenden Samstag, dem 18. Januar, wird das einzige Eisballett der Welt in Bukarest zu sehen sein. Geboten wird der „Schwanensee“. Einen Tag vorher kann man es in Klausenburg in der Oper bewundern. Das Ballett hat davor Auftritte in Deutschland. Das Eisballett besteht aus 60 Eisläufern aus Sankt Petersburg, die sowohl eine Ballettausbildung besitzen als auch Eiskunstläufer sind. Es ist das einzige Eisballett der Welt, das nicht zu verwechseln ist mit den vielen Eisshows, in denen Eiskunstläufer auftreten.

Was passiert, wenn mal eine Veranstaltung wegen eines Künstlers abgesagt werden muss?

Ich habe diesen Fall noch nicht gehabt, es kann aber natürlich passieren, dass dann alle Karten zurückerstattet werden müssen oder ein Ersatztermin ausgehandelt wird, was aber immer schwierig ist, da die Künstler schon lange im Voraus ausgebucht sind. Eine Versicherung könnte dies abfedern, die ist aber irrsinnig teuer, sodass ich bisher noch nie eine abgeschlossen habe, und eher das Risiko eingegangen bin, dass alles gut verläuft.  

Um Künstler ausfindig zu machen, die auch das rumänische Publikum begeistern, zählt die Erfahrung viel. Wonach orientieren Sie sich dabei und wie viele Veranstaltungen betreuen Sie jährlich?

Ich gehe auf unterschiedliche Weise vor. Ich höre mir Konzerte persönlich an oder ich sehe mir Aufzeichnungen auf „Youtube“ im Internet an. Ich rede auch oft mit Agenturen oder informiere mich in der Branche. Bezüglich Veranstaltungskalender ist es sehr unterschiedlich. Wenn man organisiert, gibt es weniger Veranstaltungen im Jahr, da man sich um alles kümmern muss, dass unterm Strich der Saal gefüllt wird. Beim Booking können mehrere Shows gemanaged werden, die sogar parallel laufen können. An einem Silvesterabend hatte ich zum Beispiel sieben Shows zu betreuen, die in unterschiedlichen Städten liefen. Es ist zwar immer ein Tourmanager anwesend, aber bei großen Veranstaltungen mit 40.000 Gästen sollte man schon selbst anwesend sein. In Deutschland hingegen hatte ich nur „kleine“ Veranstaltungen mit bis zu 500 Leuten. Da spielt sich das Ganze in einer anderen Liga ab.

Wie viel kostet grob genommen ein Ticket für ein Konzert?

Es kommt immer drauf an, was man haben möchte. Die Preise beginnen bei 50 Lei und können bis zu 900 Lei steigen, die dann als VIP-Karten verkauft werden und Autogramme, Fotoaufnahmen, Gespräche usw. beinhalten. Wenn sich Sponsoren an Veranstaltungen beteiligen, können die Karten günstiger angeboten werden. Bis zu 150.000 Euro gibt ein Sponsor beispielsweise aus, damit sein Logo auf Plakaten, Banner und sonstigen Werbungen erscheint. Für die bevorstehende Eisballettshow zum Beispiel gibt es Karten zwischen 100 und 350 Lei.
 
Sie sprechen das Eisballett an. An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit noch?

Ich bin zurzeit mit den Vorbereitungen zu einer Fernsehsendung beschäftigt, die seit Oktober jeden Sonntag auf TVR1 und TVR International ausgestrahlt wird und „Duminica în familie“ heißt. In die Talkshow, moderiert von Ramona Bădescu und Flavius Teodosiu, sollen Persönlichkeiten mit sächsischen Wurzeln eingeladen werden. Vorgesehen ist, in einer lockeren Runde über Erfolge, Meinungen, Pläne, eigentlich über alles Mögliche zu sprechen.

Sind Sie auch in anderen Bereichen außer der Unterhaltungsindustrie tätig?

Das Showgeschäft ist ein wichtiges Standbein für mich, ich biete aber auch Netzwerktätigkeiten für deutsche Firmen in Rumänien an, sprich Beratung, Kontakte, Gespräche, wobei ich einen hohen Wert auf Glaubwürdigkeit setze, was hierzulande sehr geschätzt wird.

Wen würden Sie sich wünschen, nach Rumänien zu bringen?

Ich gehe eigentlich nicht von meinen Wünschen aus, denn mit  Träumen kann man kein Geld verdienen. Wichtiger ist zu spüren, was sich verkaufen lässt. Früher dachte ich, man muss den Leuten einreden, was gute Musik ist. Ich habe es dann sein lassen und nun gebe ich ihnen, was sie wollen, so läuft das besser. Viele Leute wollen Playback haben statt Livemusik oder wenn etwas im Radio oft gespielt wird, dann wollen sie nur das hören.

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