Ich lass mich nicht bestrafen

Freitag, 17. Februar 2012

 

Der Temeswarer Nahverkehrsbetrieb RATT möchte Ticket-Automaten in den öffentlichen Verkehrsmitteln anbringen. Dadurch soll den Fahrgästen auch an Sonn- und Feiertagen, wenn die Ticket-Kiosks geschlossen sind, die Möglichkeit geboten werden, Fahrkarten zu erwerben und somit eine Geldstrafe vermeiden. Alles schön und gut. Ein einziger Haken an der ganzen Geschichte: Tickets im Bus werden mehr als doppelt so viel kosten wie derzeit die Fahrkarten, die man vom Kiosk erwirbt.

Für einen Einzelfahrtschein vom Automaten könnten die Temeswarer 5 Lei aus der Tasche ziehen. Damit sich Investition (bis zu 10.000 Euro pro Automat) in kürzester Zeit auszahlt.

Es sieht so aus, als ob die RATT-Leitung und auch die Temeswarer Stadträte, die das Projekt im Handumdrehen in der Stadtratssitzung genehmigten, noch nie im westeuropäischen Ausland gewesen sind. Da, wo ein zivilisiertes Verkehrsnetz mit gut funktionierenden Verbindungen schon längst gang und gäbe ist.

Da, wo man die Fahrkarten vom Kiosk, vom Automaten oder vom Busfahrer selbst erwerben kann. Da, wo man für dieselbe Dienstleistung denselben Preis zahlt, egal, an welchen Tag und um welche Uhrzeit man diese in Anspruch nimmt. Da, wo man aus Prinzip Fahrkarten kauft und nicht schwarz fährt. Die neueste Initiative des RATT kann nicht anders verstanden werden, als: Wir, die Fahrgäste, werden dafür bestraft, dass wir an arbeitsfreien Tagen nirgendwo mehr eine Fahrkarte finden können. Oder vergessen haben, vorzusorgen.

Einfach gesagt: Wer nicht zu Fuß gehen will, soll zahlen.

Bei den bereits hohen Preisen, die RATT für Fahrten durch Temeswar fordert, wird es künftig kein Wunder sein, dass immer mehr Leute entweder schwarz fahren oder einfach auf die Dienste des Nahverkehrsbetriebs verzichten werden. Jetzt schon verkehren viel zu viele Autos durch Temeswar, während die Stadt bemüht ist, durch „autofreie Tage“ die Fortbewegung mit Nahverkehrsmitteln oder Fahrrädern zu fördern. Wenn RATT den Kunden weiterhin mit solch „verlockenden“ Angeboten entgegenkommt, sollen sich die Herrschaften nicht wundern, wenn niemand mehr auf „Öffentlich“ umsteigen möchte.
 

Ich persönlich bin noch nie schwarz gefahren. Wenn ich an Sonnabend keine Fahrkarte in der Tasche hatte, spazierte ich lieber nach Hause, als eine öffentliche Blamierung und dazu eine Geldstrafe zu riskieren. Auch nach der Einführung der neuen Ticket-Automate wird sich für mich in dieser Hinsicht nichts ändern. Ich bin fest entschlossen, kein einziges Mal an den Automaten zu appellieren. Einen Vorteil gibt es dabei auch: Zu Fuß gehen ist nicht nur gesund, sondern auch gut für die Umwelt.

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