„Ich möchte die begonnenen EU-Projekte zu Ende führen“

Gespräch mit Dănuţ Groza, Bürgermeister von Großsanktnikolaus

Mittwoch, 18. April 2012

Dănuţ Groza, Bürgermeister von Großsanktnikolaus: „Nur wer nicht arbeiten will, findet in Großsanktnikolaus keine Arbeit.“
Foto: Zoltán Pázmány

Mit einer bequemen Mehrheit im Stadtrat konnte Dănuţ Groza (PDL) vieles, was er vor vier Jahren den Bürgern von Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare versprochen hatte, umsetzen. „Wir verantworten für alles, was wir nicht getan haben“, sagt der Bürgermeister der Temescher Kleinstadt locker, denn er weiß, dass er gute Chancen auf eine Wiederwahl hat. Über vollzogene und begonnene Projekte sprach die ADZ-Redakteurin Raluca Nelepcu mit dem Stadtvater.

In den ersten Monaten des Jahres gingen in Großsanktnikolaus zwei Veranstaltungen der Minderheiten aus Ihrer Stadt über die Bühne: das Faschingsfest der bulgarischen Gemeinde und die banatschwäbische Worschtkoschtprob. Warum halten Sie es für wichtig, solche Minderheiten-Events zu unterstützen?

Seitdem ich Bürgermeister bin, habe ich stets versucht, die Minderheiten aus unserer Stadt zu unterstützen, weil wir uns mit ihnen rühmen. Minderheiten haben eine Hunderte Jahre alte Tradition in Großsanktnikolaus und sie haben immer friedlich mit der rumänischen Mehrheitsbevölkerung zusammengelebt. Ich finde, dass jedes Stadtoberhaupt solche Veranstaltungen unterstützen sollte, denn sonst könnten diese Sitten und Bräuche verloren gehen, was einen großen Verlust für die Stadt darstellen würde.

Welche sind die wichtigsten Stadtereignisse, die jedes Jahr in Großsanktnikolaus organisiert werden?

Als ich 2008 an die Spitze der Stadt kam, gab es nur das Stadtfest, doch heute können wir mehrere Veranstaltungen erwähnen. Anlässlich des Osterfestes kommt der Osterhase für alle Kinder bis zur vierten Klasse in die städtische Sporthalle. Ebenfalls zu Ostern findet ein Treffen der Rentner statt. In Großsanktnikolaus gibt es einen Rentnerverein, der mehr als 1400 Mitglieder zählt. Am letzten Samstag im Mai ist der Rentnerball anberaumt. Großsanktnikolaus feiert im Mai auch den Europatag. Wir begehen ein paar Wochen später auch das Sommerfestival, das zum ersten Mal 2011 stattgefunden hat. Am 1. Juni ist auch in Großsanktnikolaus Kindertag. Das Stadtfest dauert drei Tage bei uns. Im vergangenen Jahr waren nahezu 6000 Bürger anwesend, sodass der Sommergarten fast zu eng für die Veranstaltung wurde. Am 1. Dezember begehen wir feierlich den rumänischen Nationalfeiertag. Vor Weihnachten zünden wir vor dem Bürgermeisteramt die Weihnachtslichter an. Die große Silvesterfeier mit Feuerwerk ist ebenfalls zu einer Tradition von Großsanktnikolaus geworden. Darüber hinaus gibt es noch kleinere Aktionen. Wir gehen am 1. und 8. März von Haus zu Haus und schenken den Damen Märzchen und Blumen. Wir begehen den Geburtstag von Béla Bartók, usw. 

Wie sieht die demografische Entwicklung in Großsanktnikolaus nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung aus?

Die Bevölkerungszahl ist gar nicht so viel geschrumpft im Vergleich zu anderen Städten in Rumänien, wir haben immer noch ungefähr 13.000 Einwohner.

Mitten in der Krise hatten Sie stets behauptet, die Arbeitslosigkeit in Großsanktnikolaus liege bei 0 Prozent. Wie hat sich die Stadt in den letzten Jahren entwickelt?

Die Lage hat sich nicht geändert. Bis Dezember 2011 waren all unsere Hotels und Pensionen ausgebucht, denn wir haben Arbeiter von weit weg hergebracht. Hierher kommen Pendler aus 60-70 Kilometern Entfernung und trotzdem war nicht genügend Arbeitskraft da. Vor zwei Jahren waren wir zusammen mit den Geschäftsführern der beiden größten Unternehmen aus Großsanktnikolaus in Serbien, um Arbeitskräfte von da herüberzuholen. Alles lief perfekt, aber wir konnten den Grenzübergang bei Valcani nicht öffnen. Ich bleibe bei meiner Aussage: Nur der, der nicht arbeiten will, findet in Großsanktnikolaus keine Arbeit. Trotzdem haben wir nicht aufgehört, neue Investoren anzulocken. Wir waren in Italien und Österreich auf der Suche nach Unternehmern, die in Großsanktnikolaus investieren sollten. Einen haben wir hergeholt, es geht um die österreichische Speditionsfirma Transdanubia, die heute fast 100 Lkw besitzt. Wir überlegen, einen Industriepark hier zu eröffnen. Wir wollen weiterhin Investoren heranziehen, weil diese durch Steuern zu unserem Stadthaushalt beitragen, aber auch die Konkurrenz ist sehr vorteilhaft, weil dadurch Löhne und Arbeitsbedingungen besser werden.

Welche Vorteile bieten Sie potenziellen Investoren?

Die österreichische Firma Transdanubia hatte als alternative Standorte Temeswar/Timişoara und Arad, aber wir haben so lange mit ihnen diskutiert, bis sie sich für Großsanktnikolaus entschieden haben. Wir hatten eine Beton-Plattform, auf der der Sitz der Firma errichtet werden konnte. Wir haben sie versichert, dass wir sie weiterhin unterstützen werden. Es war ein Vorteil, dass ich mich mit den Österreichern ohne Dolmetscher, auf Deutsch, unterhalten konnte. Die Grundstückspreise sind niedriger bei uns als anderswo. Der Standort Großsanktnikolaus ist auch wegen seiner Grenznähe sehr vorteilhaft.

Welche Probleme von Großsanktnikolaus konnten Sie in Ihrem ersten Mandat als Bürgermeister nicht lösen?

Es sind noch viele Probleme, die gelöst werden müssen. In einem kommenden Mandat möchte ich die begonnenen EU-Projekte zu Ende führen. Wir haben Projekte über insgesamt 40 Millionen Euro, wofür europäische Mittel locker gemacht wurden. Wir haben ein Projekt für Straßen und Gehsteige initiiert: Insgesamt 52 Kilometer Gehsteige sollen gebaut und mehr als 10 Kilometer Asphalt gegossen werden. Wir haben ein Projekt von über 20 Millionen Euro für den Ausbau und die Erneuerung des Siedlungswassernetzwerks sowie für den Bau einer Kläranlage. Die Ausschreibung für den Bau der Kläranlage – ein Projekt über 7,2 Millionen Euro – ist vollendet. Wir bauen das Kanalnetz aus, ersetzen die alten Rohre und bauen das alte Wasserwerk ab.

Wir haben zwei Projekte, die sich auf das Krankenhaus beziehen: 500.000 Euro für den Bau von Solaranlagen zur Warmwasseraufbereitung und eine Million Euro für die Sanierung des Gebäudes und die Ausstattung der Räume mit modernster medizinischer Apparatur. Wir haben einen Lokalsender aus EU-Fonds eingerichtet, das war ein grenzüberschreitendes Projekt mit dem Fernsehen aus dem ungarischen Makó. Wir haben ein Projekt für Fahrradwege initiiert, denn wir wollen die umweltfreundliche Fortbewegung in der Stadt fördern, zumal das Fahrradfahren zu den Traditionen der Stadt gehört. Wir haben ein Projekt zur Sanierung des großen Parks.

Und die Liste kann weitergehen. Ich hoffe, dass wir durch diese Projekte das Image von Großsanktnikolaus komplett verändern können. Wir arbeiten zurzeit an der Schließung der alten Heizzentralen der Stadt. Wir wollen aber den Bürgern entgegenkommen, sodass alle, die eine neue Heizzentrale haben wollen, diese für eine Zeitspanne von fünf Jahren vom Bürgermeisteramt mieten können. Die Bürger mit sehr geringem Einkommen bekommen Fördergelder von 1500 bzw. 2500 Lei.

Die Bürger von Großsanktnikolaus fuhren oft nach Ungarn, um da einzukaufen, weil es billiger war. Wie sieht die Lage jetzt aus, angesichts der erhöhten Mehrwertsteuer in Ungarn?

Soviel ich gehört habe, ist das nicht mehr so. Ich kann nur hoffen, dass die Ungarn zum Einkaufen zu uns kommen. Ich habe jedoch ein anderes persönliches Leid, denn viele Rumänen fahren weiterhin zum Baden nach Ungarn. Ich würde mir wünschen, ein Spa-Zentrum in Großsanktnikolaus bauen zu lassen. Ich glaube nicht, dass wir so arm sind, um uns so etwas nicht leisten zu können. Ich habe eine Machbarkeitsstudie dazu erstellen lassen, ich hatte Gespräche mit der ehemaligen Ministerin Elena Udrea geführt und Finanzierungsversprechen diesbezüglich bekommen, aber nach dem jüngsten Regierungswechsel weiß ich nicht mehr, inwiefern diese noch gelten... Ich habe aber die Idee eines Thermalbads nicht aufgegeben. Ich habe sogar einen Investor in Österreich gefunden. Es wäre für die ganze Gegend eine wunderbare Sache.

Unsere Leute verdienen es auch, hierzulande eine Behandlung mit geothermalem Wasser in Anspruch nehmen zu können, denn das gibt es auch in unserem Untergrund. Es gibt in Großsanktnikolaus sieben Thermalwassersonden – bei einer kommt das Wasser mit einer Temperatur von 90 Grad Celsius aus dem Boden heraus. Wir hätten alle Bedingungen für ein Spa-Zentrum, das einzige Problem bleibt weiterhin die Finanzierung eines solchen Projekts. Die Stadt kann keinen Kredit aufnehmen und sich langfristig verschulden. Ein Spa-Zentrum ist leider noch keine Priorität für Großsanktnikolaus, solange nicht alle Straßen asphaltiert sind.

Kommentare zu diesem Artikel

Helmut, 18.04 2012, 16:02
Vielleicht ist der Herr Stadtrat wirklich von seinen Erfolgen so übezeugt.Grosse Teile der Bevölkerung sind da aber anderer Meinung.Ein bisschen mehr Bescheidenheit würde dem Herrn Stadtrat sicher gut tun.

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