Illegal: Haushaltsgelder für den Fußball

Ex-Kreisratspräsident Ostaficiuc muss vor die Antikorruptionsbehörde

Freitag, 21. August 2015

Constantin Ostaficiuc (links im Bild) nutzte sein hohes Amt, um den Fußball zu unterstützen. Nun sind seine Immobilien unter Beschlag und seine Konten gepfändet.
Archivfoto: Zoltán Pazmány

Im Glanz der Vizemeisterschaft und internationaler Auftritte sonnte sich der Fußballverein Poli Temeswar einige Jahre lang und mit ihm rückten auch die unterstützenden Kommunalbehörden ins Rampenlicht. Doch diese Fassade bröckelt zusehends, denn die Antikorruptionsbehörde DNA deckt nun Missstände und Betrug bei der Finanzierung des Vereins aus Haushaltsgeldern auf. Noch mehr: Der Rechnungshof findet die gesamte Finanzierung von wirtschaftlich aufgestellten Sportvereinen aus Haushaltsgeldern illegal. Die breite Bevölkerung hat es mit gemischten Gefühlen gesehen, wenn Kommunen massiv Geld in den Fußball steckten. Die Stadtentwicklung sei vernachlässigt worden, weil viel Geld nicht in Investitionen sondern in die Unterstützung von Fußballmannschaften geflossen ist. Fußballmannschaften, deren Spielen nicht einmal ein Zehntel der Bewohner einer Großstadt beiwohnen, würden hohe Summen verschlingen, hieß es nicht selten aus dem Munde der Bürger. Als Aushängeschild galt der Sport auf jeden Fall – der Fußball umso mehr. In Temeswar ermittelt die Antikorruptionsbehörde DNA in Sachen Finanzierung des Fußballvereins Poli Temeswar. Vor allem der Kreisrat ist im Visier der Ermittler, da dort Führungsspitzen und Funktionäre in illegale Machenschaften verwickelt scheinen.

Nachdem der ehemalige Geschäftsführer von Poli Temeswar, Gheorghe Chivorchian, vor Gericht zitiert wurde, stehen nun der ehemalige Kreisratsvorsitzende Constantin Ostaficiuc, der Ex-Sekretär des Kreisrates, Petru Nădăştean, sowie weitere Beamte auf der Liste der Personen, die zur Rechenschaft gezogen werden. Nahezu zehn Millionen Lei flossen in der Zeitspanne 2008 – 2011 scheinbar gesetzwidrig und mit gefälschten Papieren zugunsten des Temeswarer Spitzenvereins. Als Privatunternehmer hatte der ehemalige Fußballboss Marian Iancu den Verein Poli Temeswar zwar sportlich nach vorne gebracht, doch hinter diesem Glamour der Vizemeisterschaft und internationaler Auftritte standen Betrug und Unregelmäßigkeiten. Von Veruntreuung von Haushaltsgeldern in Höhe von 9.950.000 Lei spricht die Antikorruptionsbehörde DNA bei ihren Ermittlungen gegen den ehemaligen Kreisratsvorsitzenden Constantin Ostaficiuc, den damaligen Kreisratssekretär Petrică Nădăştean, aber auch gegen die Angestellten der Behörde, Răzvan Hrenoschi, Mircea Marian Mihuţ, Liviu Ioan Roşca, Daniela-Octavia Pepa und Dan Sabin Cionvică. Ostaficiuc und Nădăştean haben ihre damaligen Ämter genutzt, um durchzusetzen, dass der Verein Poli Temeswar trotz seines Status als wirtschaftlich geführtes Unternehmen Zuschüsse erhält, die eigentlich nur Einrichtungen bekommen sollten, die keinen wirtschaftlichen Zweck verfolgen, schreibt Mediafax aufgrund der Anklageschrift.

Auch über diese Gesetzwidrigkeit hinaus haben scheinbar Kreisrat und Fußballverein ihre dunklen Machenschaften betrieben. So ist angeblich in der Zeit, als die Firma des inzwischen wegen anderer Wirtschaftsdelikte verurteilten Unternehmers Marian Iancu den Temeswarer Verein kontrollierte, Geld aus dem Haushalt des Temescher Kreisrats dazu verwendet worden, Schulden des Vereins zu bezahlen – zum Teil an den geldgebenden Kreisrat. Dabei sollten die Summen zur Verfügung stehen, um Spielergehälter und Prämien zu begleichen, um so die sportliche Leistung im Verein zu fördern. Aus der Ermittlungsakte geht hervor, dass Beamte des Temescher Kreisrats wissentlich die gesetzwidrige Tätigkeit in dieser Hinsicht unterstützt haben. Der Firma von Marian Iancu, SC Politehnica 1921 Ştiinţa Timişoara & Invest SA, seien damals in mehreren Tranchen Summen zugewiesen worden, obwohl das Unternehmen Schulden an den Staatshaushalt, aber auch an den Geldgeber, also an den Temescher Kreisrat hatte. Um die gesetzwidrige Tätigkeit der Kreisratsbeamten zu unterstützen, habe Chivorchian falsche Papiere hinterlegt, aus denen hervorging, dass das Geld zu Gehaltszwecken an die Spieler aufgewendet worden sei, heißt es weiter in der Anklageschrift. Außer dem mittlerweile entlassenen Generalsekretär des Rumänischen Fußballverbandes, Gheorghe Chivorchian, waren auch die Poli-Angestellten Ioan Negrei und Liviu Ioan Roşca an den betrügerischen Tätigkeiten beteiligt.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 26.08 2015, 00:50
Immer mehr assoziiere ich bezahlten Fussball mit Korruption und organisierter Kriminalität in Verbindung, ob in Deutschland, Spanien , England, Italien oder auch in Rumänien.
ger, 21.08 2015, 10:05
Somit bleiben nur noch Klausenburg und Neumarkt am Mieresch in der 1. Liga !
Wenn es nicht auch dort noch irgendwas gibt....z. B. unbezahlte Spieler, usw.
Am Ende sehe ich nur noch die Walachei und die Moldau ín der 1. Liga....Möchte nicht Recht haben, aber es wird noch so weit kommen...

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