Im perfekten Schuh durchs Leben gehen

Robert Ilie: Maßschuhmacher aus Liebe zu Schuhen

Freitag, 19. Mai 2017

Robert Ilie ist ein Schuster, der gern bei seinen Leisten bleibt.

Unter der eigenen Marke „Robert Elia Shoes“ stellt der Lugoscher vor allem elegante Männerschuhe her.

Für Cavallo hat der rumänische Schuhmacher rund 20 Reitstiefel entworfen.

Alles beginnt mit einer Idee und einer Skizze.

Foto: privat

Berufsschulen zu besuchen - das war gestern in Rumänien. Junge Leute und vor allem deren Eltern wünschen sich, dass ihre Sprösslinge zunächst ein Lyzeum besuchen und anschließend ein Studium an der Universität absolvieren. Berufe zu erlernen, das ist was für dumme Leute, so denken immer noch viele. Diese falsche Mentalität führte dazu, dass in den letzten 20 Jahren zahlreiche rumänische Berufsschulen geschlossen wurden. Für Robert Ilie aber war der Besuch einer Berufsschule die beste Idee, die er jemals gehabt hat, sagt er. Der 30-Jährige wurde in Lugosch/Lugoj geboren, lebt heute in Temeswar/Timişoara und stellt elegante Schuhe her - als Beruf, aber auch aus Leidenschaft.

Robert wusste schon immer genau, was er in seinem Leben machen oder nicht machen will. Mit knapp 15 Jahren traf er eine der besten Entscheidungen, die er bis heute zu schätzen weiß. Eine nicht erwünschte Lyzeumsabteilung in der 9. Klasse zu besuchen, das konnte und wollte er nicht akzeptieren. So dachte er sich: Ich lerne besser einen Beruf, statt etwas zu studieren, was mir nicht am Herzen liegt. Der Lugoscher beschloss, sich in eine Berufsschule einzuschreiben und überzeugte seine Eltern und Freunde, dass er damit die beste Entscheidung getroffen habe. In der Abteilung für Leichtindustrie der Valeriu Branişte-Schule lernte er die Kunst des Schusters und blieb davon begeistert. Heute ist Robert Ilie Designer für die deutsche Firma für Reitstiefelfertigung Cavallo in Bad Oeynhausen und arbeitet gleichzeitig auch an seiner eigenen Schuh-Marke. Unter dem Label Robert Elia Shoes fertigt er elegante Herrenschuhe an.

Seine Leidenschaft für das Schustern entdeckte der junge Mann jedoch nicht am ersten Tag in der Berufsschule. Die Praktikumszeit in der Schuhleistenfabrik in Lugosch war eher entmutigend. Die Menschen dort schienen von diesem Beruf gelangweilt zu sein und arbeiteten, als wären sie Roboter, erzählt Robert Ilie. Erst im dritten Berufsschuljahr konnte der damals Jugendliche in einer privaten, viel kleineren Werkstatt ein Praktikum absolvieren. Die Atmosphäre im Atelier von Costel Jitareanu war sehr intim. Nur fünf, sechs Leute arbeiteten dort und machten alles, was zum Schustern dazugehört: vom Leisten-Modellieren bis zum Schuhdesign, Kleben, Nähen, alles war dabei, sagt Robert. Das begeisterte ihn sehr und er begann, immer mehr zum Thema Maßschustern zu lesen - und sogar eigene Modelle zu entwerfen. Das Beste war aber, dass er selbst alle Etappen des Schuhmachens beschnuppern konnte und dabei mehr als nur eine Begabung entdecken konnte: eine Leidenschaft.

Nach der Berufsschule kehrte Robert Ilie für ein Abendstudium ans Lyzeum zurück und besuchte die Abteilung, für die er sich von Anfang an interessiert hatte: Biologie-Chemie. Nach dem Abschluss schrieb er sich auch an der West-Universität Temeswar ein, an der Abteilung für Marketing innerhalb der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Weil er jedoch nur einen gebührenpflichtigen Platz erhielt, musste er eine Variante finden, um gleichzeitig Geld zu verdienen. Geld verdienen mit dem, was ich auch gern mache? Alles klar! dachte er sich. „Mit dem wenigen, bisher Ersparten kaufte ich mir Materialien und entwarf ein Modell von Schnürstiefeln, welches ich dann in der kleinen Werkstatt in Lugosch anfertigen konnte und an viele meiner Freunde und Bekannte verkaufte“, erzählt Robert sehr begeistert. Die Stiefel hatten einen so großen Erfolg, dass er in vier Monaten rund 50 Paar herstellte und veräußerte. „Mit meiner ersten wahren Maßschuhbestellung konnte ich mit Leichtigkeit meine erste Gebührenrate an der Uni begleichen“, fährt Schuster Robert Ilie fort. Nach dem Studium kehrte er nach Lugosch zurück, arbeitete unter anderem als Redakteur in einer lokalen Zeitungsredaktion und kaufte sich immer mehr Werkzeuge, Ausrüstung und Zubehör. „Die meisten Maschinen und Werkzeuge habe ich vor Kurzem gekauft. Diese gehörten einem verstorbenen ehemaligen Schuhmacher in Lugosch“, sagt Robert.

Von einer eigenen Werkstatt für Maßschuhmacherei, wo er in Vollzeit Schuhe herstellt, träumt der junge Mann schon seit Jahren. Das wird noch kommen, sagt er entschlossen. Doch bis dahin ist er Schuhdesigner für die deutsche Fabrik für Reitstiefelfertigung, Cavallo. Diese wurde 1978 in Bad Oeynhausen gegründet. Heute ist Cavallo Marktführer und gehört zu den profiliertesten Marken im internationalen Reitsport. Die deutsche Fabrik hat auch in Temeswar eine Niederlassung. Seit fast fünf Jahren entwirft Robert Ilie Reitstiefel für Cavallo und hat für die Farbik sogar ein Maßsystem entwickelt. Rund 20 Modelle, für die er das Design entworfen hat, sind in der Zwischenzeit in Produktion gegangen, darunter Stiefel wie Linus, Primus, Polo, Varius und Saltaris. Es gibt aber auch viele Modelle, die nicht produziert werden: „Das ist für uns Designer sehr enttäuschend, weil unsere Arbeit das Tageslicht nicht erleben kann. Nachdem man der Firma einen Entwurf vorstellt, verliert man als Designer das Recht auf das Modell“, erklärt Schuhdesigner Ilie.

Privat stellt der junge Mann unter der Marke Robert Elia Shoes auf Bestellung Maßschuhe her. Auch für ein belgisches Unternehmen schustert er. Diese Partnerschaften lassen immer wieder seine Kreativität ans Licht kommen. „Ein Beruf ist mehr als nur ein Job. Ein Beruf ist ein Hobby, eine Art und Weise, dich auszudrücken, ein Lebensstil. Ich kann mir in meinem Leben nichts anderes zu tun vorstellen, als das“, sagt der 30-Jährige stolz.

Schuhmacherei kann mit einer Kunst verglichen werden, wobei der Schuster ein Bildhauer oder ein Architekt des Fußes ist. Der Fußabdruck ist wichtig. Dann wird der Fuß durchgemessen und sämtliche Unebenheiten oder Druckstellen in Betracht gezogen. Ein Fuß ist nicht wie der andere, so ist es sehr wichtig, dass die Schuhe dementsprechend auch angefertigt werden, dass sie eins zu eins zum Fuß passen, sagt Robert Ilie. Das bedeutet eigentlich Maßschuhmacherei, nicht nur Materialien hoher Qualität zu verwenden und dem Produkt ein gutes Aussehen zu verleihen, sondern auch sicherzustellen, dass die Schuhe hundertprozentig passen, fährt er fort.

Was dem jungen Schuhmacher am meisten Leid tut, ist, dass er in Rumänien keine jungen Menschen in diesem Beruf sieht. „Ich würde gerne irgendwann auch als Meister meinen Beruf weitergeben. Leider findet man heutzutage immer seltener Schuhmacherwerkstätten, da die Menschen eher billige Schuhe von geringer Qualität kaufen. Viele Schuhmacher bieten höchstens noch Reparatur an“, sagt der junge Schuster enttäuscht.

Bis er eine Werkstatt mit Laden eröffnet, können Robert Ilies Schuhe im Internet auf der Facebookseite Robert Elia Bootmaker bewundert und bestellt werden. Ein Paar handgefertigte Lederschuhe kostet zwischen 350 und 500 Euro.

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