Immer Ende und Neuanfang im Banat

Zu Banater Kalender 2018, Hrsg. Aneta und Walther Konschitzky, Banat Verlag Erding 2017

Mittwoch, 17. Januar 2018

Wie die Geschichte so spielt mit dem kleinen Landstrich Banat und dem Völkchen der Banater Schwaben: Um dieses grundlegende Thema der wechselvollen Geschichte und Existenz in den letzten 300 Jahren der Bewohner zwischen Marosch und Donau, einer Abfolge von Zusammenbruch und Neubeginn, der zyklischen Zeitenwenden im Banat, ranken sich sämtliche Beiträge des Banater Kalenders 2018, dieses von Aneta und Walther Konschitzky herausgegebenen elften Jahrbuchs. Umbruch und Neubeginn standen für die Banater Schwaben nach einer oder zwei Generationen unweigerlich auf der Tagesordnung. Die Welt war danach im Banat, wie auch anderswo in Europa, nie mehr wie zuvor, doch die Banater Schwaben schafften es stets, mit den Folgen der von den Großen der Zeit angezettelten Kriegen zurechtzukommen. Das Thema der Türkenkriege, den Friedensschluss von Passarowitz, wodurch das Banat unter die Habsburger Monarchie kam,  berührt Josef Wolf mit seiner Beschreibung der ersten topographischen Übersichtskarte des Temeswarer Banats (stammt von einem unbekannten Ingenieursoffizier im Umfeld des Generals Mercy). Kurz wird u.a. auch an das Standardwerk der Banater Geschichtsschreibung und dessen Autor Francesco Griselini gedacht. Weit über die Gedenkanlässe und Jubiläen des Jahres hier und dort im Banat hinaus: Wie außergewöhnlich die Gründerjahre der meisten Banater Ortschaften waren, wird am Beispiel 250 Jahre Grabatz, der 250jährigen Geschichte von Großjetscha und Lenauheim oder der Gründung von Königsgnad/Tirol im BanaterBergland durch den Tiroler Freiheitskämpfer Josef Speckbacher, an der Geschichte von Franzdorf belegt. Einem weiteren wichtigen Umbruch in der Geschichte des historischen Banats, dem I. Weltkrieg und seinem Ende 1918, mit dem Ende des österreichischen Banats und seiner Dreiteilung 1920 sind Beiträge von Walther Konschitzky (Zwei Banater Piloten im Ersten Weltkrieg, Michael Meiszner und Georg Endresz) und Rainer Kierer gewidmet. Der Literaturhistoriker Dr. Walter Engel lässt ein bemerkenswertes Kapitel der Banater deutschen Kultur  mit seinem Beitrag über das Frühwerk des Temeswarer Schriftstellers Franz Xaver Kappus aufscheinen. Ein weiteres Kapitel bewegt sich um den letzten Zusammenbruch 1944  und den wohl gravierendsten Umbruch im Leben der Banater Schwaben:  Georg Schmidt macht uns mit einem seltenen Zeitdokument, einer Kirchenchronik, den Aufzeichnungen des Pastors Wilhelm Preiss aus Semlak über die dramatischen und tragischen Ereignisse im Leben der Banater Deutschen nach 1945, bekannt. Zum zaghaften Neubeginn des deutschen Unterrichts und der Kultur gehörte auch die von Hans Fink erläuterte Schulreform des Jahres 1948. In mehreren Beiträgen werden verschiedene Aspekte dieser Zeitenwende aus verschiedenen Blickwinkeln angegangen: Flucht vor der Sowjetarmee 1944, Deportationen, Enteignung und Entrechtung. Mit dieser Zeit des Bruchs und des grundlegenden Wandels setzen sich mehrere Autoren auseinander: So zu lesen das Porträt eines Zeugen der Greueln dieser Zeit des aus Werschetz stammenden österreichischen Malers und Grafikers Robert Hammerstiel. Der Banater Autor Franz Heinz berichtet auf eindringliche Art über seine Ausreise von Bukarest nach Frankfurt.

Gut bestückt ist wie stets das Kapitel Heimatkundliches: U.a. höchst lesenswert der akribisch dokumentierte Beitrag von Dr. Volker Wollmann über die Freiwillige Feuerwehr im Banat, einen wichtigen Lebensfaktor der banatschwäbischen Gemeinschaften. Im letzten Kapitel dieses Buches (312 Seiten , mit 240 Fotos und Illustrationen) sind „Witzstickle vum Tudljud“ , dem Dorforiginal aus Triebswetter, Mundarttexte von Walter Wilhelm, Rainer Kierer, Michael Stöckl und Josef Titsch zu lesen.

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