Immobilien-Mafia im Besitz des Kinderkrankenhauses

Spendenkampagne für neues Gebäude verlief ohne Erfolg

Donnerstag, 31. Mai 2012

„Alles für die Kinder“ nur nicht in Temeswar: Das „Louis Ţurcanuu“ - Kinderkrankenhaus steht vor der Zwangsräumung. Foto: Zoltán Pázmány

Das Problem ist 15 Millionen Euro schwer. Seit zwei Monaten läuft die Spendenkampagne für das Kinderkrankenhaus „Louis Ţurcanu“. Dr. Ovidiu Adam nannte sie im Februar „gewagt und äußerst frech“. Von ihrem Erfolg soll die Zukunft des zweitgrößten Kinderkrankenhauses des Landes abhängen. Momentan schaut diese düster aus. Nicht einmal ein Prozent der erforderlichen Summe wurde gesammelt. Dabei soll mit dem Geld ein neues Gebäude für das Krankenhaus errichtet werden. Denn ein Teil der jetzigen gehören dem Krankenhaus seit 1995 nicht mehr.

Der Rumäniendeutschen Henrietta Reiber wurde ihr lediglich das zurückerstattet, was man ihr vor der Wende widerrechtlich nahm. Als Vermieterin lag sie mit der Leitung des Krankenhauses Jahre lang im Streit. Rund 75.000 Lei musste das Kinderkrankenhaus monatlich zahlen. Für Adam handelte es sich Unsummen. „Für Gewerbeflächen beansprucht man in der Regel diese hohen Summen“, meint der Krankenhausleiter.

Am Ende wollte Reiber das Problem nur noch aus der Welt geschafft und ihr Grundstück verkauft sehen. Die Stadt hätte dafür aber kein Geld gehabt. So schilderte es zumindest Ovidiu Adam im Monat Februar. Inzwischen hat die Rumäniendeutsche einen Käufer gefunden. Für diesen wurde es sogar noch ein Schnäppchen: 130.000 Euro zahlte Ionelaş Cârpaci für das geschichtsträchtige Gebäude, dessen Wert Immobilienexperten auf rund eine Million Euro schätzten. Nun steht Adam und sein Team vor größeren Problemen als bevor. Anders als Reiber lässt Cârpaci schwer mit sich verhandeln. Laut Aussagen der Betroffenen möchte der neue Besitzer so schnell wie möglich einziehen. Was mit dem Krankenhaus passiert, wäre ihm gleichgültig. Es wird vermutet, dass der reichste Roma Rumäniens, sein Geld durch krumme Geschäfte erschwindelt hat. Seit mehreren Jahren sorgen er und seine Familie für negative Schlagzeilen.

Die ein Großteil der Innenstadt gehört ihnen bereits. Der Familie Cârpaci besitzt noch die onkologische Klinik aus Temeswar und den ehemaligen Sitz der Direktion für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Für letzteres setzte Cârpaci eine Monatsmiete von 10.000 Euro fest. Die Direktion musste wegen Zahlungsunfähigkeit umziehen.  

Einen Umzug möchte der Leiter des Kinderkrankenhauses nicht in Erwägung ziehen. Er sieht als einzige Möglichkeit die Errichtung eines neuen Gebäudes, wo alle Stationen unter einem Dach sein können. Hilfe von der Stadt kann er nicht erwarten. Die gängige Antwort seitens der lokalen Verwaltung: Es gebe kein Geld. Schon gar nicht für das ambitionierte Projekt des Chirurgen, der seit 20 Jahren am „Louis }urcanu“ arbeitet. Für den Immobilienstreit machen viele Bürger die Stadt selbst verantwortlich. Durch Dokumentenfälschung hätte der sogenannte „Clan der Cârpaci“ die Grundstücke aufgekauft.

Aufgrund fehlender Ermittlungen, gibt es keine konkrete Beweislage, worauf sich die Anschuldigungen zahlreicher Bürger stützen könnten. Man vermutet aber, dass Beamte bestochen wurden und mit den Cârpaci zusammenarbeiten. Gegen die Methoden der Immobilien-Mafia sind Dr. Adam und sein Team machtlos.

Sie versuchen weiterhin für ihre Spendenkampagne zu werben und die erforderlichen Gelder zusammenzukriegen. Unterstützt werden sie von diversen Vereinen und Hilfsorganisationen der Stadt. Zum Kindertag am ersten Juni veranstaltet der Verein für das Kinderkrankenhaus „Louis Ţurcanuu“ auf dem Opernplatz einen Flashmob. Mitorganisatoren ist der Verein „Şcoala Mamei Junior“, „Zumba Suada“ und die Medizinhochschule Temeswar. 

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