Impfung mindert Krebsrisiko um 90 Prozent

Rumänisches Landesprogramm umfasst derzeit keine Anti-HPV-Spritze

Freitag, 16. Februar 2018

Symbolfoto: pixabay.com

Der deutsche Wissenschaftler Harald zur Hausen wurde 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet, weil er nach jahrelanger Forschung erkannte, dass Gebärmutterhalskrebs durch Virusinfektionen ausgelöst wird. Zur Hausen vermutete bereits vor mehr als dreißig Jahren einen Zusammenhang zwischen Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs. Der ehemalige langjährige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bekam die Auszeichnung für seinen Nachweis, dass HPV Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seine Forschung hat es ermöglicht, einen Impfstoff gegen die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zu entwickeln.

Nun ist es zehn Jahre her, seitdem eine solche Impfung weltweit verfügbar ist und durch zahlreiche Impfkampagnen in den jeweiligen Ländern umgesetzt wird. Daten der Weltgesundheitsorganisation zeigen, dass fast eine halbe Million Gebärmutterhalskrebsfälle damit in der Zwischenzeit verhindert wurden. Eine Impfung gegen die Humanen Papillomviren kann das Risiko einer HPV-Infektion bis zu 90 Prozent mindern, zeigen im Weiteren die Daten. In Rumänien ist eine Anti-HPV-Impfung nicht Teil eines nationalen Impfprogramms.

Zwischen dem 22. und 28. Januar wird seit Jahren die Europäische Woche zur Prävention für Gebärmutterhalskrebs begangen. Informationen über die Vorbeugemethoden gegen die bislang einzige Krebserkrankung, die verhindert werden kann, werden europaweit angesprochen. Durch Impf- und Screening-Programme kann man die Todesrate als Folge dieser Erkrankung stark vermindern, sodass bereits Landesimpfprogramme mit der Anti-HPV-Spritze in fast allen 28 EU-Mitgliedsstaaten eingeführt wurden. Allein Rumänien und Estland haben diese Impfung noch nicht im Rahmen eines Landesimpfprogramms aufgenommen.

„In den fast zehn Jahren seit Beginn der Anti-HPV-Impfung weltweit konnten rund 118 Millionen junge Mädchen und Frauen eine solche Spritze erhalten. Infolgedessen konnte man fast 445.000 Gebärmutterhalskrebsfälle vorbeugen, d. h. 184.000 Todesfälle wurden verhindert“, sagt Prof. Dr. Alexandru Rafila, Vorsitzender der rumänischen Mikrobiologiegesellschaft.

Weltweit infizieren sich Schätzungen zufolge rund 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die Zahl der Neuinfektionen ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am höchsten, da sie die sexuell besonders aktiven Gruppen darstellen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Neuinfektionsrate ab. Eine Infektion mit diesem Virus kann bis zu sechs Arten von Krebs verursachen: Gebärmutterhalskrebs ist die häufigste Art. Studien zufolge kann man HPV der Risikotypen 6, 11, 16 und 18 durch eine Anti-HPV-Impfung vorbeugen. Europaweit registriert man jährlich rund 31.000 neue solche Krebsfälle. In Rumänien werden jedes Jahr über 4000 Frauen mit Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Die Häufigkeit in Rumänien bedeutet zwölf Prozent aller solchen Krebsfälle in der Europäischen Union. In Rumänien ist Gebärmutterhalskrebs die vierte Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Frauen und die erste Todesursache bei Frauen mit einem Altersdurchschnitt zwischen 15 und 44 Jahren.

Infolge dieser besorgniserregenden Daten wurde in den vergangenen Jahren in Rumänien ein Screening-Programm eingeführt, wobei sich Frauen dafür untersuchen lassen können. Allein 2017 wurden acht Prozent aller Frauen aus der Westregion im Rahmen des nationalen Screening-Programms für Gebärmutterhalskrebs positiv diagnostiziert – lautet eine Statistik. „Viele Frauen aus der Westregion sind sich der Gefahr gar nicht bewusst und haben in den vergangenen drei Jahren gar keine ärztliche Untersuchung für eine frühzeitige Erkennung durchgeführt“, sagt Dr. Carmen Ungurean, Koordinatorin des Screening-Programms auf nationaler Ebene.

Eine Untersuchung zur Früherkennung ist der Pap-Test (rumänisch: Babeş-Papanicolau-Test). Die rumänische Regierung kündigte im Herbst des vergangenen Jahres an, dass weitere Screening-Programme und Präventionskampagnen demnächst finanziert werden. Rund 47 Millionen Euro sollen für das nationale Gebärmutterhalskrebs-Screening-Programm bereitgestellt werden, wobei sich das Programm an Frauen zwischen 24 und 64 Jahren wendet. Über 800.000 Frauen sollen dabei rumänienweit von einer Untersuchung zur Früherkennung des zervikalen Krebses profitieren.

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