Impressionistische Violinmusik und spanisches Flair

Bukarester Duoabend mit Cristina Anghelescu und Daniel del Pino

Freitag, 01. November 2013

Am Mittwoch vergangener Woche war im Großen Saal des Rumänischen Rundfunks in Bukarest Violinmusik des Impressionismus zu hören. Die bekannte rumänische Geigerin und Konzertsolistin des Rumänischen Rundfunks Cristina Anghelescu und der in den großen Konzertsälen der Welt heimische spanische Pianist Daniel del Pino boten mit Unterstützung des Cervantes-Instituts in Bukarest ein abwechslungsreiches Programm mit spanischem Flair im nicht ausverkauften Mihail-Jora-Saal der rumänischen Hauptstadt.

Der erste Teil des Abends war zwei dreisätzigen Sonaten für Violine und Klavier gewidmet: Cristina Anghelescu und Daniel del Pino interpretierten Joaquín Turinas Sonate Nr. 1 in D-Dur (op. 51) aus dem Jahre 1926 sowie George Enescus Sonate Nr. 2 in f-Moll (op. 6) aus dem Jahre 1899. Im zweiten Teil des Abends präsentierten die beiden Virtuosen dann Einzelstücke bzw. einsätzige Werke von deutschen, russischen, österreichischen, spanischen und französischen Komponisten.

Der spanische Pianist und Komponist Joaquín Turina, der 1882 in Sevilla geboren wurde und 1949 in Madrid starb, lernte während seines Klavierstudiums am Madrider Konservatorium Manuel de Falla kennen, der von demselben Musikprofessor wie Turina Pianounterricht erhielt. Wie de Falla, so setzte auch Turina sein Studium später in Paris fort, wo beide dann mit Isaac Albéniz, einem der Begründer des spanischen Nationalstils in der Musik, zusammentrafen. Beeinflusst wurde Joaquín Turina ferner, außer durch seinen Pariser Klavierprofessor, durch den Deutschen Moritz Moszkowski, einen bekannten Vertreter der sogenannten Salonmusik, auch durch den französischen Neoklassizisten Vincent d’Indy sowie durch die französischen Impressionisten Maurice Ravel und Claude Debussy, die ebenfalls im Paris jener Jahre wirkten.

Die erste Violinsonate mit Klavierbegleitung von Joaquín Turina lässt sowohl Einflüsse der Musik des Impressionismus als auch folkloristische Elemente spanischer Provenienz erkennen. Das dreisätzige Werk – Lento-Allegro molto, Aria-Lento und Rondo-Allegretto – besticht durch seine warmen und gefühlvollen Kantilenen in den ersten beiden Sätzen, darzubieten auf den hohen Lagen der G-Saite, sowie durch den rasanten Schlusssatz, der den beiden Duopartnern einiges an Akkuratesse und Sensibilität im Zusammenspiel abverlangt. Cristina Anghelescu und Daniel del Pino harmonierten dabei wunderbar, und der Pianist ließ die Geigerin auch in den Fortissimo-Passagen deutlich hörbar werden.

Desgleichen brillierten die beiden Virtuosen bei der Darbietung der zweiten Sonate für Violine und Klavier des erst 18-jährigen George Enescu. Die drei Sätze – Assez mouvemente, Tranquilement und Vif – stellen dabei hohe Ansprüche an Tongebung, Phrasierung und Koloristik, wie sie für alle Werke des musikalischen Impressionismus charakteristisch sind. Mit perfekter Bogentechnik ließ Cristina Anghelescu die melodischen Tonfolgen Enescus rauchig-zart verschweben oder auch energisch-klar hervortreten.

Der zweite Teil des Konzertabends wurde eröffnet mit einem Scherzo für Violine und Klavier in c-Moll von Johannes Brahms, das der junge deutsche Komponist im Jahre 1853 als dritten Satz zu einem musikalischen Gemeinschaftswerk beisteuerte, welches dem berühmten österreichisch-ungarischen Violinvirtuosen Joseph Joachim gewidmet war. Dessen Lebensmaxime „Frei, aber einsam“ wurde von den drei Komponisten Robert Schumann (Sätze II und IV), Albert Dietrich (Satz I) und Johannes Brahms (Satz III) akronymisch in die musikalische Tonfolge F-A-E übersetzt, die die gesamte Sonate leitmotivisch bestimmt und ihr letztlich auch den Namen „F.A.E.-Sonate“ gab. Das energische Scherzo im Sechsachteltakt mit dem moderaten Mittelteil, einem Trio im Zweivierteltakt, wurde von Cristina Anghelescu und Daniel del Pino mit viel Einfühlungsvermögen und romantischer Hingabe dargeboten.

Auf das Brahmssche Scherzo folgte dann die „Sérénade mélancholique“ in b-Moll für Violine und Klavier (op. 26) von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky aus dem Jahre 1875, die ursprünglich ein Werk für Violine und Orchester darstellte und vom Komponisten erst nachträglich für die kammermusikalische Besetzung umgearbeitet wurde. Das verhaltene und verinnerlichte Stück im Stil eines ‚Valse triste’, dessen Hauptthema ganz auf der G-Saite zu spielen ist, um dessen weiche und melancholische Valeurs zum Ausdruck zu bringen, wurde von Cristina Anghelescu einfühlsam und mit feinem Timbre zu Gehör gebracht, sensibel begleitet von Daniel del Pino, der den zarten Violinklängen pianistisch beständig Raum gab.

Auf Fritz Kreislers „Caprice Viennois“ (op. 2), ein kurzes Bravourstück, das in nostalgischer Manier im H-Dur-Andante die Altwiener Welt beschwört, im Presto-Mittelteil in rasanten Sechzehntelbewegungen davoneilt – Cristina Anghelescu legte dabei ein höchst fulminantes Tempo vor – und das in der Einleitung und im Schlussteil mit Flageoletti, Glissandi und Pizzicati imponiert, folgten dann im weiteren Verlauf des Konzertes zwei Werke spanischer Komponisten, die der nationalen Folklore der Iberer huldigten: die „Andalusische Romanze“ von Pablo de Sarasate und ein „Spanischer Tanz“ von Manuel de Falla.

Den Abschluss des mitreißenden Duoabends bildete dann die Aufführung von Maurice Ravels Konzertrhapsodie „Tzigane“ aus dem Jahre 1924, die mit allen Finessen virtuoser Violinkunst aufwartet und auch dem Pianisten alles abverlangt, zumal er in seiner Begleitung die Pianoklänge auch gelegentlich in die Klangwelt des Zymbals, vulgo Hackbretts, changieren lassen muss. Der Komponist schrieb das Werk deshalb auch für Violine und Luthéal, eine Zusatzausrüstung für den Konzertflügel, die heutzutage bei musikalischen Aufführungen keine Verwendung mehr findet und nur noch im Museum besichtigt werden kann.

Dem begeisterten Publikum boten Cristina Anghelescu und Daniel del Pino abschließend noch eine einzige Zugabe dar: die „Melodie“ in Es-Dur (op. 42 Nr. 3) von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky aus dem Jahre 1878, die als Verkörperung der romantischen Gattung des „Lieds ohne Worte“ gelten kann und die an den sehnsüchtig-nostalgischen Charakter der im zweiten Teil des Konzerts dargebotenen „Sérénade mélancholique“ des russischen Komponisten bewusst anknüpfte.

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