„In den letzten zwei Jahren ist das Deutschniveau der Schüler beträchtlich gewachsen“

Gespräch mit Prof. Helmuth Wagner, Leiter des Johannes-Honterus-Lyzeums in Kronstadt

Mittwoch, 21. September 2016

Foto: Hans Butmaloiu

Mit einer festlichen Eröffnung im Schulhof und zwei Gottesdiensten in der Schwarzen Kirche startete am Montag, dem 12. September, das neue Schuljahr 2016-2017 im Kronstädter Johannes-Honterus-Lyzeum. Über 1500 Schüler besuchen heute diese Schule, die auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblickt. Davon ist die Zahl derer, die aus deutschsprachigen Familien kommen, sehr gering. Für die Mehrzahl der Schüler ist Deutsch eine Sprache, die ihnen sowohl die Möglichkeit eines Studiums in Deutschland, als auch gute berufliche Perspektiven – sowohl in Rumänien als auch im Ausland – sichert. Doch nicht nur die deutsche Sprache ist der Grund, weshalb so viele Eltern sich wünschen, dass ihr Kind die Honterusschule besucht. Auch die Mentalität der jungen Leute wird während der Schulzeit von den siebenbürgisch-sächsischen Werten geprägt. Für Biologielehrer Helmuth Wagner ist 2016-2017 das letzte Jahr als Schulleiter. Über die stetig wachsende Popularität der Schule, aber auch über die Probleme, die es zu bewältigen gibt, und das anstehende Programm bis Jahresende sprach mit Helmuth Wagner die ADZ-Redakteurin Elise Wilk.


Herr Wagner, das Honterus-Lyzeum ist heutzutage die größte deutschsprachige Schule Rumäniens. Das Interesse, an dieser Schule zu lernen, wird immer größer. Wie viele Klassen gibt es in diesem Schuljahr?

In diesem Schuljahr gibt es 56 Klassen (Vorbereitungsklasse bis 12. Klasse), die in fünf Gebäuden verteilt sind: A, B und C-Gebäude auf dem Honterushof, D-Gebäude im Sportlyzeum und E-Gebäude im ehemaligen Kindergarten in der Neugasse (rumänisch: Cerbului). Der Wunsch der Eltern, dass ihr Kind deutschsprachigen Unterricht erhält, wird immer verbreiteter. Sie sind sich bewusst, dass wir hier in deutscher Sprache unterrichten und nicht Deutsch als Fremdsprache lehren. Auf einen Sprachtest (oder ein Interview) für die Einschreibung in die erste Klasse wird seit einigen Jahren infolge eines Regierungsbeschlusses verzichtet. Heute besuchen 1539 Schüler unsere Schule. Die Zahl wächst jedes Jahr. Das kann man gut bemerken, wenn man sich die Anzahl der Klassen vor zehn Jahren anschaut. Im Schuljahr 2006-2007 gab es zum Beispiel acht Klassen weniger bei der Grundschule (damals gab es noch keine Vorschulkassen) und sieben Klassen weniger beim Gymnasium (Klassen 5-8). Beim Lyzeum (Klassen 9-12) ist die Anzahl der Klassen gleich geblieben.
 

Die steigende Anzahl der Schüler bringt jedoch auch Probleme mit sich. Zum Beispiel den Mangel an deutschsprachigem Lehrerpersonal.

Das ist wahr, der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften, die die deutsche Sprache beherrschen, ist nach wie vor ein Problem. Die gute Nachricht ist aber, dass es Lehrer für alle 22 Grundschulklassen gibt. Fast alle Lehrerposten sind besetzt – von Fachlehrern, qualifiziertem Rumänisch sprechenden Personal, Rentnern und Mitarbeitern. Es ist weiterhin eine Herausforderung geblieben, ausgebildete Lehrkräfte für den Fachunterricht fortzubilden und heranzuziehen. Ein Problem gibt es in diesem Jahr in den Fächern Geografie, Physik und Biologie. Hier sind die Hälfte der Stunden noch nicht gedeckt. Wir warten, dass jemand kommt. Es ist weniger wichtig, dass er die deutsche Sprache beherrscht. Entscheidend ist, dass die Lehrkraft das Fach gut beherrscht. Lieber eine kompetente Fachkraft als nur jemand, der Deutsch spricht.
 

Wie steht es mit dem Deutschniveau der Schüler, wenn nicht alle Lehrer in deutscher Sprache unterrichten?

In den letzten zwei Jahren ist das Deutschniveau der Schüler beträchtlich gewachsen. Das deutsche Sprachdiplom haben im letzten Jahr 87 Prozent unserer Schüler geschafft. Und nicht nur die Deutschkenntnisse sind gut, sondern auch die Resultate bei den Prüfungen. Die kleinste Note, mit der man in diesem Jahr in die IX. Klasse (Real) kam, war 8.40. Bei der Abiturprüfung lag der Prozentsatz derer, die bestanden haben, bei 99 Prozent. Auch der Prozentsatz der Abiturenten, welche an einer Hochschule studieren wollen, ist groß.
 

Mit welchen Problemen hat die Schule in diesem Jahr zu kämpfen?

Es ist ein altes Problem: Die Anzahl der Schüler wächst, aber Lehrbücher werden keine nachgedruckt. Die meisten Verlage sind nicht interessiert, deutsche Lehrbücher zu drucken. Wir haben auch in diesem Jahr Bücher nachbestellt, aber umsonst. Seit vielen Jahren werden die Lehrbücher von einer Schülergeneration an die andere weitergereicht und sie befinden sich in einem schlechten Zustand. Es ist der wichtigste Aspekt, der gefördert werden sollte. Momentan löst man das Problem mit Xerox-Abzügen. Wir bestellen auch rumänische Titel, damit sich die Schüler und Lehrer daran orientieren können. Die Schule ist nach wie vor interessiert, die Bücheranzahl zu vervollständigen.
 

Wie viel Prozent der Lehrbücher fehlen?

Es fehlen Bücher für alle Stufen. Wir haben noch keine genaue Statistik, aber ich kann sagen, dass für jedes Fach mehr als 50 Prozent der Lehrbücher fehlen, bei manchen Fächern sogar 90 Prozent.
 

Wie sind die Reparaturen an den Schulgebäuden in diesem Sommer verlaufen?

Mit Hilfe des Bürgermeisteramtes wurden Reparaturen am C-Gebäude vorgenommen. Aus eigenen Mitteln wurden Türen im A-Gebäude gestrichen und das Krankenzimmer saniert. Auch am Sportsaal im C-Gebäude, im D- und E-Gebäude wurden kleine Reparaturen unternommen. Alle Arbeiten wurden zur Zeit beendet, also ist die Schule empfangsbereit und der Unterricht konnte unter guten Bedingungen anfangen.
 

Wie steht es um die Sicherheit der Schule?

Wir haben vor, in diesem Jahr neue Überwachungskameras im B- und C-Gebäude anzubringen. Auch ein Panikknopf steht in diesem Jahr auf der Liste. Außerdem haben wir einen Wächter-Posten ausgeschrieben. Bisher gab es kein Interesse dafür, der Grund ist wahrscheinlich das geringe Gehalt. Was die Sicherheit der Schüler betrifft, wird mit der Lokalpolizei zusammengearbeitet, da sich der Schulhof im öffentlichen Bereich befindet.
 

Gibt es Neuigkeiten in diesem Schuljahr? Was steht bis Jahresende auf dem Programm?

Eine Neuigkeit ist, dass wir den Unterricht jetzt um 7.30 Uhr beginnen. Es ist kein interner Beschluss, er wurde uns vom Kronstädter Schulamt mitgeteilt. Man traf diesen Beschluss, um den Verkehrsstau zu vermeiden, der jeden Morgen in dieser Gegend entsteht, wo es mehrere Schulen gibt. Eine andere Neuigkeit ist das Jahrbuch 2015-2016, das sich schon in Korrektur befindet. Im Oktober werden mehrere Workshops für Lehrer in unserer Schule stattfinden. Das Interesse der Lehrkräfte für derartige Projekte ist immer sehr groß. Im November folgt der Siebenbürgische Lehrertag in Hermannstadt. Ebenfalls im November wird, wie gewohnt, der „Bobockenball“ organisiert und am 11. November findet in der Schwarzen Kirche der Martinstag statt. Im Dezember folgt die traditionelle Weihnachtsfeier. Eine andere Neuigkeit ist, dass wir versuchen, den Schipokal im Dezember zu organisieren, falls die Wetterbedingungen es erlauben. Die internationalen Partnerschaften mit den Schulen aus Breten, Ulm und Wiesbaden pflegen wir weiterhin. Ich und meine Stellvertreterin Rodica Dan freuen uns immer über die gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forum, der Honterusgemeinde und dem Schulamt.
 

Herr Wagner, wir danken für das Gespräch und wünschen viel Erfolg im neuen Schuljahr!

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