In den Sommerferien unterwegs

Zwei Schüler wurden mit einem Stipendium von zis-Reisen zu Forschern

Mittwoch, 26. August 2015

Hermannstadt - Die zis-Stiftung für Studienreisen verfolgt ein einzigartiges erlebnispädagogisches Konzept: Sie fördert junge Leute, die sich etwas zutrauen und unterstützt sie dabei mit einem selbst geplanten Reiseprojekt, Begegnungen abseits des Massentourismus zu suchen. Zwei dieser jungen Leute sind Tudor Dima (18 Jahre, Klasse 11C der Brukenthalschule in Hermannstadt/Sibiu) und Nora Klingsporn, 17 Jahre, aus Stuttgart, die in diesen Sommerferien beide in den Genuss eines Reisestipendiums in Höhe von 600 Euro kamen. Damit reisten sie vier Wochen lang alleine im Ausland, bearbeiteten ein selbst gewähltes Thema, das ihren Interessen entspricht, und fertigten dazu ein Tagebuch an.

Tudor war in Deutschland unterwegs. Dort forschte er zu der Frage „Wie ist die Einstellung der Deutschen gegenüber Ausländern?“und zwar zunächst in Dresden und dann in Düsseldorf. Bewusst wollte er eine ostdeutsche mit einer westdeutschen Stadt (beide etwa gleich groß, beide Landeshauptstädte) vergleichen. In Dresden, wo er bei Frank Roth, Leiter von „Copiii Europei“ in Stein/Dacia, wohnte, bemerkte er schon vom  ersten Tag an, „dass die Leute nicht so gerne ihre Meinung über Ausländer äußern wollen. Viele sagten, dass in Dresden hauptsächlich Menschen aus den ehemaligen kommunistischen Staaten leben, die man gar nicht mehr Ausländer nennen könne“. An einem Montag nahm er auch an einer PEGIDA-Demonstration teil. „Obwohl ich vielleicht in manchen Situationen Angst hatte, sagten mir die Teilnehmer, dass sie eigentlich nicht gegen Ausländer, sondern gegen die vielen Asylbewerber in Deutschland protestierten“, so Tudor Dima.

Ganz anders waren seine Erlebnisse in Düsseldorf, wo ihm Heidelore Richter, eine Lehrerin des Theodor-Fliedner-Gymnasiums, einer Partnerschule der Brukenthalschule, als Ansprechpartnerin zur Verfügung stand. „Ich bemerkte, dass es in Düsseldorf zwischen mir und meinen Gesprächspartnern keine Grenzen gab. Die Menschen wollen Kontakt zu anderen Kulturen haben und ein Zusammenleben begründen, was in Dresden oftmals nicht der Fall war,“ so Tudor.
Den umgekehrten Weg, nämlich den von Deutschland nach Rumänien, ging Nora Klingsporn, die hier zur Zeit zum Thema „Was bedeutet Freiheit für die Menschen in Rumänien?“ forscht. Die ersten Tage verbrachte sie in Hermannstadt (unterstützt von Tudor Dima, der mittlerweile zurückgekehrt war), dann ging es zum Roşia Montană Fân Fest und zur „Siebenbürgischen Akademiewoche“ nach Katzendorf/Caţa, mittlerweile ist sie in Temeswar/Timişoara, wo sie von Robert Tari (ADZ) unterstützt wird. Ihren Gesprächspartnern stellt sie Fragen wie: „Welcher Aspekt der Freiheit ist Ihnen persönlich am wichtigsten? Freiheit oder Gleichheit – Welcher dieser beiden Werte ist Ihnen wichtiger? Finden Sie, dass Sie Ihre Meinung in Rumänien frei sagen dürfen ohne sich Sorgen machen zu müssen? Welche Orte verbinden Sie mit Freiheit?

Wann und wodurch fühlen Sie sich frei? Wodurch sehen Sie sich in Ihrer Freiheit eingeschränkt? Gibt es Dinge, die Ihnen wichtiger sind als Freiheit? Haben Sie einen persönlichen Moment der größten Freiheit ?“, und einige mehr - in Hermannstadt wurden beispielsweise Paul Philippi, Wolfgang Rehner, Ruth Istvan (Leitstelle Kirchenburgen), Cătălin Mureşan (Siebenbürgenreisen), Dragoş Cojocariu (Hermannstädter Zeitung) oder Norbert Silberleitner (Continental) von Nora interviewt. Beide, Nora und Tudor, haben nun drei Monate Zeit um ihre Eindrücke und Erlebnisse in einem Studienbericht zusammenzufassen. Darin erzählen sie, was sie zu ihrem Thema herausgefunden haben, welche Lebensgeschichten sie kennengelernt haben und wie sie nach der Reise über ihr Thema denken. Die zis-Jury liest diese Berichte dann, zeichnet besonders gelungene Reisen mit Preisen aus und lädt die besten Stipendiaten nach Schloss Salem ein. Das Motto dabei: „Jede zis-Reise soll ein Schritt zu mehr Toleranz und damit ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung sein.“

Hugo-Alexander Frohn

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 27.08 2015, 09:01
Reisen bildet sagt man.
Doch nicht, wenn von vornherein festgelegt wurde, bei wem der Reisende übernachtet.
Denn dadurch können die Erwachsenen, bei denen diese Kinder übernachteten, den Kindern Sichtweisen aufdrängen, die ihre eigenen persönlichen sind.
So findet Scheuklappenerziehung statt...
Durch solches Reisen können die Kinder wenig lernen, oder sogar falsche Eindrücke gewinnen.
Bzw. politisch instrumentalisiert werden...
So denken die Kinder nach solchen Reisen, sie hätten etwas gelernt.
Im Grunde aber wurden sie nur manipuliert und haben nur eine oberflächliche Sicht der Dinge vor Ort erhalten.
Ja, so kann man die Jugend und Kinder auch "gleichschalten".... und das mit Unterstützung.

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