„...in der Ferne läuten leise die Glocken...“

Utta Siegrid König überrascht dieses Mal mit einem Rondeau-Gedichtband

Freitag, 22. Februar 2013

Voraussichtlich ist Utta Siegrid König kaum unter den deutschsprachigen Lesern bekannt, dafür aber eher  unter den rumänischen Literaturfreunden.  Zwar ist sie 1943 in Posen, damals zu Deutschland gehörend, geboren, aber dann in die Südbukowina verschlagen worden, wo sie in Suceava 1961 das Lyzeum „Ştefan cel Mare“ absolvierte. Es folgte eine technische Architektur-Schule in Bukarest. Heute lebt Utta König in Piatra Neamţ, wo sie 1993 auch ihr literarisches Debüt  in der Kulturzeitschrift „Asachi“ begehen konnte.

Unseren Lesern stellten wir  die meisten ihrer bisher erschienen Alben vor, die jedes Mal nicht nur neue  von  ihr  verfasste Kurzgedichte, auch in neuer Form – Tanaka, Haiku, Gasel, Sonett –  umfassen, sondern auch als Druck in kleinen Formaten, als Mappe, reich illustriert erschienen sind. Ihr nun letzter Band der 2012 im „Cetatea Doamnei“-Verlag in Piatra Neamţ unter dem Titel „...doar calendare fără file? rondeluri“ (...nur Kalender ohne Blätter? Rondeaus) erschienen ist, zeigt die gleiche einfühlsame Autorin, die auch in die „Antologia sonetului românesc“(Anthologie des rumänischen Sonetts) von Radu Cârneci, Verlag des rumänischen Nationalen Literaturmuseums (2007 – 2008, drei Bände), aufgenommen wurde.

Das Rondeau als Gedichtform  geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und wurde früher besonders von französischen Autoren gepflegt. In Rumänien wird Alexandru Macedonschi als Meister dieser Form mit seinen „Poema rondelu- rilor“ (Rondeau-Poem), 1927,  betrachtet.  Später findet man diese Form auch bei anderen rumänischen Lyrikern, wobei sich Utta Siegrid König darin mit Erfolg versucht.

Die 51 Gedichte aus ihrem neunten und neusten Band teilt die Autorin in vier Kapitel ein: Rondeau des Geistes, Rondeau eines Wiederfindens, Rondeau eines blauen Blickes, Rondeau der Jahreszeiten. „Auf weißen Lichtfeldern / sind verblichene Rufe zu hören / in der Ferne läuten leise die Glocken / die Schlitten fliegen noch...“ leitet Utta Siegrid König ihr „Rondeau des Vorabends“ bildlich ein. Überrascht wird man immer wieder von ihren sehr guten rumänischen Sprachkenntnissen, von deren Bildhaftigkeit, was nicht auch für ihre deutschen Kenntnisse zutrifft, was sie bereut, da sie in rumänischem Umfeld aufgewachsen ist.

Einige ihrer in dem Band enthaltenen Gedichte, der diskret von Ioana Cucu illustriert wurde, die auch den Umschlag entworfen hat, müssen unbedingt erwähnt werden. Im „Rondeau der Dahlien im Garten“ vergleicht sie diese wie folgt: „Auch die Dahlien aus dem Garten / die noch in Brautkleidern sind / warten auf Bräutigams  die nicht kommen werden. / Dem Rivalen Herbst, macht’s nichts aus“. Ähnlich schönen Verse findet man in fast allen ihren Gedichten, von denen wir bloß noch das „Rondeau der leeren Zimmer“ oder „Rondeau der Kalender ohne Blätter“ erwähnen möchten. Waren früher die Rondeaus besonders als Texte für die Lieder der Troubadoure gedacht, so wurden diese im Lauf der Zeit selbstständig und stehen nicht mehr  im Zeichen der Musik.

Die Entwicklung ging so weit, dass auch die Humoristen und Epigrammatiker als Schreibweise das Rondeau benutzen. Bei Utta Siegrid König finden wir in ihren Rondeaus aber auch Musikalität, bindende Versformen, bis zu dem konkreten, reichen Inhalt. Bekanntlich zeichnet sich die rumänische literarische Sprache durch ihre Bildhaftigkeit aus, die schwer in einer deutschen Fassung wiedergegeben werden könnte. Ein diesbezüglicher Versuch wäre aber lohnenswert, wenn sich der entsprechende Übersetzer dafür finden würde. Und für die Autorin Utta Siegrid König mit ihren deutschen Wurzeln wäre das sicher auch ein Gewinn.

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