In Harmonie mit der Natur

Expo Milano 2015 mit erfolgreicher Bilanz

Freitag, 13. November 2015

Andenkenjäger im rumänischen Pavillon: Alle wollen den speziellen Expo-Stempel des rumänischen Pavillons in ihrem Reisepass verewigen.

Im deutschen Pavillon begeistern vor allem die „SeedBoards“, spezielle aufklappbare Pappen, auf die Bilder und Beschreibungen von winzigen Projektoren im 3-D-Format geworfen werden, die exzellente interaktive Kommunikation ermöglichen.

Ein Besuchermagnet im deutschen Expo-Pavillon, der sich mit sogenannten „Feldern der Ideen“ präsentierte: Vertikale Bewirtschaftung von Böden zur effektiveren Nutzung der Ressourcen.

Über 21 Millionen Besucher zog die Weltausstellung in Mailand zum Thema „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben“ in ihren Bann. Diese große Leistungsschau dauerte 187 Tage vom 1. Mai bis 31. Oktober. 145 Länderpavillons präsentierten sich auf dem 1,1 Quadratkilometer großen Gelände „City live“, das neben dem neuen Mailänder Messegelände Fiera di Milano vor den Toren der zweitgrößten Stadt Italiens und Hauptstadt der Region Lombardei liegt. Der rumänische Pavillon stand unter dem Motto „Harmonie mit der Natur“. Der deutsche Pavillon punktete mit „Fields of Ideas“ zum Thema Ernährung und Energiewende. Der Vorhang der Weltausstellung in Mailand fiel mit der Besucherrekordzahl von 21 Millionen.

Diese sehr respektable Zahl dürfte die Organisatoren des Mammutprojektes und den italienischen Regierungschef Renzi zu Recht mit Stolz erfüllen. Denn ein solch erfreuliches Ergebnis – und die Eröffnung der Expo überhaupt – erschien im zeitlichen Vorfeld dieser Weltausstellung nicht nur notorischen Zweiflern mehr als fraglich: Bauverzögerungen und Korruptionsskandale hatten für nachhaltige Negativ-Schlagzeilen gesorgt, die kontroverse Dispute auslösten. Die Bauarbeiten gingen nur schleppend voran. Wasser auf die Mühlen der Zweifler war nicht zuletzt auch die Tatsache, dass noch zehn Tage vor dem geplanten Startschuss zur Eröffnung der Expo, am 1. Mai, Baumaschinen auf dem Messegelände arbeiteten. Sichtlich ein Stein vom Herzen plumpste Italiens Regierungschef Matteo Renzi auf der Eröffnungsfeier mit Medienleuten aus aller Welt am 1. Mai mit seinen Worten: „Viele haben nicht daran geglaubt, aber jetzt ist es Realität.“ Buchstäblich bis zur letzten Minute der Eröffnung wurde an der Ausstellung noch gewerkelt. Aber das ist wohl bei ziemlich jeder Ausstellungseröffnung überall so Usus, mehr oder weniger.

Rumänischer Pavillon nach Bukarest

Auch am attraktiven rumänischen Pavillon, entwickelt von den Architekten Radu Tasche und Radu Petre Năstase, günstig positioniert am Hauptboulevard des Expo-Areals sowie in Nachbarschaft des Pavillons des Gastgeberlandes Italien, bildeten sich lange Warteschlangen, sogar bei Wetterkapriolen mit heftigen Regengüssen. Schubweise eingelassen, bewegten sich die Gäste durch das konzeptionell klar strukturierte Gebäude, einer modernen Interpretation eines traditionellen Dorfhauses aus dem Donaudelta. Insgesamt umfasst dieses Gebäude aus Naturstoffen wie Holz und Schilf sowie Glas eine Fläche von rund 885 Quadratmetern, gegliedert in zwei Ebenen. Das Erdgeschoss unterteilt in acht Bereiche wie „Biodiversität“, „Obst und Gemüse“ sowie „Kultur und Grüne Energie“, die anhand von Großfotos und Filmen per Multimediatechnik symbolisch den Reichtum an Natur- und Kulturpotenzial darstellen. Organisch integriert im Mittelbereich des Erdgeschosses auch ein offener Raum mit Plätzen für Filmvorführungen und Veranstaltungen wie Konferenzen und Kulturdarbietungen.

Im ersten Stockwerk befand sich der gastronomische Bereich mit rustikalem Restaurant, umsäumt von Rundbalken, behütet durch ein Schilfdach. Eine kulinarische Oase, wo sich die Gäste mit Spezialitäten der rumänischen Küche aus verschiedenen Regionen verwöhnen lassen konnten, komplettiert durch edle Weine, aber auch süffigen Gerstensaft mit Alkoholgraden sowie Mineralwasser aus berühmten Quellen.Einen besonderen Blickfang für Besucher boten historische Trachten und Handwerkskunst der multikulturell geprägten Kreisch-Region, interessant dargestellt am Beispiel der jahrhundertealten Hanftradition in Rumänien. Historische Maschinen zur Hanfverarbeitung und Fotodokumente aus dem vorigen Jahrtausend dokumentierten dies anschaulich. Staatspräsident Klaus Johannis zeigte sich bei seinem Besuch sehr erfreut über die Qualität der Ausstellung. Sie sei nicht durch die Größe des Pavillons bestimmt, sondern durch Inhalt und Design der Ausstellung selbst, betonte er. Ein vielfältiges Programm bereicherte die Ausstellung, so die Auftritte des professionellen Ensembles „Cindrelul - Junii Sibiului“ mit 26 Tänzern und 11 Musikern. Der rumänische Pavillon soll in Bukarest wiederaufgebaut werden.

Deutsches Papp-Tablet als Hit


Nach der Verwunderung über das eigenartige Resteangebot im Souvenir Shop des deutschen Pavillons mit „Special offers“ wie Fliegenpilz aus Keramik für 7,95 Euro folgte die Verwunderung dann im Pavillon selbst. Dort wurden die Besucher aufgefordert, sich doch bittschön ein Stück aufklappbare Pappe aus einer bereitgestellten Box am Eingang des Pavillons zu nehmen, und zwar präferiert nach Sprachen Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch. Doch die banal aussehende Pappe, 20 cm x 10 cm groß, hatte es in sich, und zwar wortwörtlich: Klappte man die Pappe auf, war weißes Papier zu sehen, an den Rändern befinden sich, in Abhängigkeit der vorher gewählten Sprachreferenz, sieben silberfarbige Punkte, elektronische Fixierpunkte. Beim Durchgehen der Ausstellung erwachte das seltsame Stück Pappe plötzlich, wie von Geisterhand gezaubert, zum Leben: Auf dem Papier tauchten urplötzlich Bilder und Texte auf. Verwandlung der Pappe in einen Tablet Computer? – fragten sich im ersten Moment die perplexen Betrachter der Pappe. Dann lüftete sich das Geheimnis der intelligenten Pappe, im englischen Fachjargon „SeedBoard“ genannt, in der keine Elektronik,  versteckt eingebaut ist. Vielmehr diente die aufgeklappte Pappe lediglich als Projektionsfläche.

Durch Auf-und-Ab-Bewegen der Projektionsfläche erschienen Bilder der Exponate im 3-D-Format, erzeugt von kaum sichtbaren Infrarotkameras über den Ausstellungsflächen im Wechselspiel mit Projektoren, die die Bilder und Beschreibungen auf die Projektionsfläche der aufgeklappten Pappe „zauberten“. Auf diese Weise ist der Besucher interaktiv in die Wissensvermittlung integriert, kann Ideen sammeln, die beim intensiven Nachdenken „aufkeimen“ sollen, etwa beim Umdenken und der effektiveren Nutzung von Trinkwasser sowie von Anbauflächen etwa durch „vertikale Bewirtschaftung“ beim Obst- und Gemüseanbau. Die englische Bezeichnung „SeedBoard“ für diese spezielle Pappkarte in der Hand der Besucher verkörpert quasi eine Art Keimzelle für neue Ideen zur Mitgestaltung nachhaltiger  Ernährungsweisen in Gegenwart und Zukunft. Das US-amerikanische Exhibitior-Magazin zeichnete den deutschen Pavillon für das „Seedboard“ für die bestgelungene Interaktivität der Expo aus. Mit rund 3 Millionen Besuchern zog der Deutsche Pavillon „Fields of Ideas“ / „Felder der Ideen“ zum Abschluss der EXPO MILANO 2015 am 31. Oktober eine positive Bilanz.

Guinness-Rekord: 122,4 m langes Baguette

Ein italienisch-französisches Bäcker-Team in der Regie des Pariser Bäcker-Bosses vollbrachte im Oktober das Kunststück des mit 122,4 m weltweit längsten Baguettes. Wie das in dieser kolossalen Länge überhaupt gebacken werden konnte, bleibt wohl nicht nur mir ein Rätsel. Jedenfalls wurde das Kunstwerk nach 6-stündiger Backzeit kunstvoll in Häppchen geschnitten und 2400 Expo-Besucher damit beglückt. Keinen kulinarischen, doch musikalischen Weltrekord stellten die Schweizer auf dem Mailänder Domplatz auf: 420 Alphornbläserinnen und -bläser ließen zu Fuße des weltberühmten Mailänder Doms zu Ehren der Teilnahme der Schweiz an der EXPO MILANO 2015 ihre Hörner erklingen – so viele wie nie zuvor im Ausland. Auch dieser Rekord soll im Guinness Buch dokumentiert werden. Vor dem musikalischen Weltrekord auf dem Domplatz spielten 200 der Männer und Frauen in prächtiger Tracht vor dem Schweizer Pavillon das Lied „Expo Milano“. Angereist waren sie in Zügen und Sonderbussen. Wirklich clevere Werbe-Ideen der Schweizer Eidgenossen und Eidgenossinnen! Mal sehen, was die sich zur EXPO ASTANA 2017 im fernen Kasachstan einfallen lassen werden. Die Anreise mit Bussen und Zügen in die kasachische Hauptstadt Astana im fernen Zentralasien dürfte etwas beschwerlich sein…

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