In Wien konnten alle Wähler ohne Schwierigkeiten wählen

Christian Macedonschi, Stadtrat des Deutschen Forums in Kronstadt, als Volontär in Wien

Donnerstag, 20. November 2014

Die Schlange der Wähler vor der rumänischen Botschaft in Wien war lang, aber es gab keine Zwischenfälle und die Gastwirtschaft hat auch profitiert.

Christian Macedonschi als Volontär bei den Wahlen in Wien
Fotos: der Verfasser

Wien hat’s gewusst. Selbst der Taxifahrer, als er gehört hat, „die Prinz-Eugen-Straße, vis-a-vis vom Oberen Belvedere, anfahren“ reagierte prompt: „Wollns wählen gehen, zu den Rumänen...“. Ö1, der Rundfunknachrichtensender, hat auch stündlich darüber berichtet. Es war ein ganz normaler Sonntag. Alles andere als normal aber für die Rumänen. Zwei Wahllokale hat es in Wien gegeben. Eines bei der Botschaft, ein anderes beim Rumänischen Kulturinstitut in der Argentinierstraße 39, unweit der Botschaft. 9565 wahlberechtigte Rumänen haben in Österreich abgestimmt. 8973 davon für Klaus Iohannis. 592 für den Verlierer. Nach dem ersten Wahlgang, als viele nicht mehr zum Wählen kamen, hatten diese verständlicherweise einen schweren Kummer. Völlig überraschend waren mehr als dreimal so viele Wähler wie im Jahre 2009 im Ausland erschienen. Aus Steuergeldern wurden die Wahllokale errichtet. Aus heutiger Sicht waren es sicher zu wenige. Niemand hat genau wissen können, wie viele Wähler, davon die Mehrheit in anderen EU-Ländern steuerpflichtig ist, erscheinen werden. Am ersten Urnengang wurde vielleicht auch gespart und somit ist ein folgenschwerer strategischer Planungsfehler in Bukarest passiert! Den Botschaften aber die Schuld für die Blamage in die Schuhe zu schieben, ist ungerecht.

Bei der Stichwahl gab es schon um acht Uhr morgens eine viele Hunderte von Metern lange Schlange. Neugierig, was da los ist, kam ich am späten Vormittag an der Kreuzung der Karolinengasse mit der Argentinier-Straße an. Tausende waren da. Am Eingang zur Botschaft ein Klapptisch, Teekannen und Pappbecher. Volontäre, meistens junge, sorgfältig bekleidet, verteilten heißen Tee und die berühmten „Ich verpflichte mich, das Gesetz einzuhalten“-Formulare. Müll und Abfälle in der stundenlangen Schlange wurden von Volontären sorgfältig in Plastiksäcken gesammelt. Mehrere A4-Blätter waren auf die Eingangstür zur Botschaft geklebt. „Videoüberwachte Zone“ konnte in rumänischer Sprache gelesen werden. „Wahlsprengel Nr. 17, Wien 1. - geöffnet zwischen 7 – 21 Uhr“. Bis zum Abend dauerte die Schlange. Wachleute der Firma ÖWD dienten der Ordnung. Es gab keine Zwischenfälle. 3281 haben da gewählt. 198 für Ponta, der Rest für das neue Staatsoberhaupt. Die Wartenden waren gut gelaunt und machten Witze über den Verlierer. Die Toiletten-Kabine stand am Gehsteig, speziell aus diesem Anlass wurde sie hingestellt und maliziös als Wahllokal des linken Kandidaten tituliert. Und keiner stand am Abort Schlange.

Über Facebook und Ähnliches haben sie sich zusammengefunden, organisiert und – siehe da – mit der Unterstützung der Botschafterin Silvia Davidoiu und des diplomatischen Personals ist ein kleines Wunder passiert. Kein Klamauk, keine Sprechchöre, kein Polizeieinsatz. Was bedau-erlicherweise in Paris und Turin passiert ist, Tränengas und Chaos, davon war in Wien keine Rede! „Die dort drinnen tun alles Menschenmögliche, damit so schnell wie möglich abgestimmt werden kann. Der Botschafterin kann niemand was vorwerfen. Ich möchte noch klar dazu sagen, dass jeder,  der wählen wollte, in Wien auch wählen konnte!“, erklärte Christian Macedonschi, Stadtrat des Deutschen Forums in Kronstadt und Volontär bei der Stichwahl in Wien.
„Wir, vom Deutschen Forum, politisieren nicht, sondern  wirken mit kulturellen Mitteln. Dafür habe ich z. B. die Burzenländer Blaskapelle durch die Straßen marschieren lassen. Bis Freitag vor der Wahl. Die rumänische Hymne, die EU-Hymne von Beethoven sowie Wiener Walzer haben die Kronstädter, genauso wie bei den Wahlen 2012, sehr erfreut.“ Und wie kommen Sie dazu, nach Wien zu reisen? „Wollte als Volontär einfach mithelfen. Die reibungslose Wahl nach eigener Kraft zu unterstützen“, so Macedonschi.

„Wir haben uns sehr bemüht, dass alle Mitglieder der Wahlbüros für Wien und Graz (Wahlergebnis Montag: 2690 Teilnehmer, davon stimmten 2555 für Johannis, 120 für Ponta) am Tag der Stichwahl auch pünktlich anwesend waren. Haben die Wahlkabinen- und die Wahlstempelzahl erhöht, den Wählerstrom am Eingang der Wahllokale regulierend eingeteilt, haben uns organisatorisch sehr bemüht, um keine Zeit zu verschwenden, damit alle so rasch wie nur möglich wählen können“, sagte mir Botschafterin Davidoiu, welche hinzufügte: „Meinen herzlichen Glückwunsch undDank an alle Volontäre, an das eigene Personal, die vielen jungen Menschen, die aus diesem Anlass, dem Gemeinwohl exemplarisch dienend, auch die Facebook-Adresse unserer Botschaft noch vor der Stichwahl lanciert haben.“

Für das kleine griechische Lokal am Eck der Prinz-Eugen-Straße war die Stichwahl ein Segen Gottes! Hunderte Rumänen haben da einen Glühwein oder Tee serviert. An den Tischen wurde heftig debattiert und der kleine Hunger gestillt. Der Kellner hat mich mit einem Augenzwinkern gefragt: „Habt’s noch viele solche Wahlen in Rumänien? So viele Kunden gibt`s bei uns nur zu Weihnachten... .“ Wahltag ist eben Zahltag – nicht nur an den Urnen! Viele Rumänen haben Zeit und Geld investiert, um zu wählen. Und haben sich betrogen gefühlt. Ein Kandidat und seine Partei haben dafür bezahlen müssen. Rumänien hat seinen Präsidenten und die Wiener Gastwirtschaft hat auch profitiert.

Kommentare zu diesem Artikel

norbert, 21.11 2014, 02:44
Würde man die Rumänen fragen. .an was denken Sie. .wenn ihnen jemand sagt.wo ein Wille ist ist auch ein Weg. .kommt wie aus der Pistole. Der Weg zur BUSSTATION. Nur weg aus Rumänien. .der wegzug geht seit 25 und wird immer weiter gehen. Die Bevölkerung wird immer weniger.
Manfred, 20.11 2014, 21:49
Respekt an ALLE Beteiligten.Wo ein Wille ist,ist auch ein Weg,den Namen von Frau Davidoiu darf man sich merken.

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