Innenministerin entschuldigt sich bei „schuldlosen Opfern“

Ermittlungen der Staatsanwälte laufen auf Hochtouren

Dienstag, 21. August 2018

Bukarest (ADZ) - Neun Tage nach der Polizeigewalt gegen Antiregierungsdemonstranten, die bekanntlich mehr als 450 Verletzte forderte, hat sich Innenministerin Carmen Dan (PSD) am Sonntagabend als erstes Regierungsmitglied und Spitzenpolitiker der Regierungspartei überhaupt bei allen „schuldlosen Opfern“ entschuldigt.

Die Innenministerin stellte ein Fazit ihres Ressorts zum brutalen Einsatz der Ordnungshüter vom 10. August gegen die mehr als 100.000 Protestler vor, das von der Opposition prompt als „manipulativ“ verrissen wurde. Im Verlauf ihrer Presseerklärung war Dan bemüht, jede Verantwortung bezüglich des Einsatzes der Gendarmen zurückzuweisen – sie sei in die Befehlskette nicht eingebunden gewesen, der Einsatz sei operativ vom Gendarmerie-Major Lauren]iu Cazan geleitet und von der interimistischen Präfektin von Bukarest, Speran]a Cliseru, genehmigt worden. Der Innenministerin zufolge waren am 10. August in der Hauptstadt Gendarmen aus insgesamt fünf Landeskreisen anwesend, um gegen „Hunderte gewaltsame Elemente“ vorzugehen. Ein „mögliches missbräuchliches Einsatzverhalten“ sah Dan indes bei lediglich fünf Ordnungshütern gegeben.
Auf Hochtouren, einschließlich an Wochenenden, laufen indes die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft und der Militärstaatsanwälte. Nach Angaben der Ermittler gingen bis Sonntag knapp 300 Strafanzeigen gegen die Gendarmerie ein, 127 Opfer wurden bereits vernommen, belastendes Videomaterial gesichtet, Unterlagen des für den Einsatz zuständigen Stabs sichergestellt.

Generalstaatsanwalt Augustin Lazăr beklagte letzte Tage zudem offen zunehmende Medienattacken auf das Ermittlerteam und forderte die der PSD nahestehenden TV-Sender auf, ihren Druck auf die Staatsanwälte tunlichst einzustellen.

Kommentare zu diesem Artikel

Mathilde, 22.08 2018, 13:44
@Peter: ich stimme Ihnen in allen Punkten zu; die Formulierung "gewaltsame Elemente" -zeigt wie fernab der Realität eine Person über die eigenen Landsleute denkt und auch handelt. Die Politiker dieses Landes waren zu kommunistischen Zeiten eine verdorbene Liga, die außer den eigenen Interessen - keine anderen vertrat - und schlimm ist, jetzt sind diese Kandidaten mit Macht Gehabe noch mehr zum Größenwahn mutiert und haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Die bittere Wahrheit für das rumänische Volk.
Peter, 22.08 2018, 10:27
Diese kommunistische Rhetorik, „Hunderte gewaltsame Elemente“ zeigt, das man nichts dazugelernt hat. Der Mensch wird reduziert auf eine Sache. Das Wort Element hat größtenteils Bedeutung in der Physik, Chemie, Informatik und Mathematik. In den ehemaligen sozialistischen und kommunistischen Ländern werden die kritischen Teilnehmer an einer Demonstration als asoziale, kriminelle, parteifeindliche und verdächtige Elemente bezeichnet, den Kritik = Aufruhr = Umsturz = Knüppel aus dem Sack. Wenn der Mensch erst einmal zu einer Sache reduziert ist, dann fällt das Knüppeln leichter, der Schmied hat auch kein Mitleid mit dem Eisen, das er mit dem Hammer bearbeitet, bis es die richtige Form angenommen hat.
Einen Menschen als Element zu bezeichnen, ist das Gleiche wie die Bezeichnungen "Humankapital" oder "Human Ressource", auch hier wird der Mensch auf eine Sache reduziert. Einen Menschen als Element, Kapital oder Ressource zu bezeichnen hat nichts mehr mit der politischen Korrektheit zu tun, sondern nur mit der Verachtung der Menschen.

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