Insolvenz als Bereicherungsgrund

Erste Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft über Herkulesbad

Freitag, 08. April 2016

Reschitza - Mittwoch fanden bei der Staatsanwaltschaft des Kreisgerichts in Reschitza wahre Marathon-Vernehmungen statt, die bis spätabends dauerten, nachdem sie im Morgengrauen begonnen hatten. Zuletzt wurden sechs Personen für 24 Stunden verhaftet. Es geht um die Anklageschrift gegen eine „Gruppe organisierter Verbrecher“, deren „Hauptjob“ die Raubentwertung des Kurorts Herkulesbad war. Hauptbeschuldigter ist der aus dem Raum Mehadia stammende Neureiche Iosif Armaş, der in den beiden betroffenen Firmen, SC Hercules SA und SC Argirom International SA“ die Spitzenposten bekleidete. Mitbeschuldigt sind Filip Răilescu, der ehemalige Generaldirektor der SC Hercules SA, und Gavril Adamescu, Chefökonom desselben Unternehmens, sowie Vertreter von Insolvenzverwaltungsfirmen.

Die Staatsanwaltschaft schreibt in einem ersten Kommuniqué: „Es gibt den begründeten Verdacht, dass die Verdächtigen eine Gruppierung organisierter Verbrecher gegründet haben, der später auch andere Personen beigetreten sind. Alle hatten das Ziel, Aktiva und Güter der SC Hercules SA raubzuentwerten und sich anzueignen, um sie zu verkaufen. Die daraus erzielten Geldsummen haben sie sich angeeignet. Die Privatisierung der SC Hercules SA geschah am 28.8.2001, als das Mehrheitspaket von 40,92 Prozent der Gesellschaft von der SC Argirom International SA Bukarest gekauft wurde, einer von Iosif Armaş, dem Kopf der Verbrecherbande, kontrollierten Firma. Zu jenem Zeitpunkt gehörten 68 Prozent der Aktien der Bukarester Firma, also indirekt Arma{. 2001-2006 übernahm der Verdächtigte aufgrund von Verträgen mit der Nationalen Administration der Staatsreserven und von Sonderproblemen 9,96 Millionen Kilo Zucker, die er anschließend, aufgrund fiktiver Beanstandungen, zurücklieferte und dem Staat allein dadurch einen Schaden von 43,29 Millionen Lei zufügte. Ab März 2008 hat der Verdächtigte mittels betrügerischer Mittel durchgesetzt, dass die Schulden des insolventen Unternehmens Argirom International von den Gläubigern der SC Hercules SA eingeholt wurden. Dazu bildete er die Verbrecherbande.“

Diese entfremdete gesetzwidrig Liegenschaften, Immobilien und Güter des Herkulesbader Unternehmens und verkaufte sie zu ihrem eigenen Nutzen, indem sie die realen Gläubiger schädigte. Die SC Hercules SA nahm ab 2008 Kredite zu hohen Zinsfüßen auf, die mit Immobilien und Liegenschaften aus Herkulesbad garantiert wurden, die dann an die Kreditgeber fielen. Zudem nahm der Verdächtigte auch in eigenem Namen Kredite auf, die er nie zurückzuzahlen beabsichtigte und die er mit Gütern der SC Hercules SA garantierte. Das derartige Vorgehen dauerte bis 2015 an, als praktisch nichts mehr zum Garantieren da war.

In die Untersuchung der Reschitzaer Staatsanwaltschaft ist auch die letzte freie Führungsspitze des Kreisrats Karasch-Severin verwickelt, Ilie Iova. Iova war zwischen 2002-2008 Chefbuchhalter der SC Hercules SA in Herkulesbad und wurde von der Staatsanwaltschaft für fünf Stunden zu Untersuchungen vorgeladen. Als er am Mittwoch zu später Stunde die Staatsanwaltschaft an Seiten seines Rechtsbeistands Vasile Ploştinaru verließ, schient er von seiner Unschuld überzeugt. „Ich habe mich mehrere Stunden lang wie in einem Roman von Kafka fühlen müssen“, sagte er, „Es ging natürlich um den sehr verzweigten und komplexen Vorwurf in der Sache Argirom International und Hercules SA. Sicher ist: mit der organisierten Verbrecherbande habe ich nichts zu tun. Auch nicht mit illegal verkauften Immobilien und Liegenschaften. Das einzige, was ich erklären musste, war ein Kredit, der mit meiner Unterschrift aufgenommen wurde und bei dem es um die Zahlung der Gehälter der Angestellten ging...  Ich bin ansonsten unschuldig.“

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