Insolvenzverwalter optimistisch

UCM Reschitza könnte durch „Re-Nationalisierung“ gerettet werden

Samstag, 14. Januar 2017

Reschitza – Remus Borza, der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter des Reschitzaer Maschinenbauwerks UCMR, sagte jüngst in einem Interview, dass er noch an eine Rettung des Werks glaube, wenn es gelingt, einen Weg zu finden, um die Schulden des Werks beim Fiskus und bei diversen staatlichen Steuer- und Gebührenempfängern in Staatsaktien zu verwandeln. Das Werk liege „seit 2011 leicht in der Gewinnzone“, doch bedürfe es dringend einer Re-Technologisierung und einer Diversifizierung der Produktion, was in seinen Augen nur der Staat tun könne.

Gegenwärtig hält einer der von Ex-Präsident Traian Băsescu als „g´scheite Jungs“ (băieţi deştepţi) bezeichneten Personen, Bogdan Buzăianu 95 Prozent der Aktien des Maschinenbauwerks. Das ist ein zu Beginn der 1990er Jahre in die Schweiz emigrierter ehemaliger Kellner, der u.a. mit Spekulationen auf dem Energiemarkt (billigen Strom aus Wasserkraftwerken in Rumänien kaufen und um ein Vielfaches auf dem Weltmarkt weiterverkaufen) zusammen mit seinen Schweizer Partnern zum Multimillionär geworden ist.

Eine Konversion der Schulden von UCMR würde den Staat zum Mehrheitsaktionär machen und also in die Lage versetzen, eine Investition zur Re-Technologisierung vorzunehmen und die 70-prozentige Abhängigkeit des Maschinenbauwerks vom (staatlichen) Energiegiganten Hidroelectrica (80 Prozent der Ausstattungen rumänischer Wasserkraftwerke stammen aus Reschitza, von UCM) zu beenden. Was auch eine Diversifizierung der Produktion ermöglichen würde.

Da UCMR gegenwärtig bestenfalls (je nach Auftragslage) die Hälfte des noch vorhandenen Personals aktiv beschäftigt (die anderen warten auf Abruf zuhause, bei 75-prozentiger Lohnfortzahlung), ist die hohe Abhängigkeit von Aufträgen durch Hidroelectrica für das Werk fatal. Allerdings ist das früher in vielen Bereichen des Maschinenbaus aktive Werk nach seiner Privatisierung durch seine damalige Leitung (Adrian Chebuţiu und Adrian Preda – die deshalb beide anschließend für sechs Jahre ins Gefängnis mussten) erst mal in „Profitzentren“ zerstückelt worden, deren Mehrheitsaktien sich die beiden unter den Nagel rissen und die zum Teil noch heute schöne Gewinne abwerfen. Nur der am schwierigsten profitabel zu machende Brocken blieb als UCMR bestehen. Allerdings auch mit allen Schulden, die vorher das Gesamtwerk angehäuft hat. Bevor sie „Profitzentren“ schufen, hatten Chebuţiu und Preda dafür gesorgt, dass ihre Kreationen schuldenfrei den Betrieb aufnehmen, wie neue Werke. Was sie auf dem Papier auch waren.

Dass das Werk durch eine in der Schweiz registrierte INET AG (hinter der u.a. zwei Schweizer, die Brüder Corpateau und Bogdan Buzăianu stecken) privatisiert wurde, hängt mit der 2000 eröffneten Perspektive zusammen, als die Năstase-Regierung in ihrem Regierungsprogramm den Fertigbau eines halben Dutzends Wasserkraftwerke vorsah, die noch aus der Ceauşescu-Zeit als Industrieruinen dastanden. Deren Ausstattung mit Maschinen und Aggregaten hoffte die INET AG durch UCMR zu übernehmen, zumal es rumänienweit keinen anderen Fachbetrieb dazu gab. Letztendlich wurde dieser Teil des Năstase-Regierungsprogramms (bis zum hutigen Tag) auf Eis gelegt und die Misere in Reschitza begann.

Im Rahmen des Sanierungsprogramms unter Remus Borza gab es verschiedene Rettungsvarianten für UCMR, die alle scheiterten oder gar nicht erst realisiert wurden (u.a. sollte das Reschitzaer Werk eine Art Instandhaltungs- und Eigenbau-Abteilung von Hidroelectrica werden). Währenddessen sank die Belegschaft von rund 3500 vollbeschäftigten Arbeitnehmern zur Zeit der Privatisierung auf gegenwärtig knapp 1000, von denen maximal die Hälfte, auf Zeit, effektiv im Werk tätig sind.

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