Interne Krisen und Entwicklung in der Ukraine belasten Börse in Bukarest

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Dienstag, 04. März 2014

Die Bukarester Wertpapierbörse BVB hat keine leichte Woche hinter sich. In Bukarest stürzten die Unstimmigkeiten zwischen Liberale und Sozialdemokraten die politische Klasse in eine Krise. Sie Gipfelte vorerst mit dem Rückzug der Liberalen aus der Regierung. Die politische Krise wurde von einer Vertrauenskrise begleitet, bei der die (liberale) Führung der Finanzaufsicht ASF stark unter Beschuss geriet. Dem Vorsitzenden von ASF wird Einflussnahme und die Teilnahme zum organisierten Verbrechen vorgeworfen. Harte Anschuldigungen, die den Börsenverlauf vermutlich auch in den kommenden Tagen noch beeinflussen werden. Zudem drückt die Krise in der Ukraine die Stimmung an den Märkten in der Region. Die Zeichen an der BVB waren auf „Verkauf“ gesetzt, das beweist auch die sinkende Marktkapitalisierung. Die Börse verlor auf Wochensicht 0,7 Prozent, der Hauptindex BET knapp 50 Punkte. Der Finanzwerte-Index musste ein Minus von fast 390 Punkten hinnehmen (minus 1,25 Prozent). Den stärksten Dämpfer erfuhr der ROTX-Index, mit einem Minus von 3,3 Prozent. Hier belasteten schlechte Nachrichten den Kurs der Erste Group Bank AG (EBS, 115,95 Lei, ISIN AT0000652011), der um 11,35 Prozent auf Wochensicht nachgab. Insgesamt ging die Marktkapitalisierung von umgerechnet 31,18 Milliarden Euro auf 29,5 Milliarden Euro zurück. Auch die Umsätze waren bescheiden. Im Durchschnitt wurden nur umgerechnet 6,9 Millionen Euro pro Tag umgesetzt, den Freitag ausgenommen.

Besonderes Augenmerk gebührt dem vergangenen Freitag. Vier Sonderdeals mit Aktien der Investmentgesellschaft SIF Oltenia (SIF5, 1,952 Lei, ISIN ROSIFEACNOR4) ließen den Tagesumsatz auf umgerechnet 18,15 Millionen Euro steigen. Dabei wurden insgesamt drei Prozent an der Investmentgesellschaft gehandelt. Experten vermuten dahinter taktische Schritte, da die Transaktionen kurz vor Einberufung der Bilanz-Vollversammlung durchgeführt wurden. Dabei ist in den Wochen zuvor Streit unter einigen Mitgliedern des Verwaltungsrates ausgebrochen. Der Konflikt offenbart ein kompliziertes Geflecht von Eigentumsverhältnissen und Interessen. Eine der Konfliktparteien vertritt einen Fonds der Erste-Tochter BCR im Verwaltungsrat von SIF Oltenia. SIF5 wiederum ist die einzige der fünf Investmentgesellschaften, die ihre BCR-Beteiligung noch nicht an die Erste verkauft hat. Im vergangenen Jahr hatte die Börsenaufsicht CNVM die Stimmrechte mehrerer Fonds bei SIF Oltenia beschnitten, da sie vermeintlich gemeinsame Sache machten. Die Fonds waren alle mit der Ersten Group Bank AG verbunden und für die SIF-Gesellschaften besteht ein Beteiligungslimit von fünf Prozent.
Der Deal kommt nur eine Woche nach einem Einstieg einer SIF-Gesellschaft (SIF1, 1,259 Lei, ISIN ROSIFAACNOR2) bei einer anderen (SIF4, 0,8595 Lei, ISIN ROSIFDACNOR6). Diese Maßnahme brachte SIF Banat-Crisana (SIF1) einen Wochenverlust von 6,39 Prozent. SIF Muntenia (SIF4) verlor in derselben Zeitspanne 2,88 Prozent.

Rasdaq

Der Sekundärmarkt Rasdaq startete mit ordentlichen Umsätzen in die neue Handelswoche. Doch Mitte der Woche ging dem Markt merklich die Puste aus. Am Freitag wurde der Umsatzdurchschnitt dann von Sonderdeals belebt. Im Durchschnitt wurden am Sekundärmarkt 0,16 Millionen Euro pro Tag umgesetzt. Der Hauptindex Rasdaq-C widerspiegelt nur die Umsatzentwicklung der ersten Wochenhälfte. Am Donnerstag stiegen die Umsätze wieder, nicht aber der Index-Kurs. Dennoch konnte sich der Index am Freitag noch fangen und so schloss er auf Wochensicht nur um 1,3 Prozent unter dem Vorwochenstand von 1394,95 Punkten.

Devisen

Trotz der durch die Ukraine-Krise bedingten Nervosität in der Region konnte sich die rumänische Währung in der vergangenen Woche gegenüber den beiden harten Devisen Euro und US-Dollar behaupten. Zum Euro legte der Leu 0,4 Prozent zu und drückte die europäische Gemeinschaftswährung so unter die 4,5-Lei-Marke. Zum US-Dollar fiel die Aufwertung noch stärker aus, sie betrug auf Wochensicht 1,02 Prozent auf einen Stand deutlich unter der 3,3-Lei Marke. Am vergangenen Montag kostete ein Euro somit 4,4995 Lei und ein US-Dollar 3,2618 Lei.


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