Investitionsklima von Fachkräftemangel beeinträchtigt

EU-Beauftragte: Lohnanstieg mit Wettbewerbsauflagen

Mittwoch, 04. November 2015

Gehobene Technologie und komplexe Arbeiten ergeben auch hohen Mehrwert. (Symbolfoto)

Astra Rail-Geschäftsführer Bernd Böse (Foto): Investitionen in Rumänien machen vor allem außerhalb von Ballungsgebieten Sinn.
Fotos: Zoltán Pázmány

Recht gesunkene Produktionskosten, eine gute geographische Lage, Mitgliedsstaat der EU und vorhandene Energie-Ressourcen seien die großen Vorteile, die Rumänien für ausländische Investoren interessant machen, sagte Angela Filote, Leiterin der Vertretung der EU-Kommission in Rumänien bei einem Investorentreffen. „Unter all diesen habe ich mit den niedrigen Produktionskosten ein Problem. Ich glaube nicht, dass es sich Rumänien leisten kann, niedrige Produktionskosten als wichtigsten Standortfaktor zu haben“, so Filote mit direktem Bezug auf die niedrigen Löhne in Rumänien. In ihrem nächsten Satz lenkte die EU-Vertreterin jedoch ein und sagte, dass dies jedoch nicht bedingungslos erfolgen könne. So sagte Filote, dass die Löhne steigen müssen, doch dies müsse auf Wettbewerb beruhen, sowie auf Investitionen in Bereichen mit gehobener Technologie. „Gerade hier gibt es Potenzial - in einem Sektor mit gehobener Fachausbildung.“ Angela Filote bezeichnete das Investitionsklima in Rumänien als „generell gut“ und vielleicht gerade deshalb glaubt sie, dass die Zeit gekommen sei, von einem Billiglohnland auf ein Land umzusatteln, in dem Produkte mit mittlerem und gehobenem Mehrwert erzeugt werden. Sie will erkannt haben, dass in Rumänien weiterhin Wirtschaftsbereiche bevorzugt werden, in denen die angewandte Technologie minderwertig sei. Nicht zuletzt würde in den wenigen Bereichen mit gehobener Technologie unzureichend in Forschung, Entwicklung und Innovation investiert, berief sich Filote auf Daten der EU-Kommission.

 

Kein Fachpersonal: Expansion stockt                                       

Ein „gesundes Verhältnis zwischen Automatisation und Handarbeit“, findet der Geschäftsführer des deutschen Investors Astra Rail, Bernd Böse, bei einer Rumänieninvestition optimal. Der Hersteller von Güterwaggons ist in Arad angesiedelt. Der Firmenleiter glaubt, dass es sich lohnt, handwerkliche Tätigkeiten nach Rumänien zu verlagern, da Rumänien in der EU nach Bulgarien das günstigste Lohn-Land ist. Generell für Rumänien findet Bernd Böse die schlechten Verkehrsanbindungen, wenige Autobahnen und kein gut funktionierendes Eisenbahnnetz als „großen Nachteil, denn Transporte dauern deshalb zu lange und sind dadurch auch teuer.“

Als wesentliches Manko für Unternehmen gilt seit Jahren auch der Mangel an Fachkräften. Ganz egal, ob es sich um Fließbandarbeiter, ausgebildete Handwerker oder um Ingenieure handelt. Letztere kann man zumindest von der Schulbank holen, bei den anderen ist die Nachfrage in manchen Regionen besonders akut. „Ich kenne viele Unternehmen, die expandieren wollen, doch dies aufgrund von Fachkräftemangel nicht können“, sagt Astra-Rail-Chef Bernd Böse. Konkret auf den Waggonbauer Astra Rail bezogen, habe das Unternehmen im letzten Jahr Kundenaufträge abgelehnt, da es an Fachkräften mangelte. „Aus diesem Grund investieren wir auch in die Ausbildung. Astra Rail hat eine eigene Schweiß- und Lackierschule. Zudem war Astra Rail der Initiator des in Arad in diesem Jahr eingeführten dualen Schulsystems,“ so Bernd Böse. Fakt ist, dass besser ausgebildete Fachkräfte auch zusätzlichen Mehrwert bringen.

Dieser Fachkräftemangel veranlasse die Unternehmen unter gegebenen Umständen mehr zu automatisieren und in maschinelle Einrichtungen zu investieren. „Dieses Investment ist aber meistens teurer als z.B. in Deutschland, so dass sich dieses eigentlich für die Unternehmen nicht rechnet“, so der Geschäftsführer des Arader Güterwaggonbauers.
Ein Investment in Rumänien lohne sich auf jeden Fall,, sagt Astra-Geschäftsführer Bernd Böse, „wobei ich aufgrund des Fachkräftemangels eine Ansiedlung außerhalb von Ballungsgebieten für sinnvoll halte.“

 

Immer weniger Erwerbslose

521.468 Menschen waren im August d.J. in der Wirtschaft der vier westrumänischen Verwaltungskreise tätig. 270.000 verdienten ihr Geld im Dienstleistungssektor, 238.000 waren in der verarbeitenden Industrie und im Bausektor beschäftigt und 14.000 arbeiteten in der Landwirtschaft. Das durchschnittliche Brutto-Einkommen lag bei 2.515 Lei. Netto verdienten am besten die Mitarbeiter in Industrie- und Bauwesen des Verwaltungskreises Temesch (2.059 Lei). Die niedrigsten Einkommen bezogen die Landwirte des Kreises Hunedoara, mit 1.147 Lei. Generell verdienten die Angestellten in der Industrie- und im Bausektor in den Kreisen Arad, Hunedoara und Temesch besser als in den beiden anderen Sparten – Landwirtschaft und Dienstleistung. Im Kreis Karasch-Severin, wo viel Schwerindustrie angesiedelt ist, waren die Löhne in der Industrie und im Bauwesen niedriger als in den anderen beiden Bereichen.

Die Zahl der Erwerbslosen ist in der West-Region innerhalb eines Jahres allgemein um 1500 Personen zurückgegangen. Am bedeutendsten war der Rückgang im Kreis Arad – mit etwa 1500 Bürgern – im Banater Bergland waren es etwa 350 und im Kreis Temesch zirka 600. Allein im Kreis Hunedoara hat die ohnehin gehobene Anzahl an Arbeitslosen weiter zugelegt und ist zwischen August 2014 und August 2015 um etwa 900 gestiegen. Im Kontext dieser konkreten Zahlen haben sich auch die Prozentsätze der als arbeitslos registrierten Personen verschoben. In den Verwaltungskreisen Arad, Karasch-Severin und Temesch sind auch prozentuell weniger Erwerbslose gemeldet, als vor einem Jahr, im Kreis Hunedoara wurde ein Anstieg von einem halben Prozentpunkt verzeichnet. Für August d.J. hat das Regionale Statistikamt in Temeswar folgende Prozentsätze errechnet: Arad – 2,4 Prozent, Karasch-Severin – 3,9, Hunedoara – 5,9 und Temesch - 1,4 Prozent.

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