IWF entwirft Hiobsszenario für Rumäniens Wirtschaft

Landeswährung könnte sich bis um 20 Prozent entwerten

Freitag, 26. Oktober 2012

Bukarest (ADZ) - Laut jüngstem Länderbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnten in Rumänien abermals harte Zeiten anstehen.
Das Fazit der Evaluierungsmission unter Leitung des neuen IWF-Chefunterhändlers Erik de Vrijer ließ die rumänischen Medien am Mittwoch hochschrecken: Der IWF verweist auf die andauernde politische Instabilität im Land, die sowohl Landeswährung als auch Reserven der Nationalbank erheblich unter Druck setzt.

Weitere Problempunkte sind die immer noch nicht abgebauten Verbindlichkeiten des Staates gegenüber der Realwirtschaft, das Schneckentempo bei Privatisierungen und die überaus schwache Absorptionsrate der EU-Fördermittel.

Den IWF-Experten zufolge ist Rumänien in den kommenden drei Jahren insgesamt fünf Risiken ausgesetzt: Bei einer sich zuspitzenden Schuldenkrise im Euro-Raum könnte sich die Landeswährung Leu um bis zu 20 Prozent entwerten und die Wirtschaft des Landes um bis zu 5 Prozent schrumpfen.

Des Weiteren würde im Fall eines Kapitalabzugs der ausländischen Geldinstitute die Kreditvergabe hierzulande zum Erliegen kommen, wobei ein blockierter Finanzmarkt neue Sparmaßnahmen unumgänglich mache. Ohne den Willen der politischen Klasse zu weiteren Reformen werde das Wachstum beeinträchtigt, zumal die Wirtschaft nicht durch EU-Fördermittel gestützt werde, heißt es im IWF-Bericht.

Kommentare zu diesem Artikel

Herbert, 28.10 2012, 15:33
Peter - ich gebe Ihnen mit fast allem recht. Aber nicht der IWF hat die Löhne der Staatsbediensteten gekürzt - sondern die rumänische Regierung. Der IWF hat so wie auch die EU bereits früher darauf hingewiesen, dass die Ausgaben für die Staatsbediensteten zu hoch sind und man hat auch gesagt, das man den Staatsapparat verkleinern soll (da war schon einmal die Rede von 100.000 weniger Beamte). Aber diesen Empfehlungen wurde nie Rechnung getragen. Es ist nicht so leicht sein Klientel vor die Tür zu setzen – da ist es schon viel einfacher ALLE Gehälter zu kürzen.
Der rumänische Beamtenapparat ist im Vergleich zu anderen EU Mitgliedstaaten VIEL ZU GROSS!
Peter, 28.10 2012, 14:07
Lieber Herbert,
natürlich muss es Reformen geben, aber wen kann es wundern, wenn etwa Ärzte die Hand aufhalten, die nur 200 Euro verdienen; wenn Lehrer unnötige Privatstunden geben müssen, um ihre knapp 300 Euro Lohn aufzubessern.
Wenn ich mir Löhne und Lebenshaltungskosten anschaue, muss mir bewusst sein, dass Korruption auf der untersten Ebene einfach Mittel zum Überleben ist. Das ist sehr traurig.
Statt allgemein die Löhne der Staatsbediensteten zu kürzen, wie es der IWF gemacht hat, muss der aufgebähte Staatsapparat verkleinert werden. Ja, aber auch an den richtigen Stellen, in der Hierarchie von oben nach unten, nicht umgekehrt. Mann muss den verdammten Altkommunisten endlich ihre Pfründe streitig machen und anständig arbeitende Menschen auch ihrer Arbeit entsprechend bezahlen. Wer genug für sich und seine Kinder nachhausebringen kann, muss auch nicht die Hand aufhalten!
sraffa, 28.10 2012, 00:39
Die Rumänischen Regierungen der letzten Jahre haben es unterlassen die wirklich wichtigen Probleme anzugehen. Durch diese Unterlassungen wird Rumänien seit Jahren ein ähnlicher Schaden zugefügt wie durch die verfehlte Industrialisierungspolitik der 70/80-Jahre unter Ceaucescu.
Herbert, 27.10 2012, 10:40
Helmut - manchmal wäre es besser Sie würden gar nichts schreiben. Ihr Ansatz, dass sich die innerwirtschaftlichen Probleme von selbst lösen, wenn die arbeiteten Menschen eine anständige und korrekte Leistung erbringen, klingt schön! Aber so funktioniert es nicht. Zuerst müssen seitens der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Aber solange jeder überall die Hand aufhält, können die Menschen arbeiten so viel sie wollen und es wird sich nichts ändern!
Ottmar, 26.10 2012, 23:12
Schauen wir auf die Fuehrungsproblematik bei TAROM, dann versteht man dn IWF. Kein westlicher Manager will mit korrupten Politikern gleich welcher Gesinnung zusammenarbiten. Noch ein Beispiel aus Deutschland. Die Commerzbang Arena von Eintracht Frankfurt hat 180 Millionen Euro gekostet. Das Nationalstadion in Bukarest gleiche Groesse sicher kein besserer Service hat 280 Millionen Euro gekostet. Warum ??????? Das meint der IWF
Manfred, 26.10 2012, 21:45
Wenn das eintritt+die schlechte Ernte,dann wird es ein harter Winter...Und die großen politischen Lager geben sich wie immer gegenseitig die Schuld daran,obwohl nichts dagegen unternommen wurde-der Wahlkampf ist wichtiger...
Helmut, 26.10 2012, 20:22
Ich würde dem Bericht des IWF auch nicht eine so große Bedeutung zumessen.Das Prognosen des IWF oft daneben waren,haben die letzten Jahre gezeigt.Es wird weder zum Kapitalabzug der ausländischen Geldinstitute noch zu einem erliegen des Kreditmarktes kommen.Einzig die Kreditvergabe wird unter strengeren Bedingungen erfolgen , dass wäre aber gar nicht so schlecht.Bei Kapitalabzug würden diese Banken sehr große Verluste erleiden .Die wollen verdienen aber nicht verlieren.Bei dem heutigen weltwirtschaftlichen Problemen sind fast alle Länder der Erde Risiken ausgesetzt,nicht nur Rumänien.Wenn die Wähler in Rumänien bei den Wahlen am 9.Dezember einer Gruppierung,welcher auch immer,einen deutlichen Regierungsauftrag erteilen wird sich auch die innenpolitische Situation stabilisiern.Es wäre äußest Interessant zu wissen,welche Reformen der IWF vorschlagen würde?.Hoffentlich nicht nur Belastungen für die Lohnabhängigen(Pensions-und Lohnkürzungen,Verschlechterung der sozialen Leistungen,neue Steuern auf die Güter des täglichen Gebrauches etc.)?Die Menschen (Arbeiter,Angestellte,Wirtschaftstreibende,Bauern etc.)sollen sich nicht verunsichern lassen,sonder einfach anständig und korrekt ihre Leistung erbringen , dann lösen sich manche innerwirtschaftlichen Probleme von selbst.Es stellt sich aber auch die Frage,welche politischen Interessen verfolgt der IWF mit solchen Prognosen???
Christian, 26.10 2012, 16:49
Economic Hit Man
Die im Spiegel-Artikel beschrieben wirtschaftlichen Ziele der USA, wie z.B. die Installation von Militärbasen, sind in Rumänien schon alle längst verwirklicht. Das Land ist bereits wirtschaftlich und politisch von der EU und den USA abhängig und einen Panamakanal haben wir nicht. Der Zugriff auf Öl und andere Ressourcen Rumäniens sollte auch kein Problem sein. Stellt sich also die Frage, welche Ziele der Economic Hit Man Jeffrey Franks noch verfolgen soll? Ich denke, es geht hier nur darum, dass Rumänien nicht als Absatzmarkt für Produkte und Dienstleistungen aus westlichen Industrienationen wegbrechen soll. Vielleicht weiß jemand mehr?
Peter, 26.10 2012, 14:32
Man sollte dieser Institution nicht zu viel Macht einräumen. Ich möchte hier auf einen Artikel es Spiegels verweisen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39834834.html

Natürlich braucht Rumänien Reformen, aber sicher nicht die, die der IWF vorschlägt ;)

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