Jägermigration und Privatisierung der Jagd

Jäger- und Anglerverband in Karasch-Severin beklagt Mitgliederschwund

Samstag, 05. Januar 2013

Jäger, die aus dem Verband ausgetreten sind, aber ihre Jagdwaffe nicht abgegeben haben, sind potenzielle Wilderer.

Der Kreisverband Karasch-Severin der Jäger und Angler AJVPS hat gegenwärtig 1600 zahlende Mitglieder, teilt Mircea Ciobanu, dessen langjähriger Leiter, mit. AJVPS hat die Pachtverträge für 40 Jagdgebiete mit insgesamt 45.000 Hektar abgeschlossen, von denen rund die Hälfte sich auf dem Verwaltungsgebiet von Karasch-Severin befinden. Damit ist die Zahl der AJVPS-Jagdpachten weiter geschrumpft, zugunsten der sich nach wie vor ausbreitenden privaten Jagdpachten, die per Ausschreibung von den Neureichen ersteigert werden.

Mircea Ciobanu: „So lange diese privaten Jagdpachten umsichtig verwaltet werden, sind sie für AJVPS eine durchaus sinnvolle, ja willkommene Konkurrenz, ja sogar eine Bereicherung der Jagdkultur und der Wildpflege. Von unserem Standpunkt ist bloß die gezielte Abwerbung guter Jäger und Wildpfleger problematisch, die von manchen Besitzern privater Jagdpachten betrieben wird. AJVPS hat in den letzten Jahren rund 600 zahlende Mitglieder durch solche Migrationen der Jäger verloren. Das ist für AJVPS hart.“

Dürre, Jägermigration und Wilderei

Die Dürre des Jahres 2012 habe, so Mircea Ciobanu, „grundsätzlich kaum bis keine negativen Auswirkungen auf den Wildbestand“ gehabt, „auf alle Fälle war sie weniger schädlich als die späten frühjährlichen Überschwemmungen anderer Jahre (etwa 2005), die ganze Nachwuchsjahrgänge an Fasanen, Rebhühnern und Wachteln oder Feldhasen ausgerottet und die Bestände an Rot- und Schwarzwild um ihren Nachwuchs weitgehend gelichtet haben.“ Das Niederwild habe sich trotz der langfristigen Wüstentemperaturen und des Austrocknens der Böden sowie verdorrender Vegetation ganz gut entwickelt. „Ich sehe 2012 trotz widriger Witterungsverhältnisse als ein für den Wildbestand gutes Jahr an“, fügt Ciobanu hinzu.
Ein Grund zur Sorge ist für den obersten Jäger des Banater Berglands die Tatsache, dass ein Teil der 600 Mitglieder, die AJVPS seit 2009 verlassen haben, sich in keinem anderen Verband wiederfinden lassen, aber andrerseits auch ihre Jagdwaffen nicht abgegeben haben.

„Wir sehen die Erklärung darin, dass diese Jäger, die nun keiner Jagdgesellschaft mehr angehören, vermutlich unter die Wilderer gegangen sind“, sagt Ciobanu. „Sie gehören heute wohl zum sich zunehmend verdichtenden Bestand der am Land ansässigen Wilderer, die wir im Banater Bergland nie – auch nicht im Kommunismus – so richtig in den Griff kriegen konnten. Zumindest sind diese Ex-Jäger potenzielle Wilderer. Noch sind sie weniger gefährlich als die Fallensteller und Schlingenleger, aber eine zunehmende Gefahr für den Wildbestand, vor allem auch, weil sie Schonzeiten kaum beachten. Wir haben es hier mit zwei Gesetzeslücken zu tun, die gnadenlos ausgenutzt werden: Einerseits wird nirgends ein Transfer von Jägern von einem Jägerverband zum anderen so geregelt, dass ein Jäger seine Spur nicht verwischen kann, andererseits kann man Besitzer von Jagdwaffen sein, ohne einem Jägerverband anzugehören. Das ist dann eine Art Lizenz zum Losballern.“

Waldschrumpfen und Fleischfresserplage

Das dritte große Problem sei die Tatsache, dass laut Gesetz bloß ein Wildhüter pro 10.000 Hektar Jagdpacht angestellt werden darf. Ciobanu: „Das ist entschieden zu wenig! Und wird überall durch Tricks geregelt.“
Und das vierte Problem ist die Vermehrung der großen Fleischfresser – vor allem Wolf und Bär – deren Lebensraum durch die wilden oder legalen Holzschläge und die endlos hinausgezögerte Wiederaufforstung unaufhörlich verengt wird. Dadurch werden die großen Fleischfresser aggressiver und durch den Geldhunger der Forsteinschlagunternehmungen immer enger an die menschlichen Siedlungen herangetrieben. Der Wald als Unterschlupf vieler Wildtiere schwindet auch als Barriere zwischen Menschen und ihren Haustieren und den großen Fleischfressern.
Die Jäger aber schrecken zurück, einerseits vor den hohen Abschussprämien und der langwierigen Bürokratie für die Bärenjagd und andererseits vor der jagdtechnisch mühevollen und finanziell und trophäenmäßig kaum Genugtuung schaffenden Wolfsjagd.

Mitgliedsbeiträge unverändert

Zur Schädigung des Wildbestands, aber auch des waldnah gehaltenen Haustierbestands tragen in den letzten Jahren, laut Mircea Ciobanu, allerdings auch die Zunahme des Luchs- und Wildkatzenbestands im Banater Bergland bei und nicht zuletzt auch die steigende Zahl der verwilderten Hauskatzen und der streunenden Hunde, die vor allem die waldreicheren Räume um die menschlichen Siedlungen von Niederwild „säubern“.

AJVPS Karasch-Severin verwaltet gegenwärtig 45.000 Hektar Jagdpacht. Laut rumänischen Standards hätten auf dieser Pacht 1800 Jäger Beschäftigungs- und Freizeitmöglichkeiten. Ciobanu: „Auf der in Kürze stattfindenden Jahrestagung von AJVPS werde ich einmal mehr – wie seit drei Jahren – für die Beibehaltung der Mitgliedsgebühr im Jägerverband von 1250 Lei/Jahr plädieren und für weiterhin 110 Lei/Jahr im Anglerverband. Da unsere Jagdpacht auf 40 Jagdgebiete gesplittet ist, bleiben wir auch bei ebenso vielen Jagdwächtern.“

Was die Wiederbevölkerung der Jagdpachten von AJVPS betrifft, so hofft Ciobanu, durch das zuständige Ministerium 2013 mehr Geld dafür zu bekommen als „in diesem ziemlich verwirrenden Jahr 2012, mit seinen drei Regierungen“. Auch hofft er, dass die längst den Parlamentskammern vorliegenden Novellierungen der Jagdgesetzgebung und des Vereinsrechts zur Gesetzeskraft reifen werden.

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