Jeder kann ein Forscher sein

Warum wir Nachdrucke gern haben

Samstag, 29. Oktober 2016

Hermannstadt im Jahre 1790
Honterus Verlag

Von zwei Umschlagseiten muss man ausgehen:
Reisekalender von Hermannstadt auf das Jahr 1790 und - Versuch eines kurzgefassten Handbuchs, beide verlegt von Martin Hochmeister.
Das wundert einen nicht, denn es handelt sich um ein und dasselbe Buch. Das Werk als Kalender war erst im Frühjahr 1790 fertig geworden und hat sich nicht erwartungsgemäß verkauft. Das wundert einen ebenfalls nicht, denn ein Kalender muss auf dem Herbstmarkt angeboten werden. Was macht ein Kaufmann in diesem Fall? Er lässt die Monate und die Heiligen weg, bindet das Werk noch einmal und verkauft es als Handbuch. Geschrieben aber wurde das Werk von siebenbürgischen Freimaurern, die auch für die Zeitung von Martin Hochmeister gearbeitet haben. Dabei handelt es sich um Martin Hochmeister den Sohn, der gerade 22 war und den Betrieb von seinem Vater geerbt hatte.

Nachgedruckt hat der Honterus Verlag natürlich die vollständige Fassung. Bemüht haben sich darum Cornel Lungu und Liliana Popa. Wobei es sich um die Herstellung der deutschen Druckvorlage handelt – Transkription aus der gotischen Schrift, Vervollständigung aus vier nur teilweise erhaltenen Exemplaren -, aber auch Übersetzung ins Rumänische, denn der Band ist zweisprachig. Dann wieder hat Liliana Popa ihre Einführung und die Vorbemerkung Rumänisch ge-schrieben,und diese aufschlussreichen Texte wurden von Isolde Huber ins Deutsche übersetzt.
Warum hat der heutige Leser ein Buch dieser Art überaus gern? Weil er selber alles nachprüfen und erforschen kann: Wann und wo Jahrmarkt ist, wieviel alles kostet, wo welcher Handwerker sein Geschäft hat, wo man übernachten kann..

Wann kommt die Post?

„Die fahrende Post oder sogenannte Diligence, kommt alle Monate einmal von Wien über Ofen und Temeswar in Hermannstadt an, und nimmt sowohl Passagiere, als auch Geld, Pretiosa, wie auch andere Frachtstücke mit. Ihr gewöhnlicher Aufenthalt in Hermannstadt ist nach Verhältnis der Umstände zwei, drei bis vier, im Sommer wohl auch acht Tage, nach deren Verlauf sie wieder über Temeswar und Ofen zurückgeht.“
Ausländische Reisende werden gewarnt vor der Nachtluft und vor dem guten Essen:
„Ausländer, welche nach Siebenbürgen und in das benachbarte Ungarn reisen, müssen sich vor der Nachtluft dieser Gegenden wohl in Acht nehmen, denn wenn es auch bei Tage sehr warm, ja brennend heiß ist, so fällt doch sehr oft eine außerordentlich kühle Nacht ein...

Die hiesigen Provinzen haben vortreffliche Weine, gutes fettes Fleisch, herrliches Geflügel, Wildbrett, Früchte, der Fremde, welcher noch nicht an die Nahrungsmittel dieser Länder gewöhnt ist, muss sich bei diesen Umständen einer klugen Mäßigkeit befleißigen. Der Wein ist stark, er erhitzt und geht häufig ins Geblüt. Das fette Fleisch kann einem nicht daran gewöhnten Magen mancherlei Übelkeiten zuziehen. Der Reisende wird also wohl tun, wenn er, wenigstens anfangs, mit Vorsicht und Enthaltsamkeit jene Landesprodukte mäßig genießt.“
Tabelle Trink- und Schmiergelder: Diese Tabelle kann auffallen, weil alles genau k.u.k. geregelt war, wieviel Trinkgeld der Postillion bekommt – das konnte ihn aber nicht zu schnellerem Fahren anhalten, denn er hatte einen Fahrplan und den musste er einhalten – dann das Schmiergeld, 12 Kronen, es war aber tatsächlich für die Wagenschmiere und den Schmierer bestimmt, hier richtig übersetzt mit „gresat“.

Hans Liebhardt

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