Jobs auf Acker, Weinberg und im Ostgarten

Zahl der Gelegenheitsarbeiter legte erheblich zu

Mittwoch, 13. März 2013

Das Areal vor dem Temeswarer Nord-Bahnhof gilt vor Ort als größte Sammelstelle für Tagelöhner. Sowohl für legale Arbeit, als auch für Schwarzarbeiter.

Pavel Kasai: „In der Baubranche dürfen keine Tagelöhner beschäftigt werden“. Fotos: Zoltán Pázmány

Gerade in Zeiten, in denen Stellen im Staatssektor nur bedingt neu besetzt werden können, sei das Gesetz der Tagelöhner ein besonderes Entgegenkommen, sagt Ciprian Cipu, Direktor im Temeswar Zentrum für Volkskunst und Kultur. „Künstler aller Art können über diese Schiene eingestellt werden“, sagt Cipu und dabei gehe es nicht um unqualifiziertes, billiges Personal, sondern auch „um Fachleute in der Regieführung, um Interpreten und Musiker, die zum Teil bereits Rentner sind, doch gehobene Qualität auf die Bühne bringen“. Fast um das Dreifache ist zuletzt die Zahl der Tagelöhner im Bereich der kultur-künstlerischen Vorstellungen gestiegen. Im Jahr 2011 waren es 97.000 Arbeitstage, die im Bereich der Kunst gemeldet waren, ein Jahr später stieg diese Zahl auf 270.000.

„Ausbeutung“ nennt es der Mann. Zwischendurch nippt er an seinem Kaffee, und nimmt sofort seine Kritik an der Marktwirtschaft auf. 2,5 Lei wollte ihm vor mehr als einem Jahr der Inhaber eines Fischteichs pro Stunde bezahlen, damit er „für den Inhaber die Angel ins Wasser“ hält. Rhetorisch fragt er sich, was man mit 2,5 Lei pro Stunde anfangen kann. Zwischen 2 und 10 Lei kann nämlich laut Gesetz der Arbeitgeber einem seiner Tagelöhner bezahlen. Die Summe muss nach jedem Arbeitstag auf den Tisch.

Der Direktor des Temescher Arbeitsamtes ITM, Pavel Kasai, zeigte der Banater  Zeitung Vorteile dieses Gesetzes auf, die sogar über die Möglichkeit hinausgehen, befristete Arbeiten unter legalen Verhältnissen durchzuführen. Weil es hier vorwiegend um unqualifizierte Arbeitskräfte geht, „kann die Variante als Tagelöhner auch dazu gut sein, eine Vorauswahl zu treffen, um später den ein oder anderen mit einem dauerhaften Vertrag zu beschäftigen“, sagt Kasai. Um im Tagelohn eine Beschäftigung zu bekommen, muss die jeweilige Person mindestens 16 Jahre alt sein. Bei Minderjährigen wird der Arbeitstag auf sechs Stunden befristet. Ein Tagelöhner darf laut Gesetz nicht mehr als zwölf Stunden pro Tag arbeiten, wird er jedoch unter der Norm eines gewöhnlichen Arbeitstages von acht Stunden beschäftigt, erhält der Gelegenheitsarbeiter trotzdem einen Lohn für acht Stunden. Gerade beim Stundenlohn würden die meisten Arbeitgeber feilschen und die Situation nutzen, „weil die Arbeitnehmer eh schon zur Arbeit erschienen sind, das Geld dringend nötig haben und sich deshalb auf niedrige Bezahlung und Kompromisse einlassen“, heißt es bei den Tagelöhnern. Ohne bezahlt zu werden seien sie jedoch noch nie nach Hause gegangen, auch wenn der Arbeitgeber „am Abend auch schon versuchte, mit irgendwelchen Argumenten nochmals den Lohn zu senken“.

Landesweit hat sich die Zahl der Dienstleistungen über Tagelöhner innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, doch das ist grundsätzlich keine Überraschung, denn das Gesetz für Gelegenheitsarbeit trat erst am 1.Juli2011 inKraft. 2011 waren es 150.000 Personen, die in diesem System einen Vertrag erhalten hatten, im vergangenen Jahr waren es bereits 341.000 Verträge. Zahlenmäßig waren sowohl 2012 aber auch im Jahr zuvor die meisten Tagelöhner in der Landwirtschaft beschäftigt.

Auch in den branchenverwandten Bereichen Obst- und Weinbau, sowie in der Forstwirtschaft arbeiteten viele mit Tagelöhnervertrag. Prozentuell gesehen, war jedoch der Wachstumssprung im Jahr2012 inanderen Sparten führend: So stieg die Anzahl der Tagelöhner bei Reinigungsarbeiten um mehr als das Dreifache, bei der Warenmanipulation, in der Tierzucht, im Forstwesen und im Bereich der Kulturveranstaltungen nahm die Anzahl der befristeten Mitarbeiter im Tagelohn jeweils um nahezu 300 Prozent zu. Die wenigsten Personen arbeiteten in den zehn gewerteten Sparten im Bereich der Bienenzucht, wo insgesamt knapp unter 5400 Arbeitstage verbucht wurden. Der Anstieg war ebenfalls relativ gering: 800 Tage mehr im Gesamtjahr 2012 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten im Jahr zuvor.

Seit Mitte 2011, als das Gesetz der Tagelöhner in Kraft trat, wurden an Firmen im Kreis Temesch 343 Register zur täglichen Eintragung des jeweiligen Arbeitnehmers vergeben. Durchschnittlich arbeiten derzeit 9.500 – 10.000 Tagelöhner pro Monat in den verschiedenen Bereichen im Kreis Temesch, sagt der Leiter des Arbeitsamtes, Pavel Kasai. Insgesamt wurden in den etwa 1,5 Jahren der geregelten Tagelöhner-Arbeit 157.081 Tage abgeleistet. Die weitaus meisten Jobs wurden auf Kreisebene im Obst- und Weinbau angenommen (64.745 Tage), im Forstwesen waren es27.539, inder Landwirtschaft20.330, inder Veranstaltung von Kulturauftritten 15.770 und bei den Reinigungskräften wurde der Tagelohn 12.931 Mal ausbezahlt.

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