Jubiläum im Volksbad

Spaß, Entspannung und Kur im Herzen der Stadt

Freitag, 12. Dezember 2014

Die Badeanstalt kurz nach ihrer Eröffnung am 11. Dezember 1904.

Unter den wachsamen Augen ihrer Eltern lernen Kinder im Volksbad schwimmen. Foto: Rathaus Hermannstadt

Hermannstadt – Am gestrigen Donnerstag beging das Hermannstädter Volksbad „Neptun“ sein 110-jähriges Jubiläum. Das 1904 errichtete Bauwerk des Architekten Karl Müller, der auch das Müllersche Volkbad in München entwarf, hat seine Baustruktur und Ausstattung bis zum heutigen Tag erhalten. Das in der Mühlgasse/A. Şaguna gelegene Volksbad wurde in zwei Schritten errichtet: als erstes wurde das eigentliche Bad gebaut und am 11. Dezember 1904 eröffnet, anschließend begannen 1905 die Arbeiten am restlichen Kurkomplex, die 1906 fertiggestellt wurden.

Die Eröffnung des vormalig „Badeanstalt“ genannten Komplexes sorgte auch in der internationalen Presse für Aufsehen. So erschien in der Ausgabe Nr. 42 der Münchner Süddeutschen Bauzeitung vom 19. Oktober 1907 der Beitrag „Bade- und Kuranstalt in Hermannstadt (Siebenbürgen)“, in welchem der Architekt K. Hocheder zum Volksbad schrieb: „Die Hermannstädter Allgemeine Sparkasse hat unter ihrem verdienstvollen Direktor Dr. Wolff eine vor Jahresfrist vollendete, in den beigefügten Plänen näher ersichtliche Bade- und Kuranstalt auf einem ihr gehörigen Grundstücke errichtet, welches nach Nordosten gegen den Stadtgarten und gegen Südwesten nach der Mühlstrasse grenzt.“

Der Münchner Architekt geht in seinem Artikel auch auf die Ausstattungen des Kurkomplexes ein: „Es enthält eine Schwimmhalle mit einem 180 qm Flächenraum fassenden Wasserbecken, ein Dampf- und römisch-irisches Bad mit 24 Ruheplätzen, ein Wannenbad mit zehn in zwei Klassen geschiedenen Wannen, ein Brausebad mit sieben Brausestellen, endlich zwei Räume für medizinische Bäder. Das Schwimmbad, in der üblichen Weise mit Umgängen in zwei Geschossen ausgeführt, besitzt zirka 35 Kabinen, 49 offene Auskleideplätze, eine geräumige Vorreinigungsstelle mit Fusswannen und Duschen ausgestattet.

Die Wände sind unten mit grauen, italienischen Marmorplatten verkleidet, im übrigen wie auch die in Rabitz hergestellte gebogene Decke rauh verputzt und geweisst. Der Fussboden ist mit roten Tonplättchen belegt; das mit Gefälle versehene Becken ist mit graugrün glasierten Tonplättchen ausgekleidet, welche dem Wasser eine quellfrische Färbung geben. Für den Abendbetrieb sind elektrische Bogenlampen an drehbaren Wandarmen vorgesehen. Der Wasserzulauf am seichten Ende des Bassins hat die Gestalt eines Brunnenbeckens aus einem dichten, gelblichen Kalkstein, aus dem auch die Beckeneinfassung hergestellt ist. Vom Vestibül aus rechts ist der Zutritt zu den Dampf- und römisch-irischen Bädern eingerichtet, und zwar betritt man zunächst den Auskleideraum mit 25 Ruhe- und Auskleidekabinen. Diesem zunächst liegt das Dampfbad, gegenüber das Warm- und Heissluftbad und am Ende eines kurzen Ganges der Brause- und Bassinraum mit zwei Wasserbecken und einem danebenliegenden Massageraum. Links vom Eingang, im Vestibül, führt eine Treppe zum Obergeschoss, zu den Auskleidekabinen, und offenen Auskleideplätzen des Schwimmbades, sowie zu dem aus sieben Zellen bestehenden Brausebad und zu den in zwei Klassen vorgesehenen Wannenbädern.“

An der Errichtung des Komplexes im Gesamtwert von damals 730.000 Kronen beteiligten sich die Firmen Maetz (Erd- und Mauerarbeiten), Janós Piai aus Budapest (Eisenbetonarbeiten), die Zsolnaysche Porzellan-Aktiengesellschaft aus Budapest (Verkleidung der Wände mit glasierten Blättchen), die Klausenburger Firma Thomas Gerstenbrain (Steinarbeiten) sowie die Münchner Firma H. Recknagel (Badeeinrichtungen).

Seit 2006 führt die Stadtverwaltung umfassende Instandhaltungsarbeiten am Volksbad durch, unter anderem an der Fassade, den Böden, dem Schwimmbecken sowie der Sauna. 2008 wurde der Bereich der medizinischen Bäder renoviert. In den Jahren 2009 und 2010   ließ die Stadtverwaltung die Hofanlage wieder instandsetzen. Bis Ende 2014 sollen die Sauna und die dazu gehörenden Bassins sowie der Friseur- und der Kosmetiksalon  modernisiert werden.
Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums hat die Stadtverwaltung dem Bad seinen ehemaligen Namen „Hermannstädter Volksbad/Baia Populară Sibiu“ wiedergegeben und eine eigene Internetseite unter der Adresse baiapopulara.sibiu.ro eingerichtet.

Informationen zu den Eintrittspreisen sowie dem gesamten Angebot des Volksbades können Interessenten unter der oben angegebenen Internetadresse erfahren.

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