Jubiläumstreffen der Deutschen im Altreich in Târgoviște

Auch Vertreterversammlung mit Wahlen / Dr. Klaus Fabritius als Vorsitzender des Altreichforums wiedergewählt

Dienstag, 26. Juni 2018

Mit Blasmusik marschierte der Trachtenzug durch das Zentrum der Stadt Târgoviște.

Mit der Kindergruppe „Harmonie“ ist in Piatra Neamț, wo mit „Edelweiß“ vor 13 Jahren die erste Sing- und Tanzgruppe im Altreich entstanden ist, für Nachwuchs gesorgt.

Unter der Regie von Carmen Cobliș (am Mikrophon) wird die Stafette übergeben: Sigrid und Mihai Popescu (rechts) wird für ihren Einsatz gedankt, das nächste Treffen der Deutschen im Altreich wird das Forum Jassy mit der Vorsitzenden Astrid Agache (in ihrer Mitte) aurichten.
Fotos: Rohtraut Wittstock

Wenn sich die Deutschen aus dem Altreich treffen, das heißt jene aus den Gebieten außerhalb des Karpatenbogens von Craiova bis Jassy/Iași, dann sind das immer zwei intensive, volle Tage, zusätzlich Anreise- und Abreisetag. Denn sie leben in großer Zerstreuung, sie müssen große Entfernungen überwinden, um zusammenzukommen, und der organisatorische wie finanzielle Aufwand seitens des Veranstalters, des Demokratischen Forums der Deutschen im Altreich als Untergliederung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), ist beträchtlich. So sind diese Treffen nicht nur dem Feiern vorbehalten, sondern es werden auch eine Vertreterversammlung und alle vier Jahre auch Vorstandswahlen abgehalten. Das war auch in diesem Jahr der Fall, als das 10. Treffen, also eine Jubiläumsausgabe, vom Donnerstagabend, dem 21. Juni, bis zum Sonntagmorgen des 24. Juni in Târgoviște stattfand.

Beteiligt haben sich an dem Treffen über 200 Forumsmitglieder, Teilnehmer an den mitwirkenden 14 Tanz- und Musikensembles, zahlreiche Gäste aus den anderen Regionalforen. Als Ehrengäste konnte der Vorsitzende des Altreichforums, Dr. Klaus Fabritius, den DFDR-Vorsitzenden Dr. Paul-Jürgen Porr, den DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț, die Unterstaatssekretärin im Departement für interethnische Beziehungen, Christiane Cosmatu, und den Vertreter der Deutschen Botschaft in Bukarest, Götz Ortmann aus dem Kulturreferat, begrüßen, ebenso die Vorsitzende des Regionalforums Buchenland, Antonia Gheorghiu, den interimistischen Vorsitzenden des Regionalforums Nordsiebenbürgen, Josef Hölzli, und den Geschäftsführer des Zentrumsforums Bistritz, Thomas Hartig.

Herzlich begrüßte die Anwesenden auch Sigrid Popescu, die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Târgoviște, die Carmen Cobliș, Geschäftsführerin des Altreichforums und Hauptorganisatorin des Treffens, mit ihrem Mann Mihai Popescu vor Ort maßgeblich unterstützt hat.

Die Vertreterversammlung begann mit einem Festvortrag des Vorsitzenden Dr. Klaus Fabritius. Darin bot er einen kurzen Abriss der Geschichte der Deutschen in der Walachei und in der Moldau, die bereits im 13. Jahrhundert begann, als Siebenbürger Sachsen über die Karpaten zogen und sich in mehreren Ortschaften niederließen. Am längsten konnte sich die deutsche Gemeinde über die Jahrhunderte in Câmpulung Muscel/Langenau halten. Der Redner streifte die Geschichte im 20. Jahrhundert mit Krieg und Deportation und ging dann auf die Entwicklung nach der Wende ein, als noch in den Dezembertagen 1989 das Bukarester Demokratische Forum der Deutschen gegründet wurde. Bald folgten die Forumsgründungen auch in den anderen Städten des Altreichs.

Dr. Fabritius betonte auch die Bedeutung des Deutschunterrichts für die Erhaltung der deutschen Sprache und Identität der Forumsmitglieder. Das Goethe-Kolleg in Bukarest ist zurzeit die einzige Schule für Muttersprachler im Altreich, sie umfasst 1884 Schüler. An zahlreichen anderen Schulen wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aber darüber hinaus pflegen mehrere beherzte Deutschlehrerinnen auch das deutsche Kulturgut und leiten Chöre oder Tanzgruppen.

Heute umfasst das Altreichforum 16 Zentrums- und Ortsforen, in denen 1595 Mitglieder wirksam sind, wie aus dem anschließenden Bericht über die Tätigkeit des Altreichforums in den letzten vier Jahren hervorging. Dass diese deutschen Foren mit ihren Mitgliedern und Sympathisanten eine politische Kraft darstellen, zeigt sich deutlich bei den Parlamentswahlen. Der Abgeordnete Ovidiu Ganț konnte im Altreich ein Drittel der für das DFDR abgegebenen Stimmen verzeichnen, im Jahr 2012 waren es 33,18 Prozent der DFDR-Stimmen, bei den letzten Parlamentswahlen 2016 waren es 32,72 – das ist zwar weniger als in Siebenbürgen (41,01 Prozent), doch entschieden mehr als im Banat (13,6 Prozent) und in den anderen Regionen mit deutscher Minderheit.

In den Lokalforen wird eine reiche kulturelle Tätigkeit entfaltet. Es werden Musik- und Tanzveranstaltungen sowie Vorträge angeboten und Publikationen herausgebracht. Innerhalb des Altreichforums wirken heute vier Sing- und drei Tanzgruppen. Im Vorjahr wurden die Glossen von Benjamin Józsa in dem Buch „Aufgespießt“ neu aufgelegt, während die „Geschichten über Astrid“ von Karin Gündisch in einer ersten rumänisch-deutschen Fassung erschienen. Eine zweite Auflage wurde auch von Hans Petris Werk „Geschichte der deutschen Siedlungen in der Dobrudscha“ in rumänischer Übersetzung herausgegeben.

Auch ein neues Buch konnte bei dieser Gelegenheit vorgestellt werden, und zwar das ebenfalls zweisprachige, deutsch-rumänische Fotoalbum „Faszination Donaudelta / Fascinația Deltei Dunării“ von Klaus Fabritius und Mircea Gogu Bogdan. Es umfasst wunderbare Landschaftsaufnahmen und Fotos von Vögeln im Delta.

Erwähnt wurde bei der Sozialarbeit die Verteilung der jährlichen Einzelhilfen für bedürftige Forumsmitglieder sowie der Zuwendungen für die ehemaligen Russlanddeportierten seitens der Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Betreuung von Personen mit besonderen Bedürfnissen geschieht auch durch die Diakonie der evangelischen Kirche und durch den Hilfsverein der deutschen Katholiken in Bukarest, gefragt ist jedoch, vor allem in den anderen Städten, viel Eigeninitiative in diesem Bereich. Dr. Fabritius dankte den Forumsvorsitzenden für ihren Einsatz.
Carmen Cobliș stellte als Geschäftsführerin der Stiftung „Transcarpatica“ den Bericht über die Tätigkeit in den letzten zwei Jahren vor, in denen insgesamt 32 Projekte gefördert wurden, und zwar Textilfirmen, Arztpraxen, Betriebe zur Herstellung von Holzspielzeug, Tourismuswerbung und eine Autowerkstatt. Diese Unternehmen unterstützen die Forumstätigkeit und gehörten auch zu den Sponsoren dieses Altreichtreffens. Hervorgehoben wurden die Frischmittel, die die Bundesregierung für die Wirtschaftsstiftungen zur Verfügung stellt, ohne diese wäre ihre künftige Tätigkeit nicht möglich.

Die Vorstandswahlen waren sehr gut vorbereitet worden, es gab einen Vorwahlprozess mit Kandidatenvorschlägen. Dr. Klaus Fabritius wurde einstimmig erneut zum Vorsitzenden des Altreichforums gewählt. Bestätigt wurden auch die anderen Mitglieder des Vorstands: Christiane Cosmatu, Vorsitzende des Forums Bukarest, Dr. Adelheit Dăneț, Vorsitzende Craiova, Sigrid Popescu, Vorsitzende Târgoviște, Rohtraut Wittstock, Dan Rudy Matzner, Vorsitzender Piatra Neamț und Mihai Todașcă, Vorsitzender Bacău.

Der Höhepunkt des Treffens war das Kulturprogramm, bei dem alle Forumsensembles mitmachten. Zum „Theater „Tony Bulandra“ wurde in einem von den Passanten aufmerksam verfolgten Trachtenzug marschiert, vorneweg die Blaskapelle Chindia Brass Târgovi{te. Die Frauen waren meist in Dirndl gekleidet – die Deutschen im Altreich kamen nicht in kompakten Siedlungsgruppen und haben keine spezifische Tracht entwickelt. Einen Blickfang stellten die Bistritzerinnen und Bistritzer mit ihren schwarz bestickten weißen Trachten dar.

Am Kulturprogramm haben zunächst alle Ensembles des Altreichforums teilgenommen: die vier Singgruppen „Donaustimmen“ aus Galatz/Galați, „Edelweiß“ und „Harmonie“ aus Piatra Neamț, „Zwei mal zwei“ aus Bacău und die drei Tanzgruppen „Ringelreihn“ aus Bacău, „Enzian“ aus Jassy und „Sonnenschein“ aus Moinești. Eine Bereicherung stellten alle Gastensembles dar. Eine starke Delegation kam aus Reschitza mit dem Franz-Stürmer-Chor, der Tanzgruppe „Enzian“ und dem Duo „Intermezzo“, hinzu kam der Chor Edelweiß aus Kimpolung/Câmpulung Moldovenesc in der Bukowina und den krönenden Abschluss bildete das Trio Saxones. Letzteres bestritt gekonnt auch zwei Unterhaltungsabende, bei denen fröhlich das Tanzbein geschwungen wurde, doch auch am letzten Abend, bei dem „Zwei mal zwei“ und noch mehrere andere Musikgruppen auftraten, war es nicht anders. Es gab auch Überraschungen während dieser Abendprogramme, und zwar ein kleines Tanzpaar aus Piatra Neamț, das moderne Tänze in bewundernswerter Dynamik ausführte und auch eine viel applaudierte Sängerin aus Kimpolong meldete sich mit Liedern zu Gitarre.

Im Foyer des Theaters wurden zwei Ausstellungen gezeigt, die beliebten Gemälde mit naiver Malerei der schon allseits bekannten Doina Hlinka, Gustav Hlinka und Viorica Farcaș aus Reschitza und eine Ausstellung mit groß dimensionierten Fotos von Dr. Klaus Fabritius zum Thema: die Kulturgruppen des Altreichforums. Es war eine Freude, die Überraschung der Sänger und meist jungen Tänzerinnen und Tänzer zu beobachten, die sich auf den Bildern selbst wiedererkannten.

Am Ende stellten sich alle Teilnehmer zum Schlussbild auf, die Bühne war voll besetzt. Und da wurde auch die Stafette übergeben: Unter der Regie von Carmen Cobliș übergab Sigrid Popescu die Verantwortung als Festausrichter an Astrid Agache, Vorsitzende des Forums in Jassy. Das nächste Treffen der Altreichdeutschen wird also 2020 in Jassy stattfinden.

Mit einem Ausflug am Samstag in das Bucegi-Gebirge, in die Ialomi]a-Höhle bei Peștera, und zu einem ökumenischen Zentrum in Vulcana Băi in der Nähe von Târgoviște fand das Treffen 2018 nach einem ausgelassenen Tanzabend sein Ende.

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