Jüdische Spuren in Bukarest führen zum Wettbewerbssieg

Junge Lehrer schreiben Reiseführer auf den Spuren der Minderheiten

Dienstag, 15. September 2015

Die Fachberater Birgit Söldenwagner, Birgit van der Leeden und Dieter Jaeschke (von li.) gratulieren den Elftklässlern des Deutschen Goethe-Kollegs Bukarest zum ersten Platz.
Foto: Alexander Klysik

„Die wichtigsten jüdischen Sehenswürdigkeiten in Bukarest liegen ganz in der Nähe der touristischen Zentren, doch besucht werden sie kaum. Vielleicht ändert sich das ja nun durch unseren Reiseführer…“ Vlad, Irina, Teodora und Diana aus der neuen Klasse 11A des Deutschen Goethe-Kollegs in Bukarest und ihre Lehrerin Kathrin Jarosch können es noch nicht ganz glauben: Ihr Beitrag „Auf den Spuren der jüdischen Minderheit in Bukarest“ hat den DSD-Wettbewerb (DSD - Deutsches Sprachdiplom) der ZfA-Koordinatoren in Rumänien (ZfA - Zentralstelle für das  Auslandsschulwesen im Bundesverwaltungsamt Deutschland ) gewonnen.

„19 Minderheiten sind in Rumänien offiziell anerkannt, und sie haben ein reiches kulturelles Erbe hinterlassen“, sagt Birgit van der Leeden, ZfA-Fachberaterin in Hermannstadt. „Deshalb haben wir unsere DSD-Schüler eingeladen, in ihrem Umfeld auf Spurensuche zu gehen.“ 130 Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen begannen die Recherche, zogen mit Kamera und Notizblock los – und reichten eine Vielzahl von Arbeiten in Form von Klappkarten ein, selbst aus Serbien und der Republik Moldau gab es Bewerbungen. Die 15 besten Beiträge wurden Mitte September beim DSD-Seminar mit knapp 40 Lehrerinnen und Lehrern aus dem ganzen Land in Mediasch in Siebenbürgen vorgestellt.

Während sich die Pädagogen auf das neue Schuljahr vorbereiteten, stellten die jungen Leute einander ihre Beiträge vor, lernten sich und Mediasch bei einer Stadtrallye besser kennen – und feilten gut betreut von den Workshopleitern Mathias Heinrich, Kathrin Jarosch, Waldemar Knoppik und Thilo Herberholz an der Gestaltung des Finalabends. Wie bei einer kleinen Touristikmesse hatten die Gäste dabei die Gelegenheit, von Stand zu Stand zu gehen, sich mit den Jugendlichen über ihre Arbeiten auszutauschen, touristisch inspirieren zu lassen – und schließlich auf einem Bewertungsbogen ihr Votum abzugeben. Der Sieg der Bukarester war mit 521 Punkten eindeutig, es folgten die Schülergruppen vom Nationalkolleg „Alexandru Papiu Ilarian“ in Neumarkt am Mieresch/Târgu Mureş und die Gruppe vom Kogălniceanu-Lyzeum in Chişinău aus der Republik Moldau auf den Plätzen zwei und drei.

Die Stadt Neumarkt am Mieresch ist aufgrund ihrer beinahe paritätischen Zusammensetzung einer ungarischen wie einer rumänischen Bevölkerung für das Thema besonders prädestiniert; auch die deutsche Minderheit spielt hier eine Rolle, weshalb es bis heute am „Papiu“ eine deutsche Abteilung gibt. So freuen sich die Lehrerinnen Zsuzsanna Vekov und Helmine Pop ganz besonders über den Erfolg ihrer Schüler. Die Gruppen auf Platz zwei und drei hatten ihre Reiseführer gleich mehreren Minderheiten gewidmet. „Die Republik Moldau ist eben multikulti“, schmun-zelte Viorel Gurdi{, einer der Drittplatzierten. „Unsere Schüler waren über die Einladung besonders glücklich, da ihnen jeder Austausch mit Jugendlichen aus der EU viel bedeutet“, so Anna Karaivan, Deutsch-als Fremdsprache-Lehrerin in Chi{in²u. Finanziert wurde der Wettbewerb aus Sondermitteln der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA).

Auch die Lehrer sind über die Gelegenheit zum Austausch froh. „Das Einführungsseminar ist ein wichtiges Forum, auf dem sich einmal im Jahr alle aus Deutschland nach Rumänien vermittelten Lehrkräften treffen und austauschen können“, sagt Birgit Söldenwagner, Fachberaterin in Temeswar. Das „Überleben“ im rumänischen Schulsystem, die angemessene Vorbereitung auf das Deutsche Sprachdiplom (DSD) sind dabei Themen – aber auch die Beschäftigung mit neuen Lehrwerken. „In Rumänien wird gern noch mit lang eingeführten Titeln gearbeitet“, hat Dieter Jaeschke, Fachberater in Bukarest, festgestellt. „Dabei bereitet deren neue Generation viel besser auf sprachliche Kompetenzprüfungen vor.“ Wie auch jüngere neurodidaktische Erkenntnisse in die einst auch mal drögen Schulbücher eingezogen sind, zeigte Referentin Anne Robert am Beispiel des Lehrwerks „Beste Freunde“ vom Hueber-Verlag.

Beste Freunde haben auch viele Roma-Kinder in der Umgebung von Mediasch bei Ruth Zenkert und Pater Georg gefunden. Bei einer Exkursion besuchten die DSD-Lehrer die Musikschule des Sozialwerks Elijah in Holzmengen, in der Roma-Kinder beim Musikunterricht Wertschätzung erfahren und ihre Talente entdecken können. Bei einem mitreißenden Konzert zeigten die Schützlinge ihr Können, sodass anschließend viele Lehrerinnen und Lehrer gern für diesen guten Zweck etwas spendeten.


Weitere Informationen:
http://www.elijah.ro

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