Jugendwohnungen überteuert

Landesweiter Einheitspreis schreckt Reschitzaer Käufer

Dienstag, 17. September 2013

Reschitza – In Reschitza stehen sechs Wohnblocks mit sogenannten Jugendwohnungen, also Wohnungen für Jungverheiratete oder junge Ehepaare, die mittels einem Staatsfonds (ANL) gebaut wurden. Da es von aller Anfang an hieß, dass die Mieter diese Wohnungen nach einer gewissen Bewohnzeit kaufen können, liegen der Stadt gegenwärtig 105 Kaufgesuche vor. Seit allerdings bekannt gegeben wurde, dass in Bukarest ein Einheitspreis von 326 Euro pro Quadratmeter für alle in Ruänien existierenden ANL-Wohnungen festgelegt wurde, hat sich kein potenzieller Käufer mehr bei der Stadt gemeldet. Ursprünglich und meist kurze Zeit nach dem Beziehen der Wohnungen hatten viele der Mieter diverse Baufehler reklamiert und deren Beseitigung gefordert. Keiner der potenziellen Käufer, die jetzt von der Stadt gefragt wurden wegen ihres Rückziehers, hat jetzt von Baufehlern als Begründung gesprochen, alle von überzogenen Preisen. Generalargument: „Es kann nicht sein, dass eine Wohnung in Reschitza genau so viel kosten soll wie in Bukarest, Temeswar oder Klausenburg!“ Dabei war ursprünglich, das heißt zu Zeiten, als die Kaufgesuche eingereicht wurden, von einem Quadratmeterpreis von 400 Euro die Rede.

Der jetzt bekannt gegebene Quadratmeterpreis von 326 Euro hat nicht nur die kaufwilligen Mieter abgeschreckt, sondern auch die Vertreter der Stadt entmutigt, die mit den eingenommenen Geldern eigentlich weitere Blocks mit Jugendwohnungen hätten bauen sollen (weil der entsprechende ALN-Fonds ziemlich geleert ist).
„Dass diejenigen, welche den Verkaufspreis für diese Wohnungen (im Wortsinn) festgelegt haben, überhaupt die Marktlage ignorierten und die ortsspezifischen Preise überhaupt nicht in Betracht gezogen haben – man kann auf einem freien Immobilienmarkt, selbst wenn man keine Ahnung hat vom Immobilienmarkt, doch nicht die Wohnungspreise landesweit über denselben Leisten schlagen! – das ist richtig empörend“, sagte Reschitzaer Bürgermeister Mihai Stepanescu. „Alle unsere Schätzwerte, so sehr wir auch den Richtwert aus Bukarest in die Rechnung einzubeziehen uns bemühten, liegen ziemlich weit unter den vorgegebenen 326 Euro, die Mehrwertsteuer inklusive.“

Dass die Richtpreise sukzessive von 448 auf 416 und jetzt auf 326 Euro pro Quadratmeter gesenkt wurden, das zeige übrigens klar, dass landesweit der Verkauf der ANL-Wohnungen stockt und dass man nach Lösungen sucht, um zu Geld zu kommen, aber auch, dass der rumänienweite Einheitspreis keine Lösung sein kann. Schon allein aus dem Grund, weil der freie Wohnungsmarkt viel, viel günstigere Bedingungen bietet. „Eine Inrechnungstellung der preisvermindernden Umstände – Alter der Wohnungen, Betreibungskosten usw. – würde mehr Realismus ins Geschäft bringen und die Wohnungen auch wohl verkäuflich machen“, sagte der Bürgermeister, „Schließlich haben wir mehrere neue ANL-Wohnblocks im Bau und der Bau stagniert, weil aus Bukarest, vom dazu bestimmten Fonds, keine Gelder mehr kommen. Ich setze auch nicht viel Hoffnung in die fürs Jahresende versprochenen ANL-Summen. Aber es ist absolut illusorisch zu glauben, dass jemand 20.000 Euro für eine ANL-Einzimmerwohnung in Reschitza hinblättern wird.“

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